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Felix M. Wiesner

Der Schweizer Verleger und Verlagsvertreter Felix M. Wiesner, geb. am 22.1.1920, ist am 7. Mai in Kilchberg (Schweiz) gestorben.

Er hat als (Einmann-)Verleger des Verlag Die Waage ein interessantes Kapitel Verlagsgeschichte der Nachkriegszeit geschrieben – vor allem als Verleger der erotischen Romane Jou Pu Tuan und Djin Ping Meh, um die es damals große Aufgeregtheiten gab.

Felix M. Wiesner wurde in Wien geborenstudierte Germanistik, vergleichende Literaturwissenschaft, russische Sprache, indische Philosophie und Religionsgeschichte, bevor er 1947 als Lektor beim Manesse Verlag anfimg.

Ab 1950 begann er für die Verlage Arche, Diogenes, Walter, Bucher, Scherz, Ringier u.a. und für seine „Waage“ den Schweizer Buchhandel als Vertreter zu bereisen.
Er war in erster Linie Belletristik-Vertreter, wie sein beruflicher Werdegang zeigt (Manesse – Arche – Diogenes!).

Peter Schifferli, der legendäre Verleger der Arche, übertrug ihm als erster die schöne Aufgabe, seine Autoren im Schweizer Buchhandel bekannt zu machen.

Dazu gehörten u.a. Friedrich Dürrenmatt und Evelyn Waugh. Die erfolgreiche Partnerschaft hielt 11 Jahre, und zwar ohne Vertrag! Es folgten 8 Jahre für Diogenes, wo er Daniel Keel ablöste, der zunächst selbst für sein Verlagsprogramm auf die Reise gegangen war. Die außerordentliche Wertschätzung, die Felix Wiesner damals im Schweizer Buchhandel genoss, illustriert die Diogenes-Anzeige im „Schweizer Buchhandel“ (Heft 17/1959: „Der König der Verlagsvertreter“.

Jedoch: So sehr ihn der verantwortungsvolle Beruf des Verlagsvertreters – er führte ihn bis weit in die 90er Jahre aus – mit Freude erfüllte, er diente nicht zuletzt der Finanzierung seines 1951 gegründeten Verlags Die Waage. Der Name der Waage war Programm: Im Sinne der chinesischen Yin-Yang-Polarität sollten sowohl Werke des Westens wie des Ostens erscheinen. Am meisten Ruhm hat ihm dabei die zuletzt rund 20 Bände umfassende „Bibliothek chinesischer Romane“ eingetragen. Mit den beiden
Prozessen gegen die Buchzensur (s.o.) schrieb Felix Wiesner ungewollt ein Kapitel schweizer Rechtsgeschichte. Neben einer weiteren literarischen Reihe („Bücher der Waage“) mit Texten von Goethe, Voltaire, Krylow, Gabriela Mistral u.v.a. ist noch die religionsphilosophische Reihe „Essenz + Evidenz“ zu nennen.

Zeitlose Qualität war die verlegerische Maxime Felix Wiesners im geistigen Spannungsfeld zwischen den „Russischen Heiligenlegenden“ von Ernst Benz und taoistischem „Blumenzauber“. Folgerichtig nannte er sich selbst einen christlichen Taoisten!
Peter M. Schumacher

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