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FAZ: Betreibt Hugendubel „buchhändlerische Selbstverstümmelung“? / Chance für die Kleinen?

Was bedeutet nun ein solch drastischer Personalabbau und Ausbildungsstopp im zweitgrößten Buchhandelsunternehmen Deutschlands für die Branche?, das fragt sich die FAZ in einem Bericht über Hugendubel und der Stellenabbau bei der DBH. Dabei betrachtet Autorin Marguerite Seidel den Buchhandel.

Dazu heißt unter anderem: „Zunächst einmal folgt auf die Schlankheitskur der DHB-Filialen eine buchhändlerische Selbstverstümmelung: Wenn an Service- und Beratungspersonal gespart wird, muss folglich das Sortiment eine stärkere Zugpferdrolle spielen. Wie „selbstbedienungsorientiert“ kann Weltbild aber überhaupt noch werden? Während die Filialen mit schmalem Angebot, niedrigen Preisen und kaum Personal heute schon spartanische Resterampen sind, will sich Hugendubel künftig auf Unterhaltung, Kinderbücher, den Bereich ‚Besser leben‘ und sogenannte Non-Books, also Geschenkartikel, Schreibwaren und ähnliches, konzentrieren.

Stapelware bald ohne Händler? Weniger Buchhändler, weniger Bücher, mehr Selbstbedienung – dies setzt einen Kurs fort, vor dem die Initiative Probuch München schon länger warnt: der Demontage des Buchhändlerberufes speziell bei Großfilialisten. Weil Buchhändler dort mehr und mehr zu Gemischtwarenhändlern würden und nur noch auspacken, was andere bestellen, sieht dieser Zusammenschluss angestellter und selbstständiger Buchhändler die Entwicklungen der Branche kritisch.

‚Wenn nun schon nicht einmal mehr ausgebildet werden soll, sind in diesem System überhaupt noch Buchhändler nötig?‘, fragt auch ein Hugendubel-Mitarbeiter, der nicht genannt werden will. Bisher könnten die Beschäftigten über Hugendubels Zukunft allerdings nur mutmaßen, weil genaue Informationen noch fehlten, so der Betriebsratsvorsitzende Uwe Kramm: „Viele Kollegen sehen vor allem die rasante Expansion des Unternehmens in den letzten Jahren kritisch.“ Gewiss ist für ihn indes eines: Sollten die Planungen so umgesetzt werden, würde sich Hugendubel radikal verändern.

Christiane Hahn ist mit ihrer Buchhandlung Anakoluth vor einem Jahr aus Berlin-Mitte sogar in ein Ladengeschäft schräg gegenüber von der Thalia-Filiale in Prenzlauer Berg gezogen.

Wenn Großfilialisten eines Tages allerdings wirklich nur noch kassieren und nicht mehr beraten sollten, dann hegt Christiane Hahn doch die leise Hoffnung, dass dies eine positive Auswirkung auf den stationären Einzelhandel haben könnte.“

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