Am Wochenende hat sich das in Bankenkreisen bekannte Institut für

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“
Genossenschaftswesen du Bankwirtschaft e.V. (IGB) zu der Diskussion um persönlichen Haftung und Durchgriffshaftung für Ehrenmatliche zu Wort gemeldet [mehr…]. Das ist Anlass für Fragen an IGB-Direktor Hartmut Glenk:
Woher kennen Sie unsere Probleme?
Hartmut Glenk: Da wir an einer Buchhandlung beteiligt sind, haben wir uns in buchhändlerische Probleme hineingedacht. Dabei sind uns im Volksbankenbereich bei näherem Hinschauen aktuell die Buchhändler als Problemkunden aufgefallen. Hier werden eher Kontokorrentlinien in Anspruch genommen und überzogen, als Vermögen auf „die Hohe Kante“ gelegt. Im Krisenfall sind Kreditkündigungen mit allen Konsequenzen einschließlich Verramschung der Sicherheiten üblich. Danach stellt sich die Frage der persönlichen Haftung und Durchgriffshaftung. Hier wollen wir gezielt Lösungsansätze entwickeln. Einige haben wir schon jetzt parat.
Vor welchem Hintergrund?
Bei Befassung mit der Materie „Buchhandel“ und Verbund ist uns aufgefallen, daß große Ähnlichkeiten zu dem genossenschaftlichen Verbund bestehen. Auch dort wird mit verschachtelten Gesellschaften und Wirtschaftsholdings im Verbandssektor und unübersichtlichen Strukturen unmittelbar im Bankbereich gearbeitet. Einige Mißstände, die Milliardenverluste mit sich gebracht haben, weil schlicht und ergreifend der Überblick verloren ging, wurden vor geraumer Zeit abgestellt. Die Aufsichtsräte dort haben zu sorglos gehandelt und die Vorstände einfach „machen lassen“.
Und warum haben Sie sich zu Wort gemeldet?
Wir sind für den Buchhandel so etwas wie „entfernte Verwandte“: Keinesfalls Fremde, ohne Familienkenntnisse- und Bindungen, aber nicht täglich mit am Tisch. Das heben wir uns dann für besondere Gelegenheiten auf. Wir bieten an, von unseren Erfahrungen zu profitieren und möchten einfach sagen: „Macht nicht das nach, was die Bankwirtschaft vorgemacht hat. Ehrt Eure engagierten Aufsichtsräte und Verantwortungsträger für deren Engagement, aber laßt sie auch nicht an der überlangen Leine laufen, sonst weiß man nicht wohin.“
Was wollen Sie erreichen?
Bei uns im Institut wird seit einiger Zeit das Problem „Sorgfaltspflicht und Leichtfertigtigkeit in Aufsichtsorganen“ thematisiert. Wir wollen die Organmitglieder stärken, müssen ihnen aber zugleich Handlungsanleitungen anbieten, damit sich die Fragen von „Pflichtverletzungen, Entlastungsverweigerung und Haftung“ gar nicht erst stellen. Dazu muß die tatsächlich gelebte Zusammenarbeit zwischen Vorstand- bzw. Geschäftsführung einerseits und Kontrollorgan andererseits auf den Prüfstand. Da zwischen diesen Organen in der Praxis aufgrund Aufgabenvermischung und engen persönlichen Kontakten eine Grauzone entstanden ist, bedarf es großer Sensibilität und der Zuziehung neutraler Fachleute. Erst dann kann offen über Fehlerursachen diskutiert, ein gemeinsames Konzept erstellt, Umdenken eingeleitet und den ständigen schädlichen Wiederholungen vorgebeugt werden.
Was können Sie als IBG bewirken?
Wir haben als IGB seit zwölf Jahren umfassende Erfahrung im Umgang mit Zweifelsfragen und Krisen im Bankenbereich, als Berater von Vorständen und Aufsichtsräten. Unser Bestreben ist es nicht nach vielen „Tagewerken“ Statistiken und „Buntbedrucktes“ vorzulegen, sondern praktikable Vorschläge. Diese Aufgabe, so denken wir, haben wir im Interesse unserer Mitglieder und Mandanten überzeugend erfüllt, so jedenfalls die jeweiligen Rückmeldungen.
Ihre Hoffnung?
Unsere Hoffnung ist, daß der Buchhandel durch fehlerhafte Strukturen keinen dauerhaften Schaden nimmt und negative Entwicklungen gestoppt werden. Da wir als IGB auch den Bankkunden zur Verfügung stehen, können sich selbstverständlich auch Buchhändler bei Problemen, seien sie bankmäßiger oder rechtlicher Natur, an uns wenden. Defizite und Krisenverursacher sind fast immer unausgegorene rechtliche Regelungen (Gesellschaftsvertrag, Aufgabenverteilung, Miet- und Pachtverhältnisse, Kreditverträge, Steuerrecht). Wir machen derzeit unseren Einfluß geltend, die Branche „Buchhandel“ nicht als “irgendeine“ zu betrachten.
Wie sehen Sie die Lage?
Aus unserer Sicht ist der Buchhandel, insbesondere der kleine und mittlere Sortimentsbuchhandel mit fachkundiger Beratung eine tragende Säule unserer Kulturnation. Den Volks- Raiffeisenbanken und Sparkassen empfehlen wir deshalb, den Buchhändler vor Ort auch in schwierigen Situationen unbürokratisch zu unterstützen und als „besonders förderungswürdig“ zu erkennen.
In unserer langjährigen Tätigkeit haben wir schon einiges erreicht und die eine oder andere Weiche richtig stellen können. Unsere Mitarbeiter verfügen über das erforderliche Know-how und Kontakte, ich selbst bin seit 20 Jahren als Wirtschaftssachverständiger und Berater tätig, auch für an und für sich verfahrene Angelegenheiten, und kann sagen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
Kontakt: IGB-SI@web.de







