Ein Alptraum: Unser Kolumnist Dr. Heinz Gollhardt hatte bei der Nachrecherche für seine Kolumne festgestellt, dass er zunächst falsche Zahlen gesagt bekommen hatte und seine Kolumne daraufhin überarbeitet. Warum dennoch die falsche Kolumne gedruckt wurde, obwohl die neue Fassung in die Druckerei gegangen ist, können wir von hier aus im Moment nicht feststellen. Hier die richtige Fassung:
Um die 15 Millionen EURO geschätzter Verlagsumsatz der SZ, obwohl erst gut die Hälfte der geplanten 50 Bände erschienen sind, und das bei einem Ladenpreis von nur 4,90 Euro. Pro Titel nicht unter 160.000 Exemplare, etliche weit darüber. Und das Ganze für den Verlag auch noch rentabel, allerdings nicht zweistellig, wie der SPIEGEL schrieb. Die Bibliothek soll fortgesetzt werden. Ab Oktober wird eine 20 CDs umfassende Musik-Edition mit Joachim Kaiser als Editor unter dem Label „Klassik-Kaiser“ erscheinen.
Nun hängt sich BILD an diesen Erfolg. Mit einem anderen, gewiss leichteren Programm, aber in Strategie und Methode sicher nicht viel anders. Und schließlich hat noch die ZEIT ähnliche Pläne, von der es heißt, dass man dort ein Lexikon vermarkten will.
Dass BILD sich mit Weltbild zusammen tut, löst Ärger aus. Aber BILD hat nicht wie die Süddeutsche Zeitung eine eigene Vertriebsorganisation, ist also auf logistische Hilfe angewiesen. Und sie hat sich mit Lothar Menne einen Mann geholt, der für ein attraktives und erfolgreiches Programm steht.
Eine neue Art der Weiterverwertung also, nachdem die verschiedensten herkömmlichen Nebenrechte bereits genutzt waren, die Titel ihr Geld verdient hatten und eigentlich ein weiteres großes Geschäft mit ihnen kaum noch zu erwarten war. Ein Geschäft auch für die lizenzgebenden Verlage? Von den Prozenten und den Garantiesummen her gesehen wohl kein großes, aber durch die verkauften Mengen dann doch.
Ein Geschäft auch für den Buchhandel? 40 Prozent der Bücher würden über den Buchhandel verkauft, 30 Prozent über das Pressegrosso und 30 Prozent direkt, so die SZ.
Diese neue Art der Weiterverwertung profitiert noch von einem anderen Faktor, der für herkömmliche Verlagsausgaben kaum zur Verfügung steht, gleichwohl aber Standards setzt. Es sind die Möglichkeiten der Zeitungen für Werbung. Nicht nur der Werbung im herkömmlichen Sinne mit Eigenanzeigen etc., die streng kaufmännisch betrachtet zumindest mit einem Rabattpreis in die Kalkulation eingehen müssten. Aber wer rechnet da schon streng. Ein Außenkunde hätte für die Einführungswerbung der SZ 3 Mio. Euro und die laufende 2 bis 2,5 Mio. Euro zahlen müssen; da wäre die Rechnung schon nicht mehr aufgegangen. Hinzu kommen die Möglichkeiten von gezielten Rezensionen und anderen redaktionellen Hinweisformen, die die SZ sehr geschickt und unaufdringlich nutzt. Diese Möglichkeiten haben sonst nur Fach-und Special Interest-Verlage mit ihren Zeitschriften.
Wie auch immer man in der Branche und aus der jeweiligen Interessenlage solche Aktionen beurteilt – sie tun der Förderung des Lesens und der Kultur überhaupt gut, einmal abgesehen vom Imagegewinn und dem Umsatz der Zeitung. Es scheint auch übertrieben, was die FAZ vom 9. September 2004 prophezeit, dass diese Aktionen der Zeitungen „den waidwunden deutschen Buchhandel in diesem Herbst ins Mark treffen dürfte“.
Es ist wohl mehr die Angst, dass sich außerhalb des klassischen Buchhandels immer mehr Anbieter und „Störer“ des herkömmlichen Buchgeschäfts erfolgreich mit unseren ureigensten Produkten beschäftigen, dass sie Umsatz wegnehmen, neue Gewohnheiten des Bücherkaufs anregen und durchsetzen.
Vor diesem Angstbild verschwindet dann leicht, dass solche Aktionen zugleich auch eine Bestätigung dafür sind, dass Bücher – bei der SZ sind es ja durchaus anspruchsvolle – nach wie vor gefragt sind, dass gelesen wird, dass das Medium lebendig ist und dass es als Wirtschaftsprodukt auch für Branchen attraktiv ist, die ganz anders rechnen als wir. Ja aber, höre ich da sagen: Wenn man nur das Bewährte nimmt und bei diesen niedrigen Preisen… Da sei daran erinnert, dass die hier wiederbelebten Bücher im Tagesgeschäft unserer Branche kaum noch eine Rolle spielten, dass also nichts weggenommen wurde. Aber: Der Preis verdirbt doch das Preisbewusstsein. Antwort: Die MA-Titel etwa nicht?
Ein Nachsatz in eigener Sache: Meine Kolumne in BuchMarkt 9/2004 erhielt von der Redaktion eine irreführende Über-schrift mit Unterzeile, die den Eindruck erweckte, ich hielte Tankstellen für beispielhaft in der Sortimentsgestaltung auch für uns. Wer dann noch Lust hatte, meine Kolumne zu lesen, wird gemerkt haben, dass ich genau dies nicht meine. (H.G.)