Zu hohe Miete der Bahn und die zunehmende Sonntagskonkurrenz durch Tankstellen und verkaufsoffene Sonntage haben Till Herwig zum Rückzug aus dem Göppinger

Bahnhof bewogen Er will dafür im kommenden Jahr zwei weitere Läden eröffnen [mehr…]. Anlass für drei Fragen deshalb an den Chef der Herwig-Gruppe mit Buchhandlungen in Geislingen, Schwäbisch Gmünd, Aalen, Ulm, Augsburg und Göppingen:
Ihr Rückzug aus dem Bahnhof hat trotz langer Tradition nichts mit Ihrer wirtschaftlichen Situation zu tun?
Till Herwig: Die Aufgabe des Bahnhofbuchhandels – von der Filiale im Bahnhof Geislingen hatten wir uns schon vor zwei Jahren getrennt – folgt schlicht und einfach der kaufmännischen Vernunft, Geschäfte, die sich absehbar nicht mehr rentieren, bleiben zu lassen. Das fällt uns umso leichter, als der Bahnhofsbuchhandel nie zu unserem Kerngeschäft gehörte. Und nachdem wir mit dem Handelshaus Dr. Eckert einen potenten Käufer gefunden haben, der nicht zuletzt alle bestehenden Anstellungsverhältnisse übernimmt, stellt der Verkauf auch für uns eine wirklich sehr gute Lösung dar. Das schwächt unsere solide wirtschaftliche Situation keineswegs – es stärkt sie vielmehr.
Da stehen Sie derzeit ziemlich allein auf weiter Flur?
Ob wir mit unserem erfolgreichen Weg „allein auf weiter Flur stehen“ vermag ich nicht zu beurteilen. Ich hoffe es nicht. Im übrigen sind wir gewiss nicht frei von Schwierigkeiten. Aber das wäre ja auch nur zu langweilig. Da gäbe es ja gar nichts mehr zu verbessern.
Was machen sie anders als andere?
Unsere unternehmerische Zielsetzung ist verhältnismäßig einfach: Wir wollen in unserer Region unsere Position als moderne, individuelle und qualitativ hochwertige Buchhandlung für ein überwiegend bürgerliches Milieu weiter ausbauen und stärken. Daran arbeiten wir, täglich neu. Und dabei kann es gut sein, dass in den nächsten Jahren noch ein, zwei Buchhandlung hinzukommen – sei es durch Neugründungen oder Übernahmen. Dabei geht es mir aber in erster Linie um eine qualitative Verbesserung unseres Angebots und unserer Position und weniger um eine quantitative. Ob wir im jährlichen Ranking an 30., 50., 70. oder was weiß ich für einer Stelle stehen, finde ich ungefähr so spannend wie den umgefallenen Sack Reis in Schanghai oder anderswo… . Insofern gibt es vielleicht einen Unterschied, insbesondere auch zum Expansionsdruck der großen Filialisten, deren Wachstum einer ganz anderen, inneren Logik entspringt.