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Bücher und Autoren heute in den Feuilletons: Über einen gefürchteten Literaturagenten und darüber, welche Bücher so in den Hotels liegen bleiben

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Gemeldet wird, dass Wagenbach-Autor Wolf Biermann die Ehrendoktorwürde der Humboldt Universität für seine Lebensleistung erhält. Die Berliner Uni hatte ihm aus politischen Gründen 1963 sein Diplom trotz bestandener Philosophie-Prüfung verweigert und will dies nun wieder gut machen.

Ebenfalls berichtet wird über den Streit zweier Theater um das neu aufgetauchte und rekonstruierte Stück von Bert Brecht Die Judith von Shimoda, die ihre jeweiligen Aufführungen als Uraufführungen beanspruchen.

„Neues vom Papa“ ist das Thema auf der ganzen Seite 2 des Feuilletons, worin Peter Michalzik zwei unterschiedliche Anleitungen zum Vatersein untersucht: Wladimir Kaminers Salve Papa!, (Manhatten Verlag und Dieter Thomä, Väter. Eine moderne Heldengeschichte. Beides empfehlenswert: Kaminers Bericht aus dem Alltag sei eine verkappte Heldengeschichte, Thomäs Ratgeber zeige, dass Väter am Ende mit erhobenen Kopf aus dem Ring gehen können, aber nicht triumphierend.

Süddeutsche Zeitung

„An die Urnen, Ihr Faulenzer“, lautet die Überschrift zur Meldung, dass Michael Moore wieder im US-Wahlkampf mitmischen will. Sein neuer Film Slacker Uprising soll ab 23. September die Kassen klingeln lassen. Matthias Lüdecke wundert sich, warum Moore nicht merkt, dass er damit einen Lagerwahlkampf provoziere, was zu denken geben sollte. Zum 11. September kommt bei Piper das Buch Yes, we can, [mehr…] raus.

Gemeldet wird der Seltsamkeitspreis des britischen Branchenblattes The Bookseller, das auf einer langweiligen Buchmesse den „Diagram Prize“ für den merkwürdigsten Buchtitel aus der Taufe gehoben habe. Preisträger ist in diesem Jahr: Derek Willans Greek rural Postmen and their Cancelation Number (deutsch: Griechische Landpostboten und ihre Entwertungsnummern). Es gibt auch eine Art Shortlist, darauf finden sich: Entwicklung in der Milchwirtschaft: Neue Nutzungsmöglichkeiten für Stroh, Wie man riesigen Schiffen ausweicht, Oraler Sadismus und die vegetarische Persönlichkeit sowie Höhepunkte in der Geschichte des Betons.

Der Labour-Exhibitionismus in Büchern scheint die Briten eher zu langweilen, wie ein weiterer Meldungsschnipsel beweist. So belegt in der Liste der am häufigsten liegen gelassenen Bücher in der Hotelkette Travelodge die Aufzeichnungen von Vize-Premierminister John Prescott Platz 1. Gefolgt vom Gattinen-Rückblick Cherie Blairs und Geldsparratgebern.

Lothar Müller gratuliert dem Germanisten Gerhard Sauder zum 70. Geburtstag.

„Stolz auf das eigene Leben sein“, lautet Titel und für Stephan Speicher Resümee aus Orhan Pamuks Buch Das Museum der Unschuld, das er mit großem Respekt bespricht. Das Buch sei weit mehr als nur eine große Liebesgeschichte.

„Ein Unglück erwächst aus dem anderen“, lautet die Überschrift zur Besprechung des C.H. Beck-Buches von Martin Hose, Euripides. Der Dichter der Leidenschaften. Rezensent Albert von Schirnding meint, die Deutung bleibe blass, weil der Autor versuche, die Widersprüche des Griechen auf eine Linie zu bringen, habe dennoch verdienstvolle Interpretationen geleistet.

Die Wochenendseiten machen mit einem Auszug aus dem Buch von Jens Söring Ein Tag im Leben des 179212 auf, das beim Gütersloher Verlagshaus erschien. Es ist der tragische Bericht eines Deutschen, der möglicherweise unschuldig seit 1988 in einem US-Gefängnis sitzt.

Abgedruckt wird in dem Zeitungsteil außerdem die kurze Erzählung „Wald, Wein und Waffen“ des Georgiers Aka Morchiladze, von dem als letztes Santa Esperanza bei Pendo auf Deutsch erschienen ist. Ein neuer Anthologieband mit dem Titel Georgien wird gerade von Herausgeberin Christa Frieda Vogel vorbereitet und soll im Wachter Verlag erscheinen.

Auf den Wissen-Seiten gratuliert man Google zum 10-jährigen Geburtstag und hält Rückschau.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Vom Wunsch, eine Romanfigur zu sein“, unter dieser Überschrift schreibt Franziska Seng von ihrem Hörerlebnis nach Gretel Adorno und Walter Benjamins Briefwechsel, den Johanna Wokalek und Martin Wuttke] für speak low Berlin auf 3 Cds eingelesen haben. Wuttke werde seiner Rolle gerecht, Wokalek weitgehend auch, die eingestreuten Kommentare von Herausgeber Henri Lonitz wirkten dagegen nuschelig und deplaziert.

„Wer reinkommt, ist drin“: Alexander Kosenina berichtet über die Vorstellung der ersten drei Bände des renovierten Killy in Berlin [mehr…], dem Literaturlexikon aus dem Verlag Walter de Gruyter.

In „Bilder und Zeiten“ findet sich über eine Seite ein Interview mit dem „gefürchteten“ Literaturagenten Andrew Wylie von Bloomsbury, der am Morgen des Interviews bereits drei Autoren abgelehnt habe und sich gern mit Michael Krüger über das Thema Tantiemen streite. Er tritt vehement für die Gleichbehandlung von gedrucktem und E-Buch ein. Er will die Rechte von Jorges Luis Borges neu verhandeln und kündigt an, dass das „Arrangement … wahrscheinlich das stärkste in der Geschichte sein“ wird.

Trotz Moos nix los“: Marlene Streeruwitz’ Roman Kreuzungen aus dem Verlag S. Fischer bewege sich mit artistischer Leidenschaft auf dem Steg zwischen Abgrund und Selbstparodie, schreibt Rezensent Christian Schärf begeistert.

„Nachrichten aus dem Nimmerland“, lautet die Besprechung von Elmar Schenkel über James Matthew Barrie: Peter Pan in Kensington Gardens aus dem Verlag scaneg München, der damit erstmals den Ur-Peter-Pan auf Deutsch herausgebracht hat.

„Mitteilungen aus dem Sinnenreich“: Henning Ahrens habe in Kein Schlaf in Sicht bei S. Fischer einen Band mit ausgelassener Poesie des Alltages vorgelegt, findet Wulf Segebrecht.

Annotiert werden Frauen, die wir lieben unter der Überschrift „Das Antlitz des Schönen“ ein Buch von Freddy Langer, das im Elisabeth Sandmann Verlag erschien.

Literarische WELT

Bernhard Schlink schreibt über Alice Munro.

Außerdem gibt es ein Porträt von Assaf Gavron, das Marko Martin verfasst hat.

Als Buch der Woche wird vorgestellt: Franziska Augstein: Von Treue und Verrat. Jorge Semprún und sein Jahrhundert bei C.H. Beck, das sich Peter Merseburger angesehen hat.

Den Aufmacher bestreitet das Buch von Judith Kuckart: Die Verdächtige (DuMont), das Elmar Krekeler rezensiert.

Bettina Göcmener beschäftigt sich mit Wilfried N’Sondé: Das Herz der Leopardenkinder (Kunstmann).

Kurz besprochen wird Francoise Dorner: Die Frau in der hinteren Reihe (Diogenes) von Hendrik Werner, der Bildband von Dietrich Erben: Komponistenporträts bei Reclam von Elmar Krekeler und auf W. Somerset Maughams Books and you bei Diogenes hingewiesen.

Aufmerksamkeit erhält Flann O’Brien, Buchhandhabung und andere gute Ratschläge (Kein & Aber) und Nico Bleutge mit seinem Buch Fallstreifen (C.H. Beck).

Viel Aufmerksamkeit widmet Wolfgang W. Merkel dem Buch von Ruth Berger: Warum der Mensch spricht, das bei Eichborn erschien.

Dann ist noch Platz für Steffen Kröhnert: Die demografische Zukunft von Europa (dtv) und Tariq Alis: Pakistan, das Diederichs herausgebracht hat und Jacques Schuster rezensiert.

Einen Blick gibt es in den Bildband von Olaf Heine Leaving the comfort zone (Hatje Cantz).

Außerdem sind Kinderbücher das Thema:
Den Aufmacher bestreitet Paula Fox: Ein Dorf am Meer, das sich Wieland Freund angesehen hat.
Auf dem Fuße folgt Ingo Schulzes Der Herr Augustin (Bloomsbury)
Simone Leinkauf schreibt über Sven Nordqqvist: Wo ist meine Schwester (Oetinger)

Noch auf kleinen Platz erhält Ulf Nilsson/Eva Erikson, Als Oma seltsam wurde (Moritz) einen Hinweis und Jostein Gaarders Jonathan und die Zwerge aus dem All (Hanser) sowie Alexander Rösler Ich bin dann mal kurz (Arena) und schließlich Jeff Kinney: Greg’s Tagebuch: Gibt’s Probleme (Baumhaus).

Steffen Richter berichtet über Cesare Pavese zum 100. Geburtstag.

Als „Buch von WELT“ gilt an diesem Wochenende Paul Badde: Heiliges Land (Gütersloher Verlagsanstalt).

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