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Schon das neue Blook gelesen?

Blooks sind im Kommen. Nein, kein Schreibfehler; in Blooks hat das „L“ wie „Lesen“ seinen festen Platz hinter dem „B“ wie „Bücher“ und vor dem „O“ wie online. Blooks sind die gesammelten und in Buchform zusammengefassten, auf Papier gebannten Einträge sogenannter Weblogs, kurz Blogs.

Ursprünglich als eine Art öffentliches Online-Tagebuch gedacht, hat die Netz-Community das Bloggen bald für sich entdeckt. Inzwischen ist ein Blog nicht mehr und nicht weniger als eine Webseite, die in regelmäßigen Abständen neue Einträge zu einem Thema enthält. Blogs existieren in den verschiedensten Varianten: Zum Beispiel die sogenannten Watchblogs, die Online- und Printmedien kritisch ins Visier nehmen. Bestes Beispiel hierfür ist das BILD-Blog, das täglich die Fauxpas der BILD-Zeitung anprangert – mit Erfolg: Kaum macht BILD-Blog auf die Misere aufmerksam, ist es auf BILD-Online schon korrigiert. Dass die Blogger sich inzwischen als Lektoren der BILD sehen und hierfür auch scherzhaft den angemessenen Obulus verlangten, ist nur eine der vielen Anekdoten aus dem Bloggerleben – und eines von vielen Beispielen, die den Einfluss von Blogs verdeutlichen.

„Klowände des Internets“ oder Fundgrube für Buchhändler und Verleger?

Nachdem Blogger sich über die Jung von Matt-Kampagne „Du bist Deutschland“ mokiert hatten, schlug Jung von Matt-Chef Jean-Remy von Matt beleidigt zurück, Blogs seien die „Klowände des Internets“. Die Süddeutsche Zeitung stieß ins gleiche Horn und adelte die Blogger kurzerhand zu den „Ritter(n) der Schwafelrunde“ (SZ, 03.02.06).
Schwafeln oder nicht schwafeln – das ist hier die Frage. Fakt ist, dass sich unter mittlerweile 50 Millionen Blogs, die Technorati am 31. Juli diesen Jahres zählte, auch einige Litblogs tummeln, die durchaus eine Fundgrube für Literaturbegeisterte sein können. Angesichts solcher Zahlen fällt es natürlich schwer, das Interessante vom Banalen zu trennen. Denn die Bandbreite der Einträge ist enorm: Literaturkritiken stehen traut vereint neben „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“-Poesie. Jeder darf mal, (fast) alles ist erlaubt. Qualität ist subjektiv…

Sich erst durch unzählige Kleinsteinträge und Gartenzaunlyrik zu kämpfen bis man endlich zu den interessanten Einträgen gelangt, ist mühselig. Google oder auch Yahoo bieten Hilfe und durchforsten inzwischen auch die Blogosphäre nach Stichworten. Sucht man also bestimmte Autoren, Kritiken, Einträge oder schlichtweg Anregungen zu einem Thema oder Titel, so helfen diese Suchmaschinen, schnell und treffsicher das Passende zu finden.

Literaturblogs – Chance für Buchhändler und Verlage?

Wer sich also furchtlos und vielleicht mit dem einen oder anderen Hilfsmittel durch den Bloggerdschungel kämpft, wird mit guten Tipps, amüsanten Einträgen oder viel versprechenden Texten belohnt. Buchhändler finden in Blogs Leseanregungen und Kundenfeedback zu weniger populären Titeln, und Verlagen stehen neue Autorenquellen zur Verfügung. Vorgetestet von der Web-Community schaffen es Online-Autoren immer häufiger in die Druckpresse. Das beste Beispiel liefert Bastian Sick, der zunächst nur auf Spiegel Online den Genitiv wiederbelebte.

Ob Blogs zukünftig immer mehr Perlen oder doch eher Kiesel zutage fördern, ist ungewiss. Eins jedoch ist sicher: Das Netz der 1000 Möglichkeiten bietet auch dem Literaturbetrieb vielfältige Chancen.

SAM

Suche nach Blogeinträgen: http://www.google.de/blogsearch?hl=de, http://www.technorati.com

Auch Buchhandlungen beginnen zu bloggen, z.B.: http://blog.lob.de/

Literaturblogs:
· Sammelstelle für Literaturblogs aller Art: http://www.literaturportal.de/links.php?show=4
· Kundengenervte Buchhändler finden Trost und Verständnis auf http://aci.blogg.de/, dem Blog für „Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn“.

· Bemerkenswertes rund ums Thema Literatur wird auf http://www.blaetterrauschen.de/ gesammelt.

· DIE ZEIT bietet auf http://www.zeit.de/blogs/index ein Potpourri an mehr oder weniger literarischen Kuriositäten sowie Einträgen von Autoren wie Jan Weiler oder Sven Regener.

· Das Hörbuch-Blog hält, was der Name verspricht: http://www.hoerbuch-blog.de

· Und auch Krimifans haben in der SZ ihre eigene Ecke: http://www.sz-krimi.de/

· litblogs.net – literarische Weblogs in deutscher Sprache – ist „ein Portal für und Online-Magazin aus AutorInnenblogs“.

· http://blog.zvab.com: stellt ab Anfang September monatlich versunkene Schätze der Literaturgeschichte vor.

Weitere Folgen der ZVAB-Kolumne finden Sie im Archiv. Geben Sie als Suchwort einfach „zvabcolumn“ ein.

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