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P.E.N.-Pressekonferenz „Writers in Prison“

Shi Ming, Zhou Qing, Dirk Sager,
Herbert Wiesner, Gottfried Honnefelder,
Amir Cheheltan, Susanne Baghestani

Gestern Nachmittag hatte das P.E.N.-Zentrum zu einer Pressekonferenz eingeladen.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Herbert Wiesner, Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland, machte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins, zwei Themen, die für ihn im Mittelpunkt der diesjährigen Buchmesse stehen, deutlich: China als Ehrengast und das Urheberrecht in Zusammenhang mit dem Google Settlement. Beides Mal geht es um die Freiheit des Wortes. „Gegen Einschränkungen müssen wir uns mit unterschiedlichen Waffen wehren“, konstatierte Gottfried Honnefelder.

Herbert Wiesner warf ein, dass es in China vielleicht den einzigen Gegenspieler von Google gibt, der gerne die gesamte deutsche Literatur aufkaufen würde.

Dirk Sager, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des P.E.N.-Zentrums Deutschland, unterstrich, dass China in Hinsicht auf Einschränkung von Freiheiten kein Einzelfall ist. Die Frage stellt sich: Kann ein Land seinen Weg unter Umgehung der Menschenrechte beschreiten?

Seit den Olympischen Spielen in China sind 12 weitere Verhaftungen von Autoren oder Journalisten in dem Land zu vermerken. Dirk Sager legte den Bericht zur weltweiten Verfolgung von Schriftstellern und Journalisten vor, der reichlich Grund zur Besorgnis bietet – nicht nur in China.

Der als Writer in Exile derzeit in Deutschland lebende chinesische Autor Zhou Qing schilderte eindringlich die Beobachtung jedes seiner Schritte in China. Aus diesem Grund schätzte er die Möglichkeit, als Stipendiat in Deutschland sein zu dürfen, hoch ein, denn damit stehe sein Leben unter Schutz.
Er hatte ein Buch über die Lebensmittelskandale in China geschrieben, das in seiner Heimat verboten wurde und nur im Ausland veröffentlicht werden konnte.
Auch das Massaker auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ soll aus dem Gedächtnis der Chinesen gelöscht werden.

In China finde eine massenhafte Kontrolle des Internets statt. So gäbe es 30.000 Netzpolizisten, die regimefeindliche Äußerungen aufspüren sollen. Damit ist ein öffentlicher Austausch abweichender Meinungen nicht möglich.

Amir Cheheltan, Schriftsteller aus dem Iran, stellte in seiner Heimat einen elektronischen Kampf fest. Hier sind die jungen Leute über diverse Internet-Kanäle schneller und verbreiten ihre Botschaften.
Es ist nicht so, wie leider in den westlichen Medien oft dargestellt, dass das Volk des Iran geschlossen hinter der Regierung des Landes steht. Eine neue Mittelschicht ist in den letzten Jahren entstanden, die sich nicht mehr alles gefallen lässt und für Freiheiten kämpft.

Das P.E.N.-Zentrum versucht, verfolgten Autoren zu helfen. Leider ist die Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden sehr bürokratisch und langwierig. Bestes Beispiel ist das eines kubanischen Autors, der Asyl beantragt hat. Alle bisherigen Versuche, diesen Antrag beschleunigt zu bearbeiten, waren leider erfolglos.

JF

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