
Die großen runden Jubiläen des Jahres 2009 nehmen zwei eng beschriebene Seiten ein. Der S. Fischer Verlag hat gleich vier Autoren, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag haben – zwei von ihnen erfreuen sich guter Gesundheit. Kein Wunder also, dass der Verlag ein besonderes Programm vorbereitet.
Am 15. Februar begeht Miep Gies (sie versorgte die Familie von Anne Frank im Versteck) ihren 100. Geburtstag. „Meine Zeit mit Anne Frank“ ist gerade in einer Neuausgabe (mit einem neuen Vorwort von Miep Gies) broschiert erschienen. Im Oktober werden bei S. Fischer die vor wenigen Jahren gefundenen Briefe der Familie Frank bei erscheinen, herausgegeben von Mirjam Pressler und Gerti Elias: Briefe in die Herbstgasse. Die Geschichte der Familie Frank. „Dieser Band ist spektakulär“, kommentiert Martin Spieles, Leiter Kommunikation bei S. Fischer, „die Funde sind ein kultureller Schatz, sie eröffnen einen ganz neuen, exemplarischen Blick auf das Schicksal einer jüdischen Familie im Europa des 19. und des 20. Jahrhunderts.“ Anne Frank wäre am 12. Juni 80 Jahre alt geworden.
„Zum 100. Geburtstag Golo Manns (1909-1994) am 27. März wird eine neue Golo-Mann-Biografie von Tilmann Lahme, der Leben und Werk des Autors aus einem neuen Blickwinkel betrachtet, erscheinen. Lahme ist außerdem Herausgeber des zeitgleich, am 11. März, erscheinenden Bandes Man muss über sich selbst schreiben mit bisher unveröffentlichten und kaum beachteten Texten Golo Manns“, informiert Martin Spieles. Die neue Biografie wird am 26. März erstmals in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main vorgestellt, am 27. März folgt die Präsentation in Lehmanns Buchhandlung in Leipzig und am 31. März die Buchvorstellung im Literaturhaus in München.
„Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den, er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.“ Diese in einem 1986 in einem Interview geäußerten Worte stammen von Hilde Domin (1909-2006). Die Jüdin musste 1940 nach Zwischenstationen in Italien und Großbritannien über Kanada in die Dominikanische Republik emigrieren und nahm aus Dankbarkeit ihrem Gastland gegenüber den Namen Domin an. Erst 1951 begann sie, Gedichte zu schreiben.
Bei S. Fischer erscheinen anlässlich ihres 100. Geburtstages am 27. Juli Sämtliche Gedichte und Die Liebe im Exil, ihre Briefe an ihren Mann Erwin Walter Palm in den Jahren 1931 bis 1959. Die Stadt Heidelberg, deren Ehrenbürgerin Hilde Domin ist, plant am 27. Juli einen Festakt. Außerdem sind Veranstaltungen in Marbach und im Hause S. Fischer vorgesehen.
Der vierte Hundertjährige ist Hans Keilson – er erhielt im November 2008 den WELT-Literaturpreis, der damit zum zehnten Mal vergeben wurde [mehr…]. Seinen 100. Geburtstag wird Hans Keilson am 12. Dezember 2009 feiern. Der Verlag bereitet eine TB-Ausgabe Sämtlicher Romane und Erzählungen für Oktober vor.
„Anlässlich seiner 2005 bei uns erschienenen zweibändigen Werkausgabe begleitete ich Hans Keilson auf der Leipziger Buchmesse. Er, immer noch als Psychoanalytiker tätig, ist ungeheuer beeindruckend und gleichzeitig bescheiden“, erinnert sich Martin Spieles.
1933 veröffentlichte Hans Keilson seinen ersten Roman Das Leben geht weiter bei S. Fischer und lernte den Verlagsgründer Samuel Fischer noch persönlich kennen. Hans Keilson war auch der letzte jüdische Autor, der vor der Emigration bei S. Fischer debütierte.
Apropos Samuel Fischer: Der Geburtstag des großen jüdischen Verlagsleiters jährt sich am 24. Dezember zum 150. Mal. Im November wird S. Fischer, der Verleger von Barbara Hoffmeister erscheinen. Es ist die erste Biografie, die sich mit dem großen Verlagsgründer beschäftigt, dessen persönlicher Weg bisher immer auch ein wenig rätselhaft geblieben ist.
„Vergessen wir nicht den 150. Todestag von Alexander von Humboldt am 6. Mai. In der Reihe ‚Fischer Klassik‘ wird im April die Originalausgabe Das große Lesebuch erscheinen, außerdem bei S. Fischer Humboldts Bericht Zentral-Asien; dieses Buch wird nach seiner Erstausgabe im Jahr 1844 zum ersten Mal wieder veröffentlicht. Herausgeber ist Oliver Lubrich, der die deutsche Übersetzung neu bearbeitet, vervollständigt und mit dem französischen Original abgeglichen hat. Der Band ist ein einzigartiges Dokument einer Forschungsreise unter den Bedingungen der absolutistischen Herrschaft des Zaren Nikolaus I. – viele Leserinnen und Leser sind ja durch Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt bereits mit der Russlandreise Humboldts vertraut“, ergänzt Martin Spieles.
Natürlich wird auch der 200. Geburtstag von Charles Darwin beachtet. S. Fischer hat u.a. Die Abstammung des Menschen als Originalausgabe in der Fischer Klassik Reihe herausgebracht, außerdem ein Darwin-Lesebuch und eine Neuausgabe über Die Fahrt der „Beagle“.
Einem Jubiläum der eher jüngeren Vergangenheit – dem 20. Jahrestag des Mauerfalls – wird ebenfalls die gebührende Bedeutung beigemessen. Erinnerungen von Autoren aus Ost und West werden im März unter dem Titel Grenzübergänge von Julia Franck herausgegeben, Claudia Rusch (mit Meine freie deutsche Jugend gelang ihr vor Jahren ein Bestseller) hat sich mit Aufbau Ost. Unterwegs zwischen Zinnowitz und Zwickau erneut auf Reisen durch die neuen Bundesländer begeben. Monika Marons literarische Reportage Bitterfelder Bogen wird für Juli vorbereitet.
Der Fischer-Vertrieb wird die zahlreichen Jahrestage durch spezielle Mailings an den Buchhandel kommunizieren und bietet auch über die Fischer-Website Titelzusammenstellungen zum Download an – unter www.fischerverlage.de/page/service_buchhaendler sind die Dokumente abrufbar.
JF







