
BuchMarkt: Gerüchte um Ihre Nachfolge kursierten schon länger. Wie schwierig war die Suche nach einem geeigneten Mann?
Klaus Sigmund: Gerüchte um meine Nachfolge kann es nicht gegeben haben, denn seit April 2004 machte ich meine Gesellschafter darauf aufmerksam, rechtzeitig einen geeigneten Nachfolger zu suchen, denn so einfach ist es ja nicht, die gewachsene schweitzer-Gruppe von heute auf morgen durch Wechsel in der Führung zu ersetzen. Entsprechende Anzeigen wurden ja auch geschaltet und die Suche war jetzt, ca. ein Jahr später, erfolgreich. Das freut mich.
Es war auch mein Wunsch, dass der Nachfolger baldmöglichst die Eigenverantwortung für die Gruppe übernimmt und ich dann auch zurücktrete, aber gleichzeitig während der Übergangsphase mit meiner Erfahrung beratend zur Verfügung stehe. Ich denke, dies ist der beste Weg, die Zukunft eines stark gewachsenen mittelständischen Buchhandelsunternehmens zu fördern.
Sie sind im heute so schnelllebig gewordenen Geschäft so etwas wie ein „Dinosaurier“, was halten Sie für die wichtigste – branchenbezogene – Erkenntnis Ihrer langjährigen Tätigkeit beim schweitzer-Sortiment?
Sie nennen mich einen „Dinosaurier“, das mag sein, denn wer hält es heute schon in dieser schnelllebigen Zeit 31 Jahre in einer Firma aus in einer Führungsposition? So manche Bewerber für meine Position konnten sich das gar nicht so richtig vorstellen.
Sie fragen nach der für mich wichtigsten branchenbezogenen Erkenntnis meiner langjährigen Tätigkeit beim schweitzer Sortiment, die zur Gruppe gewachsen ist.
Branchenbezogen heißt für mich, dass es mir möglich wurde, den wissenschaftlichen Fachbuchhandel bei allen Zukäufen oder Neugründungen so in der Substanz zu erhalten, dass bis auf wenige kleinere Filialeinheiten, die man aus regionalen Gründen schließen musste, es waren zwei, jede erworbene Buchhandlung nach wie vor heute am Markt ist, inklusive ihrer Mitarbeiter. Dies war mein persönlicher Anspruch, nicht zu schließen und zu entlassen, sondern zu fördern.
Werden Sie nun endlich das langersehnte Buch schreiben, dass Sie bei der 11er-Frage im BuchMarkt im vergangenen Jahr angekündigt haben: „Die Entwicklung der Schweitzer Buchhandelsgruppe vom 1. August 1974 bis zum 1. August 2004“?
Bei meinem 60. Geburtstag haben Sie mir 11 Fragen gestellt, darunter war auch meine Aussage, ein Buch über die Entwicklung der schweitzer-Buchhandelsgruppe vom 1. August 1974 bis zu meinem Ausscheiden zu schreiben. Dies ist nach wie vor ein Gedanke von mir, denn letztendlich ist auch die historische Entwicklung der schweitzer-Gruppe für nachfolgende Generationen wichtig. Aber, ich glaube, die Einarbeitung meines Nachfolgers sowie meine künftigen Aktivitäten für den nahtlosen Übergang, werden mir erst in einigen Jahren diesen persönlichen Wunsch ermöglichen.
Es war auch schon von Herrn Neie, meinem Nachfolger, zu hören, dass er noch lange Zeit von meiner branchenbezogenen Erfahrung profitieren möchte. Alt und Jung werden zusammen arbeiten.