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Christoph Honig über Team-Sitzungen

Christoph Honig (Foto: privat)
Christoph Honig (Foto: privat)

Christoph Honig ist Buchhandelsberater. Im April erläutert er, warum Team-Sitzungen nicht immer die beste Wahl sind.

Wir alle kennen sie: Die Meetings, die sich wie Kaugummi ziehen. Die Mitarbeitenden schauen auf die Uhr und fragen sich insgeheim: „Hätte es nicht auch eine E-Mail sein können oder warum sitze ich jetzt hier? Ich habe noch so viel Arbeit vor mir.

Das Problem der Meetings: Die Ineffizienz-Falle

  • Informations-Recycling: Es wird Zeit verschwendet, Dinge zu wiederholen, die die Teilnehmenden längst alle wissen.
  • Alibi-Partizipation: Die Geschäftsführung hat die Entscheidung längst getroffen. Das Meeting dient nur dazu, diese durch „gelenkte“ Lösungsvorschläge abzusegnen und ein künstliches Wir-Gefühl zu erzeugen.
  • Die Chef-Dominanz: Wenn die Führungskraft zuerst spricht, traut sich niemand mehr, eine abweichende Meinung zu äußern.

Das Ergebnis: Mittelmäßige Entscheidungen und frustrierte Teams.

Die 4 Hebel für produktivere Meetings

Wenn die Sitzungsleiter:innen offen für Veränderungen sind, können schon kleine Anpassungen die Dynamik radikal verbessern:

  • Vorbereitung ist Pflicht, nicht Kür: Meetings sollten nicht der Informationsweitergabe dienen, sondern der Entscheidungsfindung.
    • Der Modus: Alle Teilnehmenden bereiten ihre Themen vorab auf und stellen Informationen vor der Sitzung zur Verfügung.
    • Der Effekt: Die wertvolle gemeinsame Zeit wird für den Austausch und neue Ideen genutzt – und jeder kommt zu Wort.
  • Silent Brainstorming (Stille Reflexion): Statt direkt in die Diskussion zu starten, nehmen sich alle Teilnehmenden zu Beginn einige Minuten Zeit, um ihre Gedanken schriftlich zu fixieren.
    • Der Vorteil: Auch introvertierte Teammitglieder bringen ihre wertvollen Impulse ein, ohne von „Vielredner:innen“ übertönt zu werden.
  • „The Leader Speaks Last“: Die Sitzungsleitung (oder Geschäftsführung) äußert ihre Meinung als letzte Person.
    • Der Vorteil: Man verhindert den sogenannten „Bestätigungsfehler“. Das Team bleibt unvoreingenommen und mutig in der Lösungsfindung, da kein vorauseilender Gehorsam die Kreativität bremst.
  • Die Checkliste für den Einladungskreis: Stellen Sie sich vor jedem Meeting drei Fragen:
  1. Sind die richtigen Köpfe (Fachwissen) am Tisch?
  2. Haben wir jemanden dabei, der eine gesunde „Advocatus Diaboli“-Rolle einnimmt und Einwände wagt?
  3. Ist die Gruppe klein genug, um handlungsfähig zu bleiben?

Die Psychologie des Raumes: Wie wir sitzen, bestimmt wie wir denken

Die Sitzordnung ist kein Zufall, sondern ein Werkzeug. Studien (u.a. von Juliet Zhu und J.J. Argo) zeigen:

SitzordnungPsychologische WirkungBestes Einsatzgebiet
Der KreisFördert das Wir-Gefühl und das Harmoniebedürfnis.Teambuilding, Kooperation, Konsensfindung.
Rechteck / L-FormBetont die Individualität und den Wettbewerb.Fokus auf Einzelleistung, kritische Analyse, Zielvorgaben.

Pro-Tipp: Nutzen Sie Platzkarten. Indem Sie das typische „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ aufbrechen und Abteilungen mischen, fördern Sie den Perspektivwechsel und verhindern die Bildung von „Sub-Grüppchen“.

Fazit: Ein Meeting ist kein Selbstzweck. Es ist eine Investition von Lebenszeit und Gehaltskosten.

Werden Sie als Sitzungsleitende zum Regisseur bzw. zur Regisseurin produktiver Runden, statt Sitzungsteilnehmer:innen das Gefühl zu geben, fehl am Platze zu sein.

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