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Der Bericht aus Bologna

Am gestrigen Donnerstag ging sie zu Ende: Die 46. Internationale Kinderbuchmesse in Bologna, der wichtigste Treffpunkt des Jahres für Kinder- und Jugendbuchverlage aus aller Welt. Vier Tage lang wurden Bücher präsentiert, Lizenzen gehandelt, Illustrationen ausgestellt und Informationen ausgetauscht. BuchMarkt hat sich für Sie umgesehen – lesen Sie unseren Bericht mit Ausblick auf die deutschen Herbstprogramme und vielen Impressionen von der Messe, auch in unserer Bildstrecke am Ende der Meldung.

Koreanische Kunst

Mit dem traditionellen Empfang der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen stimmten sich die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angereisten Verlagsmitarbeiter auf die von vielen als „schönste Buchmesse des Jahres“ bezeichnete Bologna Children’s Bookfair ein. Über ein volles Haus im Istituto di Cultura Germanica konnte sich der avj-Vorsitzende Klaus Willberg freuen.

Leerer als sonst

Der erste Messetag machte dann erstmal den Eindruck, als ob die Hallen noch etwas leerer waren als gewohnt. Alle, die aus Leipzig kommen, schätzen an Bologna, dass es eine Fachbesucher-Messe ist, man also beim Hallenwechsel in normalen oder gar schnellem Schritt-Tempo voranschreiten kann, ohne dass einem die Flügel oder das Schwert eines als Manga-Figur verkleideten Teenagers in die Rippen gestoßen werden.

Bologna ist eine Arbeitsmesse. Die offiziellen Besucher-Zahlen lassen nach der Messe in der Regel auf sich warten. 1.300 Aussteller, davon 1.200 ausländische hatte man angekündigt, im vergangenen Jahr besuchten etwa 4.900 Fachbesucher die Messe. Vermutlich wird man das für 2009 nach unten korrigieren müssen.

Denn zumindest aus den USA waren weniger Verlagskollegen angereist. Zum einen war dies der Entlassungswelle von Ende 2008 geschuldet, zum anderen dem Sparkurs, der in den meisten Häusern um sich greift – auch die verbliebenen Lektoren waren nicht alle angereist, denn zur Zeit steht der Lizenzverkauf im Vordergrund, beim Lizenzkauf ist man vorsichtiger geworden. Einige Top-Lektoren in den USA seien nach wie vor ohne Job, konnte man hören, viele machen sich als Agenten selbständig.

Hier muss nun also das Wort „Krise“ fallen. Die meisten Gespräche über dieselbe kreisten darum, wo – und wie – sie sich wohl zuerst abzeichnen würde. Genaues weiß man nicht. Und solange dieser Zustand andauert, nutzen viele die Zeit der Unsicherheit, um das eigene Profil zu schärfen. Wie jedoch ein Profil entstehen soll, wenn man ständig nach dem schielt, was die anderen machen, und versucht, etwas Ähnliches zu machen wie das, was erfolgreich ist – dies bleibt eine weitere ungeklärte Frage. Werfen wir einen Blick auf die Herbstprogramme der deutschsprachigen Verlage.

Bilderbuch, was wird aus dir?

Die Bilderbuch-Programme sind schlanker geworden, im Pappen-Bereich sind einige neue Ansätze hinzugekommen. Das Bilderbuch wird nicht mehr so häufig als Sorgenkind des Kinder- und Jugendbuchs tituliert, vielleicht hat man sich aber auch einfach ein wenig damit abgefunden, dass es schwierig ist, in diesem Segment Bestseller zu kreieren.

Einer davon feiert in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum – das „Grüffelo“ von Julia Donaldson und Axel Scheffler bei Beltz & Gelberg. Zum Geburtstag erscheint der Longseller als Pop-up-Buch.

Pop-ups treten insgesamt wieder häufiger auf und haben eine Qualitätssteigerung erfahren. „Der kleine Nick“ (Diogenes) ist gerade in dreidimensionaler Form ausgeliefert worden, ebenso „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Gerstenberg bringt „Hotel Gruselgraus“ von Alex Henry und Antje von Stemm, bei cbj ist bereits in diesem Frühjahr ein Pop-up von Antje von Stemm erschienen: „Ungeheuer Gute Nacht!“.

Auf Special Effect setzt auch arsEdition bei „Hexe Florinda und die Zauberinsel“ von Edith Thabet und Silvio Neuendorf; die Story ums Streiten und Versöhnen hat ein Lamellenbild.

Klassisches: Im Nachlass von Erich Kästner sind Illustrationen von Walter Trier entdeckt worden, die aus dem Jahr 1948 stammen. „Der lustige Dampfer“ ist ein bislang unveröffentlichtes Bilderbuch, zu dem Harry Rowohlt nun die Verse geschrieben hat.

Thienemann hat ein Buch des 2003 verstorbenen Typographen Hans Peter Willberg, dem Vater des Verlegers Klaus Willberg, im Herbstprogramm. „Die verflixte/zwickte/zweigte Geschichte vom kleinen dicken Hund“ ist von Peter Beckhaus illustriert worden und überzeugt durch die Zusammen- und Auseinanderführung der Erzählstränge in Bildsequenzen.

Bei NordSüd kann man sich auf eine neue Binette Schroeder freuen. Die Künstlerin, die alle zehn Jahre ein neues Buch fertig stellt, präsentiert im Jahr ihres 70. Geburtstages eine Ritter-Geschichte. Bernadette erzählt eine Wintergeschichte, Markus Pfister hat die neue „Regenbogen-Fisch“-Geschichte mit viel Glitzer ausgestattet: „Der Regenbogenfisch entdeckt die Tiefsee“. NordSüd-Lektorin Katja Alves wurde auf der Bologna-Messe übrigens auch als Autorin gehandelt, man darf gespannt sein.

Carlsen bringt nach zwei Nominierungen von Shaun Tan in der Kategorie Bilderbuch des Deutschen Jugendliteraturpreises ein Bilderbuch des Australiers: „The Lost Thing“ erscheint als „Fundsache“. Der Autor soll im Herbst nach Deutschland kommen, eine Ausstellung ist in Aussicht gestellt.

Fester Termin: Illustratoren gesucht

Bei Dressler erscheint „Der verlorene Engel“ – ein Bilderbuch über einen Schutzengel in L.A. – geschrieben von Cornelia Funke mit Illustrationen von Kerstin Meyer.

Stichwort Pappe: Von Moni Port erscheint – nach vielen Cover-Gestaltungen – endlich wieder ein eigenes Bilderbuch, ein Sachen-Buch für die Kleinsten. Die Idee habe sie schon lange beschäftigt, dann wieder verworfen, erzählte sie in Bologna. Als dann aber Monika Osberghaus die Atelier-Gemeinschaft labor in Frankfurt besuchte, hätten sie den Entwurf zusammen diskutiert. Entstanden ist ein Buch, das nicht nur Sachen abbildet, sondern sie auch in abgekauten oder verwelktem, beschädigtem oder abgelaufenem Zustand darstellt – so wie das Leben nun mal ist. Erscheinen wird es bei Klett Kinderbuch.

Eine Pappe bei Bajazzo: Coby Hol]: „Zehn kleine Häuser“. Die Künstlerin aus den Niederlanden arbeitet mit Kartoffelstempeln.

Außerdem bringt der Schweizer Verlag ein Künstlerbuch: „Um Mitternacht“ ist ein Gedicht von Eduard Möricke mit Scharz-Weiß-Illustrationen von Hannes Binder. Und hoffentlich fertig wird auch ein Bilderbuch von Jorge Luján und Julia Friese: „Barco de Papel“ heißt es im mexikanischen Original, an der Übersetzung wird noch gefeilt.

Aufbau-Bilderbuch-Programmleiterin Heike Clemens freut sich auf ein Bilderbuch, für das Willi Glasauer Text und Bilder geliefert hat: „Als die Tiger noch Pfeife rauchten“ ist der Beginn vieler koreanischer Märchen. Außerdem wird hoffentlich Klaus Ensikat mit seinen Bildern für „Die Leihgabe“ von Wolfdietrich Schnurre fertig. Angekündigt ist auch ein Adventskalender von Sybille Hein.

Peter Hammer bringt eine gereimte Nonsens-Geschichte von Christiane Pieper, die mit der Zeile „Da reitet meine Nichte einfach auf die Fichte“ beginnt. Ihre Illustrationen zu Francis Bebeys „Komm auf die Welt“ sind gerade in dritter Auflage erschienen. Außerdem im Wuppertaler Verlag, der in Leipzig den Kurt Wolff-Preis erhielt: Die Straßenkinder-Geschichte von Nasrim Siege mit Bildern von Barbara Nascimbani.

Und noch ein besonderes Projekt bei Carlsen: „Ein Traum von einem Buch“ entstand aus einer Ausstellung in der Internationalen Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg. Damals hatte man internationale Künstler dazu aufgerufen, Cover zu Büchern zu malen, die sie gern veröffentlichen würden – und die Geschichte dieser imaginären Bücher zu erzählen. 74 Illustratoren sind in diesem Buch versammelt, ein Teil des Erlöses geht an die IJB.

Kinderbücher mit hochkarätigen Illustrationen

Der Ausblick auf den Kinderbuch-Herbst ist viel versprechend. Neben besonderen Autoren überzeugen die Namen der Illustratoren.

Ute Krause bringt ihr erstes selbst geschriebenes und illustriertes Kinderbuch bei Oetinger: „Osman. Der Dschinn in der Klemme“, eine abenteuerliche Zeitreisen-Geschichte.

Bei Thienemann erscheint „Alice im Mongolenland“ von Ulrike Kuckero mit Illustrationen von Maja Bohn, die Geschichte eines Mädchens mit Down-Syndrom.

Anke Kuhl hat Marlies Bardelis Text „Timur und die Erfindungen aus lauter Liebe“ bei Sauerländer illustriert.

Philip Waechter liefert die Bilder für eine „Der schönste Hundesommer der Welt“ von Amalia Rosenblum bei Beltz & Gelberg und Kerstin Meyer hat für denselben Verlag Wieland Freunds Geschichte über eine ausgesetzte Schildkröte bebildert, „Törtel“.

Eine Anthologie: Aufbau bringt „Die schönsten Märchen“, herausgegeben von Peter Härtling mit Illustrationen von Aljoscha Blau.

Noch eine: Christine Knödler hat für Thienemann „In wenigen Worten die ganze Welt“ zusammengestellt, Gedichte, die von Daniela Kulot in einer Weise bebildert wurden, die die Herausgeberin ins Schwärmen geraten lassen.

Vitali Konstantinov stattet ein Buch bei Bloomsbury aus: Daniil Charms, „Seltsame Seiten – Ausgewählte Gedichte und Geschichten für Kinder“.

Weitere Kinderbücher: Nach der Nominierung in der Kategorie Kinderbuch des Deutschen Jugendliteraturpreises für „Tote Maus für Papas Leben“ erscheint bei Bloomsbury ein neuer Titel von Marjolijn Hof: In „Mutter Nummer Null“ geht es um das Thema Adoption, übersetzt hat erneut Meike Blatnik, die auch in der Presseabteilung des Berliner Verlages arbeitet.

Talentsuche in Bologna

Ab elf Jahren ist ein besonderes Projekt bei arsEdition angesetzt: „Arthur und die vergessenen Bücher“ von Gerd Rubenstrunk wurde durch die Agentur Hanauer vermittelt, ist auf mehrere Bände angelegt und wird Schwerpunkttitel im Herbst.

Bei der Fischer Schatzinsel startet eine neue Reihe: „Radieschen & Co“ von Susanne Lütje mit Illustrationen von Marina Rachner spielt auf einem Biobauernhof, „Rummel auf dem Lehmannshof“ heißt der erste Band für Kinder ab acht Jahren.

Für die ersten beiden Grundschulklassen hat Veronika Ferres für cbj die Geschichte „Fass mich nicht an“ geschrieben, Julia Ginsbach hat illustriert.

Und noch ein Promi: rotfuchs-Programmleiterin Christiane Steen hat Ben Beckers Geschichte von „Bruno mit den grünen Haaren“ eingekauft, für Kinder ab fünf Jahren.

Jugendbuch: Vampire, Werwölfe, Fantasy – und mehr

Dass sich die Fantasy-Müdigkeit von Lektoren und Buchhändlern nicht auf die Leser überträgt, ist bekannt – also geht es weiter mit zwielichtigen Figuren und magischen Welten. Aber auch das realistische Jugendbuch erhält seinen Auftritt.

Thienemann-Programmleiter Stefan Wendel begann auf der letztjährigen Bologna-Messe in einem Buch zu lesen, als er auf seinen Termin bei Andersen Press wartete. „This Is What I Did“ von Ann Dee Ellis hatte ihn nach den ersten Seiten so fasziniert, dass er es zur Prüfung anforderte – „Es tut mir so leid“ erscheint im Herbst und ist eine Ausnahme-Erscheinung im Stuttgarter Verlagshaus, das so gut wie nie Lizenztitel bringt.

Holly Jane Rhalens hat mit „Mauerblümchen“ (rotfuchs) einen Wende-Roman aus der Perspektive eines 16-jährigen deutsch-amerikanischen Mädchens geschrieben, der zwei Wochen nach Mauerfall spielt. Übersetzt hat Sabine Ludwig.

Bei Dressler erscheint mit „Weggesperrt“ von Grit Poppe ein eindringliches Jugendbuch ab 14 Jahren zum Thema „Jugendwerkhöfe“, in diesem Fall dem „Geschlossenen Jugendwerkhof Thorgau“.

Antje Wagner legt nach Romanen bei KiWi ihr erstes Jugendbuch bei Bloomsbury vor, „Unland“.

Tobias Elsässer hat für Sauerländer „Abspringen“ geschrieben, ein Roman, in dem es explizit um Sex geht, aus der Perspektive eines Jungen.

Eine belgische Lizenz hat Loewe gekauft: Die Reihe von Helen Vreesvijk, in der es jeweils um einen Kriminalfall sowie um die polizeiliche Aufklärungsarbeit geht, der erste Band heißt „Chatroom-Falle“.

Einen verstärkten Trend zum Comic-Roman stellt dtv junior-Programmleiterin Anne Schieckel fest. Ihr Spitzentitel im Herbst ist „Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers“ von Sherman Alexie, übersetzt von Katharina Orgaß und Gerald Jung, eine witzige wie traurige Außenseitergeschichte eines Jungen, der mit 14 Jahren sein Indianer-Reservat verlässt und fortan zwischen zwei Kulturen lebt. Ellen Forney hat die Geschichte mit Comic-Elementen angereichert, der Titel erscheint unter dem Label dtv premium.

Empfang am deutschen Gemeinschaftsstand

Im November kommt dann der neue Kevin Brooks bei dtv, „Black Rabbit Summer“ in der Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn, der sich besonders schön über den Erfolg „seines“ Autors freut. Brooks wurde von Chicken House-Verleger Barry Cunningham entdeckt und hat mit seinem Wechsel zu Penguin vertraglich zugesagt, jedes Jahr einen neuen Roman abzuliefern.

Fischer Schatzinsel bringt einen Roman aus Indien: „Heldenspiel“ von Pavo Anand erzählt von einem Jungen in Kashmir, der in ein Terroristen-Camp gerät – eine Geschichte über die Verführbarkeit, falschen Idolen zu folgen.

Eine Lizenz von Scholastic erscheint bei Oetinger: Suzanne Collins, „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“, seit Wochen auf den vordersten Plätzen der New York Times-Bestsellerliste. Ein postapokalyptisches Szenario, das an Orwell erinnert und sich an Motive aus der griechischen Mythologie anlehnt. Stephenie Meyer über das Buch: „I was so obsessed with this book I had to take ist with me out to dinner and hide it under the edge of the table so I wouldn’t have to stop reading … I’ve been recommending it to total strangers in Target. And now to everyone who reads my website.“

Und die Fantasy, eine kleine Auswahl: „Totenbraut“ von Nina Blazon bei Ravensburger, Kai Meyers erstes Buch bei Carlsen, Thomas Thiemeyers „Humboldt-Chroniken“ (historische Fantasy bei Loewe), „Elfensucher“ von David und Ruth Ellwand bei Sauerländer, „Das Geheimnis von Ata Huipe“ von Evilan (französische Lizenz bei Herder), „Century“ (italienische Lizenz bei Baumhaus), Laura Gallego Garcías „Teppich des Dichters“ (spanische Lizenz bei Gerstenberg), ein Einzeltitel derselben Autorin kommt bei dtv junior.

Einige Stimmen deutschsprachiger Lektorinnen: „Der Trend geht zum weiblichen Werwolf“, „Angeboten werden Werwölfe und Zombies, Zombies will ich aber nicht“, „Das Parapsychologische erhält neuen Schwung“, „Feen, Vampire, Akademien, und das alles rauf und runter“, „Das ist zwar Fantasy, aber ganz anders.“

Und schließlich die Beobachtung, dass das Jugendbuch in Richtung Erwachsenenbuch immer mehr „aufweicht“. „All Age“ ist auch das Thema des diesjährigen Praxisseminars der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, zu denen sich erfreulich viele Teilnehmer, auch aus den Verlagen angemeldet haben, wie die neue avj-Geschäftsführerin Margit Müller berichten kann. Und vereinzelt wurden in Bologna auch Lektoren aus belletristischen Häusern gesichtet, die auf der Suche nach Lizenztiteln waren. Stellt sich erneut die Frage nach der Platzierung solcher Bücher im Handel.

Sachbuch – nach der Schelte

Die Vorsitzende der Kritiker-Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises Susanne Helene Becker hatte bei der Bekanntgabe der Nominierungsliste in Frankfurt den Sachbuch-Lektoren empfohlen, mehr außerhalb der Reihen zu wagen. Dass die Jury nur fünf Titel für sechs Nominierungs-Plätze fand, wurde von den meisten jedoch gelassen kommentiert.

Denn die Reihen sind nun mal eine sichere Bank, und auch in ihnen lassen sich besondere Bücher entdecken. Wie z.B. der Sammelband der „Maus“ bei cbj „Wie funktioniert das? Technik“, der von Arnim Maiwald zusammengestellt wurde.

Oder bei Bloomsbury: Susanna Partsch und Rosemarie Zacher sind mit einem Band über Leonardo da Vinci ja auch nominiert worden, im Herbst folgt „Der wilde Tanz – Wie sich Gaugin & Co nach dem Paradies sehnten“. Außerdem nach dem „Haus-Buch“ ein „Stadt-Buch“ von Stephanie Busch und Ulrich Noller mit Illustrationen von Sarah Heiß.

Susanne Rebscher hat ein aufwendiges Buch über „Julius Cäsar“ für Loewe entwickelt, für das in Bologna erste Koproduktionspartner gefunden wurden.

Lucy und Stephen Hawking schreiben über das „Leben in anderen Galaxien“, nach „Der geheime Schlüssel zum Universum“ darf man auf den neuen Band bei cbj gespannt sein. Außerdem kommt bei cbj ein Buch von Petra Gerster; „Ihrer Zeit voraus“ zeigt 70 Porträts von Frauen, die die Welt veränderten.

Gerstenberg wagt ein „Sach-Hausbuch“ – „Marco Polo. Unglaubliche Reisen ans Ende der Welt“, erzählt von Anke Dörrzapf mit beeindruckenden Illustrationen von Claudia Lieb. Das verspricht ein Schmuckstück zu werden. Ein weiteres interessantes Sachbuch-Projekt bei Gerstenberg: „Achtung, fertig – Baustelle. Wie ein Haus geplant und gebaut wird“ von Rolf Toyka geht mit vielen architektonischen Details weit über die klassischen Baustellen-Bücher hinaus.

Lohnenswerte Titel gibt es also einige. Renate Herre, Geschäftsführerin Ravensburger Buchverlag, konstatiert jedoch, dass die Präsentation des Sachbuchs im Buchhandel verbesserungsfähig sei. Hier wird aber nicht einfach gemeckert, stattdessen arbeitet man an einem Fortbildungs-Seminar für die Partner im Handel.

Die Agenten – keine großen Hypes und die Stunde der Trüffelsucher

Auch wenn Bologna eine Arbeitsmesse ist, auf der hart verhandelt wird: Es lassen sich auch besondere, fast familiäre Momente erleben. Im Agenten-Zentrum über Halle 25 und 26 hatte am Dienstag Nachmittag die Agentur Ute Körner www.uklitag.com aus Barcelona zu einem Empfang eingeladen.

Gründerin Ute Körner war im vergangenen Jahr, kurz nach ihrer Rückkehr von der Frankfurter Buchmesse, verstorben. Unfassbar für ihre Agentur-Kollegen und zahllose Freunde in aller Welt. Guenter G. Rodewald, der die Agentur mit Sandra Rodericks weiterführt, fand einfache wie eindrucksvolle Worte der Erinnerung in seiner kurzen Ansprache.

Intensive Gespräche wurden an den Tischen des Agenten-Zentrums geführt, von einem großen Hype konnte aber nicht berichtet werden. Im letzten Jahr hatte Scholastic das Konzept „The 39 Clues“ the39clues.com gepusht, in diesem Jahr prangte die Anzeige auf der U4 des Aussteller-Kataloges der Bologna-Messe. Lizenzpartner hat man in Australien, Kanada, Hong Kong, Indien, Indonesien, Irland, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Philippinen, Singapur und Thailand gefunden. Wer fehlt, ist ein deutschsprachiger Partner. Und das muss kein Fehler sein.

Trafen sonst kurz vor der Messe zahlreiche Manuskripte ein, die Lektoren innerhalb von drei Tagen prüfen sollten, wenn sie mitbieten wollten, sei das in diesem Jahr deutlich geringer ausgefallen, erklärten einige Lektorinnen. Und die Bereitschaft, hohe Summen auf den Tisch zu legen, scheint ohnehin zurückgegangen zu sein.

Mladen Jandrlic, books&rights

Gefragt sind in solchen Zeiten Trüffelsucher. Am Schweizer Gemeinschaftsstand zum Beispiel war mit der Agentur books&rights www.booksandrights.com eine kleine Nische mit internationalem Programm zu entdecken. Mladen Jandrlic vertritt Verlage aus Polen, Mexiko, Kolumbien, Kroatien und weiteren Ländern, die besondere Bücher im Programm haben. So konnte er beispielsweise im vergangenen Jahr „Das schwarze Buch der Farben“ aus Kolumbien an die Fischer Schatzinsel vermitteln.

Susanne Theune hat sich in Barcelona mit ihrer Agentur www.stasociados.com selbständig gemacht und vermittelt spanische wie portugiesische Literatur nach Deutschland – und umgekehrt.

Und Gerd Rumler vertritt – neben seinen Autoren – künftig auch den kleinen, aber feinen indischen Verlag Tara in Deutschland.

Das Herzstück der Bologna-Messe: Die Illustratoren

Neben allen Lizenz-Deals und Autoren-Gesprächen bleibt Bologna eine Kontaktmesse für die Suche nach Illustratoren-Talenten. Viele Lektoren nahmen sich Zeit, die alljährliche Illustratoren-Schau in der Eingangshalle der Messe anzusehen. Und auch in diesem Jahr bildeten sich Schlangen von Nachwuchs-Künstlern zu den Mappen-Sichtungs-Zeiten an den Verlagsständen.

Am deutschen Gemeinschaftstand, organisiert von der Frankfurter Buchmesse in Zusammenarbeit mit der avj, wurden gemeinsam mit der Illustratoren Organisation in einer Vitrine „Illustration in pocket-size“ präsentiert, Produkte von deutschen Designern. Erstmals vertreten am Gemeinschaftsstand waren auch zwei Hochschulen.

Peter Hammer-Lektorin Karin Gruß hat über die Jahre eine Veränderung bei den sich präsentierenden Illustratoren festgestellt: „Viele Hochschulen fangen mit Geschichten-Workshops an. Das Argument, ein Illustrator habe zwar eine Idee für eine Geschichte, aber nicht das Handwerkzeug, die Geschichte auch sprachlich zu erzählen, kommt immer seltener. Viele kommen mit philosophisch angehauchten Fragmenten. Themen wie ,ums Spielzeug streiten’ werden seltener.“

Und auch die etablierten Illustratoren nutzen Bologna zur Kontakt-Pflege und als Inspirationsquelle. Fragt man sie nach den internationalen Ständen, an denen sie sich am liebsten umsehen, werden immer wieder die Franzosen genannt.

Moni Port zum Beispiel hat dort das Buch „au pays de titus“ von Claudine Galea und Goele Dewanckel aus der editions de rouerque entdeckt, ein großformatiges Bilderbuch, in dem es um einen Jungen geht, der mit seinem Schweigen die Erwachsenen verunsichert. Ein persönlicher Tipp der Künstlerin, der die grafische Gestaltung des Buches gefällt – und der Mut der Franzosen, solch ein Buch überhaupt zu machen („passt ja in kein Regalsystem“).

Moni Port mit Mr Peek

Noch ein bisschen mehr begeistert ist Moni Port vom Preisträger des diesjährigen Bologna Ragazzi Awards in der Kategorie Opera Prima (Debüt). Kevin Waldron brilliert mit „Mr Peek And The Misunderstanding At The Zoo“. Auch hier die Freude, dass Templar Publishing einem solchen Erstling eine Chance gegeben hat. Kevin Waldron haben wir übrigens beim Signieren nach Messe-Schluss in der Bologneser Kinderbuchhandlung Giannino Stoppani getroffen.

Oder „Slaapkamernachtdieren“ von Loes Riphagen aus dem niederländischen Verlag De Fontein. Daran gefällt Moni Port die pseudowissenschaftlich-lustige Art in einer Zeit, in der so viele Bildungsbücher erscheinen. Als die Lizenzhändlerin die Künstlerin anspricht und merkt, dass sie aus Deutschland ist, erklärt sie bedauernd, dass das Buch eben verkauft worden sei – an Gerstenberg.

Zurück zu den Franzosen: Da treffen wir Eva Muszynski und Karsten Teich. Sie freuen sich über den Erfolg ihrer Erstlese-Reihe über den Cowboy Klaus bei Tulipan, von der im Herbst der dritte Band erscheinen wird. Außerdem kommt von Karste Teich im selben Verlag ein ABC-Buch und für Bloomsbury entsteht ein neues Projekt mit der Autorin Silke Lambeck.

Eva Muszynski empfiehlt das Bilderbuch „Ours qui lit“ von Eric Pintus mit Bildern von Martine Bourre, erschienen bei Didier jeunesse.

Gastland auf der Bologna-Messe war in diesem Jahr Korea. Nach der feierlichen Eröffnung der Sonderpräsentation zum Messe-Auftakt ließen sich die Originale von 31 Künstlern bestaunen. Auch in der Sala Borsa, einem beeindruckenden Palazzo in der Bologneser Innenstadt, waren die Koreaner präsent, dort lagen die Bücher aus, mit kurzen Summaries auf Englisch und Italienisch.

Alle Gewinner der Ragazzi-Awards finden Sie hier [mehr…].

Deutsche Lizenz-Erfolge im Ausland

Am Tisch der Literaturagentin Susanne Koppe www.auserlesen-ausgezeichnet.de unterhielt sich die Künstlerin Franziska Biermann mit ihren koreanischen Verlegerinnen von Gimm-young. Sie haben „Herr Fuchs mag Bücher!“ gekauft und erklären, sie hätten es in Korea bereits 100.000 Mal verkauft. In Deutschland wird es nach einiger Zeit der Nicht-Lieferbarkeit inzwischen bei Bloomsbury im Programm geführt.

Und auch der Residenz-Titel „Der faule Kater Josef“ ist in Korea erschienen – auf besonderen Wunsch mit einem Grußwort der Künstlerin an ihre koreanischen Leser. Begeistert ist Franziska Biermann von der sorgfältigen Herstellung der Lizenz-Bücher. Und nächstes Jahr ist eine Lesereise in Korea geplant.

Noch ein Lizenz-Erfolg wurde am Mittwoch Nachmittag am Stand des italienischen Verlages Beisler gefeiert: Jutta Richters Titel wie z.B. „Die Katze“ sind in Italien sehr erfolgreich. Verlegerin Ulrike Beisler, die auch Bilderbücher von Ole Könnecke im Programm hat, freut sich auch über Auszeichnungen wie den Premio Andersen für Jutta Richter.

Daniela Steiner, Lizenz-Händlerin bei Carlsen, ist stolz auf ihren Erfolg mit Andreas Steinhöfels „Rico“-Büchern. Lizenzen für „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ konnten nach Litauen, Japan, Korea und Italien vermittelt werden, außerdem wurden die englischsprachigen Weltrechte verkauft. Und der zweite Band ist auch prima (erscheint im April: „Rico, Oskar und das Herzgebreche“).

Und: Bologna!

Nach wie vor bleibt die Neon-Bar ein allabendlicher Treff für die deutschsprachigen Reisenden in Bologna. Der Absacker nach einem guten Essen und die Begegnung mit Kollegen unter den zugigen Arkaden gehört für viele einfach dazu.

Lange geöffnet haben auch die Buchhandlungen: Die Giannino Stoppani an der Piazza Maggiore hat alle Ragazzi-Award-Gewinnertitel im Verkauf und ist darüber hinaus eine gern besuchte Institution (lesen Sie dazu auch den Bericht von Doreen Schindler im März-BuchMarkt-Special Junge Zielgruppe auf den Seiten 102/103).

Feltrinelli in der Nähe der zwei Türme hat eine charmante Konkurrenz bekommen: Die Librerie.coop mitten in einer Gasse voller urtümlicher Marktstände überzeugt mit Büchern auf drei Etagen in Kombination mit Restaurant, Café und Lebensmittel-Verkauf. Unschlagbar ist die Architektur des Ladens, der in einem ehemaligen Kirchengemäuer untergebracht ist. Dort lässt sich in jeder Hinsicht schwelgen.

Und wer nun in den Vertreter-Konferenzen sitzt, mag sich an die schönen Momente in Bella Bologna erinnern. Die Sonne hat nämlich auch geschienen, zumindest an drei von vier Tagen.

Bis zum nächsten Jahr –

Susanna Wengeler

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