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Heute in der WELT: Uwe Wittstock zur Frankfurt Siegfried Unseld-Ausstellung

Gestern wäre Siegfried Unseld 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde im Frankfurter Holzhausenschlösschen eine Ausstellung zu Leben und Arbeit des Suhrkamp-Verlegers eröffnet.

„Die jetzt eröffnete Ausstellung benennt daneben endlich auch einige Punkte im Leben Unselds, die sich in das glanzvolle Bild nicht so ohne weiteres einfügen lassen. Da ist zum Beispiel der ‚Lektoratsaufstand‘ von 1968, nach dem im Konflikt mit Unseld einige der wichtigsten Mitarbeiter Suhrkamp verließen – ein intellektueller Substanzverlust, der für den Verlag schwer aufzufangen war. Da ist der jahrelange Streit um das Erbe Uwe Johnsons, und da sind 1989 die Betrugsvorwürfe im Hinblick auf die Veröffentlichung der Werke Walter Benjamins.“

„Vor allem aber lässt die Ausstellung zumindest in Andeutungen das Familiendrama erkennen, das Unselds Leben begleitete und das den Literaturbetrieb in den letzten Jahre in Atem hielt: Der Versuch, den Sohn Joachim als Nachfolger aufzubauen, Unselds Heirat mit der fast 30 Jahre jüngeren Schauspielerin und Schriftstellerin Ulla Berkéwicz, der Rausschmiss des Sohnes aus dem Verlag vier Wochen nach dieser Hochzeit und der Eintritt Ulla Berkéwicz‘ in die Verlagsleitung nach Unselds Tod.

Raimund Fellinger, der diese Ausstellung wesentlich verantwortet, hat darüber hinaus die Jugend Unselds dokumentiert, von der zuvor kaum je öffentlich die Rede war: Man erfährt also, dass er 1940 Fähnleinführer im Jungvolk war, dass sein Vater Ludwig schon 1933 in die NSDAP eintrat und als SA-Mann 1938 daran beteiligt gewesen sein soll, zwei Synagogen niederzubrennen – was er nach dem Krieg bestritt, ihm jedoch eine Verurteilung zu zehn Monaten Gefängnis eintrug.“

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