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Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung: Indiskret – Ausstellung in der Zentralbibliothek Frankfurt am Main

Tanja Leonhardt

Gerade fertig geworden ist die Künstlerin Tanja Leonhardt: Schwarz-weiß bedruckte Seide schwebt beinahe schwerelos in der licht- und sonnendurchfluteten Frankfurter Zentralbibliothek. „Indiskret“ heißt die Ausstellung und mit Untertitel „Mein lieber Geliebtester, Einziger, Liebster“. Ein halbes Jahr lang hat Tanja Leonhardt zunächst in Briefwechseln, Tagebüchern, Nachlässen geforscht, aus ungeheuer vielen Informationen kristallisierten sich schließlich diese Zeilen heraus, die den Hintergrund der neun Frauenporträts bilden. Die Frauen – Autorinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen – haben in den schweren Zeiten nach 1933 Halt gesucht, indem sie Menschen, die ihnen sehr nahe standen, geschrieben haben. Dieser Halt gab ihnen die Kraft, in dunkler Zeit zu überleben.

Blick von der 1. Etage

Hannah Arendt, Elisabeth Langgässer, Anna Freud, Mascha Kaléko, Erika Mann, Annemarie Schwarzenbach, Else Lakser-Schüler, Nelly Sachs und Käthe Kollwitz beeindrucken durch die Kraft ihrer Worte. „Das Tagebuch von Käthe Kollwitz hat mich tief berührt und gab schließlich den letzten Anstoß für diese Arbeit“, erläutert Tanja Leonhardt. Die Germanistin und Schriftgrafikerin besorgte sich, nachdem das erste Konzept zur Ausstellung stand, Autographen der Frauen, komponierte Schrift und Bild zu einem Gesamtkunstwerk auf hauchdünner Seide.

Im Foyer der Zentralbibliothek

An den Wänden bzw. Säulen im Foyer sind die Vitae der Frauen nachlesbar. Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai zu sehen, am Welttag des Buches (23. April, 20 Uhr) wird dazu eine Veranstaltung mit musikalischer Begleitung stattfinden: Birgitta Assheuer liest Texte der verfemten Intellektuellen.

JF

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