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Morgen in der ZEIT: Joachim Unseld über Buchkultur und Helge Malchow über mehr Kampf um Esra

Mit dem Buchmarkt setzt sich DIE ZEIT in ihrer morgigen Ausgabe in gleich zwei Artikeln auseinander.

Zum einen kommt Verleger Joachim Unseld zu Wort. Der Verleger der Frankfurter Verlagsanstalt sieht zwar keine Bedrohung für Bücher, doch offensichtlich eine für die Buchkultur. „Solange es Menschen gibt, die beim Lesen noch Unterschiede machen und die Welt wirklich erkennend erleben wollen, wird es Literatur und Bücher geben“, sagt er in der Hamburger Wochenzeitung.

Erschwert werde allerdings das Verlegen von Büchern durch „das Buchhandels-Sterben und das Aufkommen großer Filialisten“, die der „lukrativere Mainstream mit auswechselbaren Bestsellern“ bediene. „Die Brutalität amerikanischer Marktgesetze wird sich spätestens dann bei uns durchsetzen, wenn die für die qualitativ hochstehende Literatur so wertvolle Preisbindung fällt.“

Andererseits kündigt Helge Malchow an, seinen Kampf für den Biller-Roman fortsetzen zu wollen Für den verlegerischen Geschäftsführer des Kiepenheuer & Witsch Verlages sei der jahrelange Streit um Maxim Billers Roman Esra zur Ehrensache geworden. Wie DIE ZEIT in einer Pressemitteilung vorab verlauten lässt, sagt Malchow: „Ein Verlag muss für die Bücher, die er aus guten Gründen verlegt hat, kämpfen, zur Not auch vor Gericht. Die Geburtsstunde meiner Haltung in diesen Fragen war der Kampf um Salman Rushdies Satanische Verse. Dass das Buch schließlich in Deutschland trotz der Fatwa erschien, war ein Zeichen für die Freiheit der Literatur.“ Er sehe zwar in Biller nicht den neuen Rushdie, „aber das Verbot eines anerkannten literarischen Werks bedeutet auf jeden Fall eine empfindliche Einschränkung der Kunstfrei-heit, die das Grundgesetz garantiert“.

„Besonders skandalös“, sagt Malchow, sei „die zusätzliche Argumentation des zuständigen Münchner Richters, nach der die Höhe der Entschädigungszahlung der Verlag zu verantworten hat, weil er immer wieder Rechtsmittel eingesetzt hat. So wird vom Landgericht München sehenden Auges ein Grundrecht infrage gestellt – und so auch noch die Höhe des Schmerzensgeldes begründet.“

Malchow: „Es belastet unsere Arbeit in den Lektoraten. Es ist eine Bedrohung für jeden Schriftsteller, der seine Arbeit ernst nimmt. Kunstwerke entstehen nach einer ästhetischen, nicht nach einer juristischen Logik – nach der Logik dieses Urteils müssten ganze Bibliotheken der Weltliteratur umgeschrieben werden. Wir haben es hier offensichtlich mit einer neuen Form von Biedermeier-Mentalität zu tun, mit einer Sehnsucht nach konfliktfreier Wohlfühl-Kultur. Wir leben in einer Diktatur der Harmlosigkeit.“

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