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Provinzposse in BaWü: Ein Buch bringt Bürger in Wallung

Das kann wohl wieder jemand Dichtung und Wahrheit nicht auseinanderhalten: Eine Provinzposse ereignet sich derzeit in der baden-württembergischen Siedlung Pattonville.

„Zahlreiche Hauptakteure und Nebendarsteller sind im Spiel, sogar Deutschlands Staatsoberhaupt, Host Köhler höchstpersönlich, hat eine Nebenrolle in dieser bizarren Farce zugetragen bekommen. Weitere Agierende sind der Bürgerverein Pattonvilles, Oberbürgermeister Karl-Heinz Schlumberger sowie der Protagonist Matthias Ulrich, dessen Roman „Feuerreiter“ zum Dreh- und Angelpunkt der erhitzen Gemüter wurde“, heißt es in der Presseerklärung des Brendow-Verlags, in dem das Buch erschienen ist.

Als spannend, hintergründig und eindringlich bewarb der Verlag den im Frühjahr erschienenen Roman. Der Plot: Eine Schülerin wurde ermordet und als Tatort die Mustersiedlung „Robinson“ bestimmt. Schnell war klar: Täter, Mitwisser und Komplizen sind nirgendwo anders zu suchen als in eben der geschilderten Siedlung. Besonders die ansässigen Aussiedler, „Arealrussen“ genannt, geraten vordergründig schnell in Verdacht und werden zur Zielscheibe aller Vermutungen.

Während sich das Blatt im Roman allerdings zum Guten wendet und der Fall aufgeklärt wird, hielt die Realität für Matthias Ulrich eine andere Wendung bereit. „Denn die scheinbare Ähnlichkeit der Siedlung ‚Robinson’ mit der real existierenden Siedlung ‚Pattonville’ in Baden-Württemberg, nahe Ludwigsburg, wurde ihm nun zum Verhängnis. Der Bürgerverein dieser Ortschaft bat den Oberbürgermeister um einen ‚stillen Boykott’ dieses Romans, befürchtet Rufschädigung und Negativdarstellungen von Pattonville. Die Bemühungen des Bürgervereins um Integration würden torpediert und Bürger von Pattonville würden indirekt beschuldigt, sie seien ausländerfeindlich. Dass es sich bei dem ‚Feuerreiter’ jedoch um einen Roman, nicht um ein Sachbuch handelt, scheinen die Mitglieder des Bürgervereins auszublenden. Besonders die Tatsache, dass Bundespräsident Horst Köhler anlässlich seines Besuchs in Pattonville mit diesem Buch beschenkt wurde und die ortsansässige Presse positiv auf den Roman reagierte, werden dem Bürgerverein ein Dorn im Auge gewesen sein“, heißt es weiter in der Brendow-Presseerklärung.

„Seither kann Matthias Ulrich als ‚sozial Geächteter von Pattonville’ bezeichnet werden. Ein Gespräch zwischen Autor und Bürgerverein wird abgelehnt, eine Lesung des Autors in der Bücherei von Aldingen ist abgesagt worden.“

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