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„Die russische Fracht“ – Buchvorstellung mit Verlegerin und Autor

Ulla Unseld-Berkéwicz, Oleg Jurjew

“Nach den Mären der Karelier, Ingern und Wepsen ist St. Petersburg so entstanden:

Zar Peter kam mit seinen Russen zur Mündung der Newa und sprach: ‚Hier, Kinder, stellt ihr die Stadt hin! Ich aber werde eine Fregatte kiellegen zu ebender Stund – achtundzwanzig Kanonen, drei Masten, und der Name wird sein Stadt Vineta, ruhmreich und heilig, von den Deutschen und Polen versenkt. Wenn dieses mein eigenhändiges Schiff fertig gebaut sein wird, soll auch bei euch im Ganzen und allen Stücken Sanktpiter schon stehn. Wenn nicht, dann …‘ – und drohte mit dem Beil unterm Gehrock-Schoß“.

So beginnt der Roman Die russische Fracht von Oleg Jurjew, soeben im Suhrkamp Verlag erschienen.

Gestern Abend konnte die Frankfurter Literaturhaus-Chefin Maria Gazzetti zur Buchvorstellung die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und den Autor begrüßen. Sie wies auf Parallelen zweier Romane hin: Sowohl bei Jurjew als auch bei der gerade mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Suhrkamp-Autorin Sybille Lewitscharoff (Apostoloff) [mehr…] geht es um geheimnisvolle Frachten.

Die Suhrkamp-Chefin stellte Oleg Jurjew vor, der bereits als Kind Seefahrer werden wollte. Kein Wunder, wenn man in St. Petersburg, das damals, 1959, noch Leningrad hieß, geboren wurde. Familie und Freunde allerdings waren der Meinung, dass dies nicht der richtige Weg für ein kluges jüdisches Kind sei. Lernen lernen heißt das jüdische Gebot.
Also stach Oleg Jurjew, der seit 1991 in Deutschland wohnt, literarisch in See.

Der Autor bezeichnet seinen Roman als eine Mischung aus Krimi und Liebesgeschichte, verpackt in poetischen Bildern. „Das Schiff transportiert die Vergangenheit in die Zukunft, die ich zu Beginn meines Schreibens noch nicht kannte.“ Er liest zunächst die Einführung, in der es mystisch zugeht und erzählt, wie sein Held Wenjamin Jasytschnik an Bord eines Kühlfrachters kommt.

In einem weiteren Kapitel schildert er einen Fluchtversuch seines Protagonisten von der Insel Gotland, die Zuhörer lernen Wendelin Wende, einen deutschen Spion a. D., kennen und erfahren von aberwitzigen Geschehnissen aus seiner unglaublichen Vita.

Nach der Lesung bedankte sich Oleg Jurjew ausdrücklich bei seinen beiden Übersetzerinnen Elke Erb und Olga Martynova: „Ich bin der bestübersetzte Schriftsteller der Welt“, bei seiner Verlegerin und seinem Lektor.

JF

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