Die neunziger Jahre schienen einen Themen- und Generationenwechsel in der irischen Literatur zu markieren, der sich auch in den deutschen Übersetzungen niederschlug. Die Hausse sei inzwischen vorbei: Liegen die Gründe für das schwindende Interesse in einer Übersättigung des deutschen Marktes, oder sind sie in Irland zu suchen?, fragt Friedhelm Rathjen in der Neue Zürcher Zeitung (NZZ).
„Indizien für die Aufmerksamkeitskrise sind bereits benannt worden; es scheint, dass weite Teile des Buchhandels, der Kritik und auch der Leserschaft nach der pompös zelebrierten Irland-Buchmesse die Nase voll hatten von jedweder Literatur der Grünen Insel“, schreibt das Blatt. Die Autoren haben mit dem Irland-Klischee zu kämpfen und doch seien die Leser, die es nicht bekommen, enttäuscht, so Rathjen.
Und fragt: „Was aber erscheint in Irland neu? Das Branchenblatt Books Ireland stellte 2006 knapp 900 Novitäten vor, darunter 20 „Irish memories“, 40 Unterhaltungsromane (knapp die Hälfte Krimis, meist von männlichen Autoren, während die weiblichen die Liebesschnulze bevorzugen), knapp 30 literarische Romane (die Hälfte von Autorinnen), 10 Short-Story-Bände, 12 Theaterstücke und – man glaubt es kaum – 70 Gedichtbände.“
Hoffnung geben laut Rathjen heute die neuen Bücher der Arrivierten. „Roddy Doyle ist mit „Paula Spencer“ zur Protagonistin und zur Schreibweise von „Die Frau, die gegen Türen rannte“ zurückgekehrt, und vor allem ist Patrick McCabe wieder da: „Call Me the Breeze“ (2003), neben vielem anderen auch eine hintergründige Satire auf den irischen Literaturbetrieb, bewegt sich wieder auf der Höhe seiner frühen Bestleistungen, und der sehr intensive jüngste Roman, „Winterwood“, scheint sogar die Phase einer neuen, noch ambitionierteren literarischen Qualität einzuläuten“, so Rathjen und hofft, dass „deutschsprachige Verlage nicht schon das Interesse verloren haben.“







