
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
Wird das die neue maßgebliche Fassung: Wolfgang Rölligs Neuübertragung des Gilgamesch-Epos? Das 5000 Jahre alte Epos ist eben von ihm bei Reclam publiziert worden. Weitere Übersetzungen: von Stefan Maul bei C.H. Beck und Raoul Schrott bei Fischer Taschenbuch.
Jörg Plath rezensiert Szilárd Rubin Kurze Geschichte von der ewigen Liebe (Rowohlt Berlin) – eine schöne Entdeckung nach 40 Jahren.
Zu Beginn des 3. Internationalen Mediendialogs in Hamburg haben deutsche Verlage eine Resolution gegen den geistigen Diebstahl im Internet vorgelegt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neuer Fortsetzungsroman: Norbert Scheuers Überm Rauschen (C.H. Beck) – eingeführt von Richard Kämmerlings.
Hans-Jürgen Schings rezensiert Hans-Georg Behrs Fast ein Nomade (Zsolnay) – damit setzt er seine Autobiographie fort.
Cees Nooteboom bekommt den Prijs der Nederlandse Letteren – er ist der 19. Preisträger, und 40.000 Euro gibt’s obendrauf.
China baut noch eine große Mauer. Im Internet: Ab 1. Juli sollen alle in China verkauften PCs über eine Software verfügen, die automatisch ausgewählte Internetseiten blockiert. Hoffentlich ist nicht die von der Frankfurter Buchmesse dabei – wär ein bisschen blöd als Gastland.
Die Welt
36 Jahre nach Tolkiens Tod bringt sein Sohn Christopher weitere Epen des Vaters auf den Markt – ob aber Langgedichte wie The Legend of Sigurd and Gudrun das Zeug zum Weltbestseller haben, sei dahingestellt. Tolkien selbst hat schon gewusst, warum er sie nicht veröffentlichte.
Süddeutsche Zeitung
Der amerikanische Schriftsteller William T. Vollmann erzählt in seinem neuen Buch Hobo Blues. Ein amerikanisches Nachtbild vom Reisen in Güterzügen. Hobos waren Wanderarbeiter, die sich um den Bau von Straßen, Ortschaften und der Eisenbahn kümmerten. Nico Bleutge findet, Vollmanns großes Gespür für sprachliche Nuancen werde fühlbar, und er mache deutlich, wie durchlässig das Trennhäutchen zwischen Realität und Fiktion sei. Erschienen bei Suhrkamp.
Michael Brenner beschreibt die Kleine jüdische Geschichte anhand der Migration, beginnend mit Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies, kulminierend in der Gründung des Auswanderstaates Israel und vorläufig endend mit den Wanderungsbewegungen nach dem Zerfall der Sowjetunion. Alexander Kissler rezensiert das bei C. H. Beck veröffentlichte Buch: „Dennoch hat Michael Brenner eine solide, zuweilen verblüffende und stellenweise bewegende Einführung in die jüdische Geschichte vorgelegt.“
Volker Breidecker war bei den Frankfurter Lyriktagen, die in diesem Jahr unter dem Motto „natur, lyrisch“ zum zweiten Mal stattfanden. Viel Andrang und Zuspruch fanden die vier Tage dauernden lyrischen Tage. Breidecker meint, er habe einen Hunger nach Poesie ausfindig machen können, der mit dem Verschwinden von Lyrik aus den Verlagsprogrammen nicht vereinbar sei.
Und Arnold Stadler erhält den Kleist-Preis 2009.
Neue Zürcher Zeitung
„Das lyrische Ich geht auf Distanz“: heißt es über eine Besprechung zu Hans Magnus Enzensbergers Rebus mit neuen Gedichten im Suhrkamp-Verlag.
„Vergnügen und Verinnerlichung“: Die Arlesheimer Eremitage vor und nach der Revolution beschreibt Vanja Hug in Die Eremitage in Arlesheim. Ein englisch-chinesischer Landschaftsgarten der Spätaufklärung in der Grünen Reihe. Quellen und Forschungen zur Gartenkunst, Bd. 27 bei Wernersche Verlagsanstalt.
„Und der Mensch trägt doch die Krone“ ist Gerhard Neuweiler überzeugt und legt dies in Und wir sind es doch – die Krone der Evolution bei Wagenbach dar. Darin versucht er den Ausbruch aus dem Modell des Zufalls.
„Turm von Babel, chinesisch“: Im Roman von Luo Lingyuan Die Sterne von Shenzhen (dtv) glücke es der Autorin zwar die ökonomische Hybris in China zu beschreiben, aber die Charaktere und auch das Stück versuchte Verruchtheit bleiben auf der Strecke, so Ludger Lütkehaus.
Kurz besprochen wird unter:
> „Im Hamsterrad“: Byung-Chul Han, Duft der Zeit. Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens, Transcript-Verlag.
> „Traurige Wahrheit“: Hans Jürg Sandkühler, Kritik der Repräsentation. Einführung in die Theorie der Überzeugungen, der Wissenskulturen und des Wissens], Suhrkamp-Verlag.
> „Politischer Roman“: Gerda Lerner, {Feuerkraut. Eine politische Autobiografie, Czernin-Verlag.







