Gestern hat sich Hubert Spiegel, Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) die Herbst-Vorschauen vorgenommen. Und eingedenk des Konzentrationsprozesses bei Buchhandlungen und Verlagen wundert er sich darüber, wie die Verlage auf die wirtschaftliche Situation reagieren. Da sich auf die FAZ nicht dauerhaft kostenfrei verlinken lässt, fassen wir kurz zusammen.
„Auf den ersten Blick scheinen Fülle und Reichtum zu herrschen. Auf den zweiten Blick zeigt sich: Es herrschen Überfluss und Gedrängel. Der dritte Blick nimmt Anzeichen von Panik wahr“, so sein Eindruck aus der Lektüre der Vorankündigungen.
Denn die einzige Antwort, die den Verlagen einfalle, sei es einen Verdrändungswettbewerb unter ihren Autoren zu inszenieren und zwar im eigenen Haus. Er befürchtet, dass ein Überangebot an Titeln Leser und Buchhändler überfordere. Schließlich könne keine Presse- und Marketingabteilung sich intensiv für mehr als vier oder fünf Bücher zur selben Zeit einsetzen, so Spiegel.
Spiegel gibt Beispiele und zählt auf: „Nehmen wir S. Fischer. Mit Monika Maron, Birgit Vanderbeke, Gerhard Roth, Christoph Ransmayr, Michael Lentz, Reiner Kunze, Julia Franck, Anita Albus und Sabine Schiffner werben neun deutschsprachige Autoren gleichzeitig um Aufmerksamkeit.“ Bei Suhrkamp seien es gar zwölf Autoren, die miteinander konkurrieren. „Oder nehmen wir den Hanser Verlag, wo Michael Köhlmeier gegen Pascal Mercier, Martin Mosebach gegen Botho Strauß, Thomas Glavinic gegen Arno Geiger, Ludwig Harig gegen Karl Heinz Boher und Heinz Schlaffer und Johannes Kühn gegen Joseph Zoderer und Jan Volker Röhnert antreten muss“, schreibt Spiegel.
Und folgert: „Der Ausweg aus der ökonomischen Krise kann wohl auch nicht darin liegen, möglichst viele Titel schlecht zu verkaufen.“ Seine Empfehlung: Man müsse vielleicht wieder mehr mit dem Leser rechnen.






