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Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und Erinnerungen an den Herrn der Dinosaurier

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Weihnachten kann kommen, im FR-Shop gibt es neue Buchstützen von Bernhard Siller; es wird wie überall an Michael Crichton erinnert („Der Mann, der in Aktionen dachte“), und Hilal Sezgin macht neugierig auf die Thesen des britischen Paläobiologen Simon Conway Morris. Sein Buch Jenseits des Zufalls (Berlin University Press) über seine Sicht der Evolutionsgeschichte versprühe „einiges von dem Charme des großen Vorbilds“ S.J Gould.

„Präsidentschaftswahl mit Ratte(n)“ überschreibt Sylvia Staude ihre Kritik an Jerome Charyn Rotbuch – ein Krimi „zur gerade zu Ende gegangenen Präsidentschaftswahl“: „ein kohlenkellerschwarzes Märchen“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Edo Reents sinniert über den Vater-Sohn-Konflikt, der seit je Stoff für die Literatur sei – aber damit könne angesichts der neuen soften Väter bald Schluss sein. „Was fürs Leben gut ist, schadet der Kunst.“

Aber es kommt noch schlimmer:
„Wer mit sieben Descartes nicht kennt, wird nie ein Schnösel“: Gemeint ist aber Jacek Dehnel, der „Dandy unter Polens Jungautoren“, der mit Lala (Rowohlt Berlin) einen ambitionierten Debütroman geschrieben habe, wie Marta Kijowska findet: „Liest man ausgesprochen gern“.

„Josef K., das war ich“: Gemeint sind die Essays Die Faust im Mund, in denen Georges-Arthur Goldschmidt sein Leben als Leser beschreibt, wie Jürg Altwegg anmerkt: „Seine Essays machen Lust, die Klassiker zu lesen“ (Ammann).

Kritik in Kürze:
„Knaben in Waben“: Dahinter verbirgt sich eine Hymne auf den Roman Für immer in Honig, das „Opus Magnum“ von Dietmar Dath, dass er einst selbst in Miniauflage verlegt und der Verbrecher Verlag jetzt neu aufgelegt hat („das Persönlichste, was Dath je geschrieben hat“).

„Knicksen in Brixen“:
Appetit gemacht wird auf Sämliche Limericks von Edward Lear, die der Mannheimer Anglist Theo Stemmler übersetzt hat (Reclam).

Financial Times Deutschland

Zeit-Autor Frank Sieren habe ein „interessantes Buch zum Thema China abgeliefert, ohne sich selbst zu wiederholen“, rezensiert Constantin Gillies: Wie üblich präsentiere der Landeskenner in Die Konkubinenwirtschaft. Warum westliche Unternehmen in China scheitern und die Chinesen an die Weltspitze stürmen (Hanser) seine Geschichten in klarer Sprache, bestens recherchiert und extrem detailreich.

„Kinder an die Macht“: Richard Danzig, verteidigungspolitischer Berater von Barack Obama, hält „Pu der Bär“ für einen „Grundlagentext der Sicherheitspolitik“ – dies gelte auch für andere Kinderbücher, meinen Horst von Buttlar, Nikolaus Röttger und Anja Rützel: Von Janosch bis Heidi reicht ihre pointierte Empfehlungsliste.

Die Welt

„Der Herr der Dinosaurier“: Wieland Freund blickt auf das Werk von Michael Crichton, am Dienstag 66-jährig gestorben, zurück: Der amerikanische Autor „war immer beides: ein leidenschaftlicher Spieler mit beinahe kindlicher Freude an Action und Entertainment, und ein leidenschaftlicher Intellektueller, der seinen Anspruch, seinen Ernst und seine Unbestechlichkeit strategisch verbarg“. Sein Talent, so habe ein trauriger Steven Spielberg ihm nachgerufen, sei noch größer gewesen als die Dinosaurier im Jurassic Park.

Henning Mankell wird zwei Vorlagen für den NDR-„Tatort“ liefern. Hendrik Werner kommentiert unter „Kieler Tatort wird schwedisch“ die Kooperation als „Bereicherung“: Denn auch wenn deutsche Krimiautoren wie Friedrich Werremeier oder Friedrich Ani Stoffe beigesteuert hätten, „ragten die Ergebnisse aus dem anämischen Durchschnitt heraus“.

Schleswig-Holstein und Bayern streiten, wer seinen Literaturpreis als „Thomas-Mann-Preis“ benennen darf. Bereits seit 1975 vergibt Lübeck den „Thomas-Mann-Preis“ für besondere Dienste in der Literatur. Nun hat die Bayerische Akademie der schönen Künste ihren „Großen Literaturpreis“ ebenfalls in „Thomas-Mann-Preis“ umbenannt. „Ohne Not“, wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen entgegnet, der Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer auffordert, die Umbenennung rückgängig zu machen, da die Vergabe von zwei Literaturpreisen nur zu „Missverständnissen“ führen könne.

Der „WELT-Literaturpreis“ geht in diesem Jahr an Hans Keilson, der sein schriftstellerisches Debüt 1933 vorlegte. Seit die Judenverfolgung der Nazis ihn 1936 ihn ins Exil zwang, lebt er in den Niederlanden, wo sein wissenschaftliches und berufliches Lebenswerk als Arzt, Analytiker und Dichter entstanden ist. Tilman Krause porträtiert den 100-Jährigen und seine „sechs Leben“.

Süddeutsche Zeitung

Thomas Steinfeld erinnert an Michael Crichton („Er konnte Ungeheuer plausibel machen“), Robert Menasse begründet „Warum Österreich die real existierende Utopie einer Gesellschaft ohne ideologischen Fesseln ist“.

„Der strahlende Held war tot“: Sebastian Glubrech schreibt über Genji, den wohl ältesten Roman Japans – der wird jetzt 1000 Jahre alt.

„Zu Gast bei fremden Göttern“: Ijoma Mangold findet Wolfgang Büscher „Asiatische Absencen“ (Rowohlt Berlin) allzu exotisch. Und unter „Agenda 1517“ schreibt Gustav Seibt über Ralph Bollman und sein Buch Reform. Ein deutscher Mythos über die Reformen der deutschen Geschichte: „Belebend.“

Eine ganze Seite ist wieder dem Kinderbuch gewidmet:
Christoph Meckel empfiehlt sein Lieblingsbuch (Nils Holgersson), Heike Byn stellt Blake Nelsons Jugendroman „Paranoid Park (Beltz & Gelberg) vor („Cool bleiben“); und Antje Weber lobt den Psychothriller Wer ist Jennifer Jones von Anne Cassidy (Fischer TB).

Hilde Elisabeth Menzel empfiehlt noch zwei Taschenbücher („Gut & günstig“: Seidenhaar (Arena) und Ein Buch für Junus (dtv Reihe Hanser).

„Ein Roboter muss her“: Lust bekommt man auf das Sauerländer -Bilderbuch Wendelins Werkstatt von Chris Riddel und Fritz Göttler lobt unter „Die Chiffren der Geschichte“ die Fortsetzung des Comics von Marcus Herrenbergers : „Für Kinder und Erwachsene“, er skizziert in seinen Bildern „vibrierend“ sein „phantastisches“ Jahrhundert einer Ratte (miniedition/Edition Neugebauer).

Neue Zürcher Zeitung

Auch die NZZ erinnert an Michael Crichton und seine „Nachtseiten der Wissenschaft“. Und Angela Schader porträtiert die Journalistin und Autorin Martha Gellhorn, die morgen 100 Jahre alt geworden wäre. Drei Bände mit Erzählsammlungen sind seit Anfang 2007 bei Dörlemann erschienen, „welche sie als scharfsinnige und sensible, manchmal auch schneidend zynische Beobachterin von Paarkonstellationen ausweisen“. Nicht zuletzt die spannungsreiche, oft unglückliche Beziehung zu Ernest Hemingway, mit dem sie vier Jahre liiert und vier weitere verheiratet war, dürfte ihr entsprechende Erfahrungen geliefert haben: Im autobiografischen Roman Travels with Myself and Another figuriere der mittlerweile geschiedene Gatte schlicht als „Unwilling Companion“.

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