
Der letzten derartigen literarischen Coup gab es in den 20er Jahren: Damals gab – in der frischen Weimarer Republik – ein gewisser Harry Domela sich als Hohenzollernspross aus und ließ sich hofieren, wo es gut und teuer war.
Sein Buch (damals im Malik-Verlag) Der falsche Prinz, das er im Knast schrieb, wurde ein Bestseller – und die Republik lachte sich kaputt, wie er es geschafft hat, dass alles vor seiner selbstbehaupteten Blaublütigkeit buckelte und kratzfußte. Denn eigentlich war Domela ein ganz armes Schwein…
Das ist natürlich heute ganz anders. Kann uns nicht passierren. Ein Grafentitel – was ist das schon? Beeindruckt uns einen feuchten Schmutz…
Fehlanzeige. Lo Blickensdorf, geboren 1951, Maler, Performancekünstler sowie Drehbuch- und Comedyautor. Gagschreiber für Harald Schmidt, und ständiger Mitarbeiter der Satirezeitschrift Eulenspiegel hat es wissen wollen. Er ließ Visitenkarten mit dem Namen Lo Graf von Blickensdorf drucken, malte sich ein Phantasiewappen – und staunte. Ob er im Bundesverteidigungsministerium anrief, bei der Jungen Union und sogar bei Frau Bundeskanzler schriftlivch vorstellig wurde – alle standen sie stramm vor seinem Grafentitel. (Frau Merkel wollte er ne Abwrackprämie für Adelsnamen andrehen. Pöbel wie unsereins würde damit somit im bundeskanzlerischen Mülleimer landen – nicht aber Graf von B.: sofort kriegte er ein Autogrammfoto von Frau Bundeskanzler: geht doch!).
Und nun wollen wir mal sehen, ob bei seinem bei Rotbuch erschienenem Werk Werden Sie doch einfach Graf! Biste was, kriegste was auch der Domela-Bestseller-Effekt eintritt. In diesem soeben erschienen Buch hat er nämlich – ohne Ansehen von Amt und naja, Würden – alle die lustigen Geschichten aufgeschrieben, die ihm als Graf passiert sind. Immer getreu dem Motto: „Besser Graf als Hartz IV!“







