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7-Tage-Lesung mit Dietmar Dath und Andreas Platthaus gestern beendet

Andreas Platthaus (l.) und Dietmar Dath

Seit Sonntag, 1. März, lasen Dietmar Dath und Andreas Platthaus aus Daths Roman Für immer in Honig, 2007 im Verbrecher Verlag erschienen. Eine ganze Woche lang dauerte der Vortrag, täglich vier bis fünf Stunden saßen die beiden im Lesesaal in der ersten Etage des Frankfurter Literaturhauses mit mal mehr, mal weniger Publikum.

Nur am vergangenen Mittwoch gönnten sie sich eine Pause. Oft war Literaturhaus-Chefin Maria Gazzetti unter den Zuhörern. „Ich kann mir normale Lesungen gar nicht mehr vorstellen, anderthalb Stunden würden mir sehr kurz erscheinen“, scherzt sie. Und bleibt auch diesmal.

Das Wort-Werk besteht aus 1035 Seiten, erzählt von einer fernen Zeit, „die es hoffentlich so nie geben wird“, sagt Dath in seiner Einführung zur letzten Leserunde am verregneten Sonntagmittag. Eine Zeit im Jahr 2019, Hillary Clinton ist Präsidentin, ihr Gegenpart (ist das wirklich so?) ebenfalls eine Frau. Es gibt einen afrikanischen Papst, Zombies, Kriege, Revolutionen, Liebe und Hass, phantastische, absurde und alltägliche Situationen.

Die Geräte sind eingeschaltet, auf dem Deck steht ein VW-Bus-Modell, daneben wacht ein Plüschhäschen (über die Zuhörer?).

Das 53. Kapitel zieht das Publikum in die Welt von Robert. Durch Wortberge schillert die Unordnung eines nicht aufgeräumten Zimmers. Schnell wird man in Sprachspiele hineingezogen. Dath und Platthaus lesen abwechselnd, unterschiedliche Stimmen, herrlich die Dialoge, sogar mit schwäbischem Zungenschlag, wenn das so im Buch steht. Festhaken kann man sich beim Zuhören, an den Worten entlanggleiten, träumen von weit entfernten Welten.

Dann unterbricht eigenartig bekannte Schlagermusik die Lesung – das gehört zur Inszenierung.

Abrupt geschieht eine Katastrophe. Gewalt, Blut, fliegende Messer, Tochtermord. Totentanz im kleinen wie im großen. „Alles ging so schnell so schief“, bilanziert der Autor im Buch.

Vielleicht ein Intellektuellen-Kapitelchen wird im 54. angekündigt. Andreas mit Hillary im Garten. „I never promised you a rose garden“, träumt Hillary von Gott.

„Eine Katze muss umlernen, weil sie eigentlich eine Maus ist“, heißt es irgendwo im Text.

Der Zuhörer muss ebenfalls umlernen, wenn er ins Jahr 2009 zurück taumelt, den Kopf voller Worte und Bilder.

JF

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