
Schon wieder ein erstes Mal. Die erste Lesung ohne Buch. Hollow Skais Rio Reiser-Biografie wird von den Moebius-Brüdern verhindert. Uli Genzler, Heyne-Verleger und extra aus München angereist, gibt sich kämpferisch. Den Mitwirkenden des großen Rio Reiser-Abends auf der lit.COLOGNE scheint das alles wenig auszumachen. Zu begeistert sind sie vom Zuspruch. Fassungslos stehen sie Backstage und starren auf den kleinen Monitor. Stuhl um Stuhl füllt sich, bis auf den letzten Platz: Ausverkauft, das große Kölner Schauspielhaus. Jan Plewka, der im Hamburger Schauspiel mit einem Reiser-Stück meist vor kleiner Kulisse auftritt, strahlt mit Rios Weggefährtem Marius del Mestre um die Wette.
Wie überhaupt die Festival Macher noch mal zu einem großen Schwung ausholen. Schließlich muss die Euphorie nun bald ein Jahr lang tragen. Hannu Raittila wird vom frisch dekorierten Christoph Maria Herbst gelesen, während der italienische Anti Mafia-Richter Gianrico Carofiglio von Schillerstrassen-Star und Super-Vorleser Michael Kessler begleitet wird. Labonté hängt daraufhin zusammen mit Claudia Hanssen (Random House) für den Rest des Abends an den Lippen des charismatischen Mannes aus Bari.
Wilhelm Genazino liest ebenso vor ausverkauftem Haus wie FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der sich die lit.COLOGNE als ersten und einzigen Auftrittsort für sein neues Buch „Minimum“ auserwählt hat. „Das Publikum hier ist einmalig in der Welt“, so sein Credo beim anschließenden Gespräch im Festivalcafé, wo er noch lange beim Rotwein mit Elke Heidenreich, deren Freundin Mariele Millowitsch und deren Mann Bernd Schröder zusammen sitzt. Von Schröders neuem Roman „Hau“ (erscheint im September bei Hanser) erzählte man sich übrigens schon wahre Wunderdinge. Wartet hier der nächste FAZ-Vorabdruck?
Und dann noch ein begeisterter Arno Geiger, eine atemberaubende Jessica Durlacher, zum Verdruss ihres Reporters mit Ehemann Leon de Winter, ein angeregter Daniel Cohn-Bendit, Jakob Hein, der den ganzen Tag über schon das hohe Lied auf das „wunderbare Festival“ singt, der Krimi-Autor Joe R. Landsdale zusammen mit dem australischen Superstar Gary Disher, den hierzulande noch viel zu wenige kennen (außer in Köln – ausverkauft!).
Ganz am Rande erfuhr Ihr Titus dann auch noch, dass sich Werner Köhler und Elke Heidenreich schon wieder für das nächste Jahr einig sind. Die große Dame der Literaturkritik wird wohl nochmals die lit.COLOGNE-Gala moderieren. Glaubt man den Statements der euphorisierten Autoren und Schauspieler, können Köhler und seine Kollegen auch ansonsten wieder aus dem Vollen schöpfen.
Ich muss nun zunächst einmal schlafen, vielleicht den ganzen Tag lang, denn es steht die letzte Nacht an, und die ist, nach allem was man hier hört, noch nie vor dem nächsten Sonnenaufgang zu Ende gegangen. Und stimmt es, was man munkelt, dass nämlich Köhler seinen nächsten Roman hier auf der lit. tatsächlich zu Ende gebracht hat („Eine ganz normale Familie“ im Herbst bei K&W) und dass er zudem noch die Filmrechte an seinem Erstling „Cookys“ verkauft hat, dann bestelle ich mir vorsorglich schon mal einen Heringsstipp im nächst erreichbaren Brauhaus.
Morgen – irgendwann im Laufe des Tages – der letzte Bericht von Ihrem T.v.T.
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