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Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und nicht nur Klinsi und Schweinegrippe

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Zwei Themen heute ganz oben: Grinseklinsi ist geschasst, und dabei hat er uns rein rechtlich doch gerade soviel Spaß gemacht [mehr…]. Na, wird schon wieder ein anderer kommen… Und die Schweinegrippe kommt.

Frankfurter Rundschau

„Eine grosse öffentliche Reuberey“: Dieser Text über nichtautorisierte Nachdrucke, der das Feuilleton eröffnet, stammt von Martin Luther. Aus dem Jahr 1541. Etwa in dieser Ära scheint sich das Urheber-Rechtsbewusstsein von Google zeitlich zu bewegen. Sehr schöne Idee, liebe FR!

Das Berliner Literaturhaus zeigt die Ausstellung Doppelleben – darin geht es um exemplarische literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland. Das Begleitbuch gibt es bei Wallstein.

Ina Hartwig kommentiert den angekündigten Ausstieg von Maria Gazzetti als Frankfurter Literaturhauschefin – buchmarkt.de berichtete gestern exklusiv: [mehr…].

Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann unterstützt den Heidelberger Appell.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Den Weggang von Maria Gazzetti aus Frankfurt kommentiert die FAZ so: „Haus ohne Hüterin. Die Literaturstadt Frankfurt bröckelt weiter“.

Joseph Oehrlein rezensiert Clara RojasIch überlebte für meinen Sohn (Blanvalet) – ein Blick auf die Guerrilleros in Kolumbien.

Auch hier: Die Berliner Ausstellung DoppellebenRichard Kämmerlings hat sie besucht.

Die Welt

„Ablasshandel in Sachen geistiger Enteignung: Gefecht ums Urheberrecht: Wie sich deutsche Autoren gegen Googles Digitalisierungsoffensiven wehren“: Hendrik Werner schlägt der Internetkrake einiges an Vokabular um die Ohren: Die Rede ist von „verwerflichen Sachen“, „vielarmiger Einverleibungsstrategie“, „Raubrittertum“ und „Beutezügen“.

Eine kleine Meldung zeigt „Bücher to go“: nämlich die Espresso Book Machine im Blackwell Bookstore in London. Leider sagt der Artikel nicht, wie sie denn genutzt wird, aber einen netten Seitenhieb gibt es auf die E-Reader: Ist die neue Book Machine nicht gerade angetreten, irgendwie auch die immer totgesagte Gutenberg-Galaxis zu retten?

Und noch einmal: Die Ausstellung Doppelleben. Schön, dass sich die Redaktionen augenscheinlich abgesprochen haben und nicht – wie sonst oft – das gleiche Bild verwenden. Macht es sich doch bezahlt, mehrere Tageszeitungen zu haben.

Süddeutsche Zeitung

Riesenrezension von Strangeland aus dem Blumenbar Verlag – es geht ums Werk der Künstlerin Tracey Emin. Bis Ende Juni gibt’s in Bern auch eine Ausstellung zu ihr.

Aus für Decca? Es scheint so. Schade um das 1929 gegründete Label. Decca soll der Deutschen Grammophon „untergeschoben“ werden.

„Warum nur gibt Maria Gazzetti auf?“ fragt Martin Mosebach und meint, sie sei ein „Glücksfall“ für die Vermittlung gewesen: „Was immer sie bewegt hat aufzugeben – es kann nur eine Belastung für die Zukunft des Literaturhauses sein.“ Das freilich klingt eher nach großem Melodrama.

Eine ganze Seite dreht sich ums Vinyl: Die erstaunliche Rückkehr der Schallplatte. Wer sich schon mal eingewöhnen will: Labelkunde Vinyl – Schallplattenfirmen, Etikettenstammbäume, Matritzenschlüssel, Qualitätsparameter – das Buch gibt’s bei Schwarzkopf & Schwarzkopf.

Mark-Georg Dehrmann rezensiert Theodore Ziolkowski – der erkundet antike Spiegelungen in der deutschen Literatur nach 1933. In Mythologisierte Gegenwart (Fink).

Kristine Maidt-Zinke bespricht den neuen Nooteboom Nachts kommen die Füchse (Suhrkamp): Nooteboom beherrsche die „Kunst der Randbemerkung“.

Band I der „Gemeinsamen Werke“ Jorge Luis Borges und Adolfo Bloy Casares bei Hanser: Sechs Aufgaben für Don Isidro Parodi. Zwei denkwürdige Phantasien. Mord nach Modell.

Neue Zürcher Zeitung

„Der grosse Zweifel“, ist der Tenor in Lorenz Langeneggers Romandébut Hier im Regen, (Jung und Jung), so Paul Jandl, der befindet: „Als einfühlsamer Prosaist des leisen Unglücks wird Langenegger künftig vielleicht nicht zu überhören sein.“

„Anleitung zum Glücklichsein“: Lars Gustafssons Frau Sorgedahls schöne weisse Arme (Carl Hanser ) ist ein „philosophischer Kindheitsroman“. Der sei „voller Erotik, kühn verbindet er Anekdote und Theorie, Sinnlichkeit und Transzendenz. Man lasse sich in die weissen Arme von Frau Sorgedahl gleiten, und man wird nicht wissen, ob man fliegt oder fällt“, so Andreas Breitenstein.

Ein „Ausgekippter Zettelkasten“ sei Olga Tokarczuks Collage Unrast, so Jörg Plath. „Manche Geschichten zeigen Tokarczuks beachtliches erzählerisches Talent. Die meisten der nachlässig hingeworfenen Notate erwecken allerdings den verheerenden Eindruck bodenloser Naivität“, lautet sein Eindruck.

„Wachsam und feindselig“: Colm Tóibíns Erzählungen über Mütter und Söhne (Carl Hanser) erlaube es dem Autor „noch mehr als in seinen Romanen auf Details zu konzentrieren, Kleinigkeiten zu erfassen und Bedeutung zu suggerieren“,mehr aber auch nicht, so Friedhelm Rathjen.

Und auch das ist vollbracht: Der alte Kanzlerbungalow in Bonn ist von der Wüstenrot Stiftung wieder instand gesetzt worden und kann besichtigt werden. Das war nicht einfach, denn welcher Zustand sollte hergestellt werden, der ursprüngliche oder der seines letzten Bewohners Helmut Kohl? Wie die Antowrt aussieht, lässt sich auch nachlesen in Der Kanzlöerbungalow hrsg. von Georg Adlbert im Krämer Verlag.

Kurz besprochen werden unter:
„Neue Weltordnungen“: Thomas de Padova: Das Weltgeheimnis. Kepler, Galilei und die Vermessung des Himmels, Piper.
„Credit-Points?“: Jürgen Overhoff: Vom Glück, lernen zu dürfen. Für eine zweckfreie Bildung, Klett-Cotta.
„Que sais-je?“: Hans Peter Balmer: Montaigne und die Kunst der Frage. Grundzüge der Essais, Francke-Verlag.

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