
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Olivier Ka ist als Junge von einem Priester sexuell missbraucht worden. Eigentlich wollte er das in einem Roman verarbeiten, geworden ist es ein Comic mit Zeichnungen von Alfred: Warum ich Pater Pierre getötet habe, Carlsen.
Pardon-Gründer Johannes Nikel wird heute 80 Jahre alt. Arno Widmann hat ihn besucht.
Die Quellenlage zu Eva Braun ist schlecht, weshalb Angela Gutzeit mit einer gewissen Zurückhaltung Heike B. Görtemakers Eva Braun. Leben mit Hitler C. H. Beck begegnet. Eva Braun bleibe blass, Hitler erscheine aber ein einem intensiveren Licht.
„Zehnmal besser geschrieben“ als Schätzing seien Carol O‘Connells Krimis. Such mich!, jetzt bei btb.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Durs Grünbein nimmt Helene Hegemann in Schutz. Er scheint sich über das Wort „Plagiat“ zu ärgern.
Moritz Rinke hat eine „autobiographisch gefärbte Familiensaga“ geschrieben. In Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel (Kiepenheuer & Witsch) nähert er sich der braunen Vergangenheit seiner Worpsweder Heimat an. „Rinkes Worpsweder Horizontalbohrung geht eher fröhlich in die Breite als in die Tiefe und nie unter die Haut“, so das Fazit Martin Halters.
„Faszinierend, aber auch zwiespältig“ ist die Lektüre der Autobiographie von George Grosz, Ein kleines Ja und ein großes Nein. Sein Leben von ihm selbst erzählt (Schöffling} für Konstanze Crüwell. Der Karikaturist und Künstler zählt wohl zu den schillerndsten Figuren der Weimarer Republik.
Neue Sachbücher
Peter Geschiere: The Perils of Belonging. Autochthony, Citizenship, and Exclusion in Africa and Europe, Chicago University Press
Kritik in Kürze
Bernd Fritz: Die klassische Anmache, Kein & Aber
Charles Lewinsky: Doppelpass, Nagel und Kimche
Süddeutsche Zeitung
„Schwerkraft und Leichtsinn“: Zum 400. Todestag hat auch der Vatikan die Meisterwerke Caravaggios entdeckt. Das Buch dazu kommt von Valeska von Rosen unter dem Titel Caravaggio und die Grenzen des Darstellbaren, Akademie Verlag.
„Koloss von Russland, der Nacht verzogenes Kind“: Gemeint ist Fürst Potemkin, über den von Simon Sebag Montfiore die Biografie Katharina die Große und Fürst Potemkin. Eine kaiserliche Affäre bei Fischer erschienen ist.
„Die Enzyklopädie der ganzen Welt“ im Spiegel der Dramen des menschlichen Alltags hat Michael Köhlmeier unter Mitten auf der Straße aufgeschrieben (Deuticke).
„Pirouetten des Rückblicks“: Im erzählerischen Werk der Leonora Carrington bilden Spott auf die steifleinerne Welt ihrer Herkunft, Mythisches und Surreales eine leichtfüßige Einheit, bemerkt Hans Peter Kunisch über das Buch Die Windsbraut – Bizarre Geschichten, die in der Edition Nautilus erschienen sind.
Nichts anderes als „Mogelpackung Menschlichkeit“ sei der „Humanismus“, meint John Grey, der in seinem Buch Von Menschen und anderen Tieren (Klett-Cotta), der das Tier in sich entdeckt haben will. Grey hämmere darin aber allzu grobe Keile auf grobe Klötze, so Rezensent Thomas Meyer.
Die Welt
Die österreichische Kunsthistorikerin Birgit Schwarz interpretiert Hitlers Hinwendung zur Politik nach seinen erfolglosen Versuchen in der Kunst nicht als Bruch, sondern als Fortsetzung. Hitler sei vom Geniekult des 19. Jahrhunderts durchdrungen gewesen und empfand sich ebenfalls als solches. Schwarz versucht diese Haltung u. a. anhand der privaten Bildersammlung Hitlers zu belegen, die sie erstmals rekonstruiert hat. Geniewahn: Hitler und die Kunst, Böhlau.