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Pressekonferenz des Ernst Klett Verlages zur Diskussion um die deutsche Rechtschreibung

Von der derzeitigen Debatte um die Rechtschreibung sind in besonderer Weise die Schulbuchverlage betroffen. Auf einer Pressekonferenz erläuterte Klett-Geschäftsführer Johannes Leßmann die wirtschaftlichen Auswirkungen sowie das System der Schulbuch-Finanzierung.

„Wir sind ein Dienstleister der öffentlichen Hand“, hielt Johannes Leßmann fest. „Als die Kultusministerien und die wissenschaftlichen Gremien im Jahr 1997 entschieden hatten, eine neue Rechtschreibregelung einzuführen, hat der Ernst Klett Verlag diese unter einem nicht unerheblichen Kostenaufwand sehr schnell umgesetzt.“ Auf die hohen Kosten hatten die Schulbuchverlage schon damals hingewiesen. Eine erneute rasche Umstellung der Schulbücher, bei Klett zunächst der etwa 3.000 Deutsch-Produkte, dann der Geschichts- und Sozialkundebücher, sei zwar möglich, würde jedoch abermals Kosten in Höhe von 30 bis 45 Mio. Euro verursachen, abgesehen von der Verwirrung bei den Schülerinnen und Schülern. „Wir müssen an unsere Kunden denken, und das sind die Lehrer und die Schüler“, so Leßmann. „Sie schreiben seit acht Jahren nach den neuen Rechtschreibregeln, und sie sind die einzigen, die sich derzeit nicht in erster Linie mit diesem Thema auseinandersetzen, da sie andere Probleme haben.“ Viel wichtiger sei es, dass die Schulen überhaupt genügend Bücher für den Unterricht haben, dass mehr Lehrerfortbildungen angeboten werden, Online-Angebote integriert und die neuen Bildungsstandards umgesetzt werden.

Bezogen auf die Äußerungen des Verlegers und Vorstandsvorsitzenden der Klett Gruppe, Michael Klett, sagte Leßmann: „Als Familienunternehmen haben wir eine besondere Stärke. Wir können den Spagat zwischen privater und öffentlicher Meinung
leisten. Die Zerrissenheit in Bezug auf das Thema Rechtschreib-reform, die Michael Klett äußert, ist verständlich. Einerseits sieht er als Vertreter eines der größten Verlage die ökonomischen Schäden für sein Unternehmen, andererseits stellt er sich aus innerer Überzeugung gegen die neue Rechtschreibung. Eine solche Haltung ist in heutiger Zeit in gewisser Weise sogar bewundernswert. Aber es geht hier nicht darum, ob wir inhaltlich für oder gegen die neue Rechtschreibung sind, es geht vielmehr um die wirtschaftlichen Folgen für den ohnehin stark angeschlagenen Bildungsmarkt.“

Die Ausgaben der öffentlichen Hand für Lernmittel betragen jährlich etwa 250 Mio Euro. Eine erneute Umstellung der Rechtschreibung würde für die gesamte Branche exakt diese Kosten ausmachen. Bei den Deutschbüchern erwartet der Klett Verlag bereits Umsatzeinbußen. Die aktuelle Debatte löst eine Unsicherheit aus, die eine Kaufzurückhaltung verursacht.

Der Ernst Klett Verlag rechnet mit ca. 45 Millionen Euro Umstellungskosten, falls die Rechtschreibreform tatsächlich zurückgenommen werden sollte. Hinzu kämen noch einmal 35 Millionen Euro für die unverkäuflichen Lagerbestände. Diese Kosten trage kein anderer als die Schulbuchverlage selbst. „Dafür gibt es bei den Kultusministerien kein Budget.“ Diese enorme Belastung gefährdet Arbeitsplätze. Doch dazu, meint Leßmann, werde es gar nicht kommen. „Sicherlich wird sich ein Kompromiss finden lassen. Wir fordern aber eine rasche Entscheidung, so dass sich die Schulbuchverlage schnell umstellen können, um ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kunden gerecht zu werden. Technisch und organisatorisch sind wir dazu in der Lage.“

Die Ernst Klett Verlage (www.klett-verlag.de) gehören zu den führenden Anbietern für Bildungs- und Unterrichtsmedien in Deutschland und beschäftigen ca. 960 Mitarbeiter u.a. an den Standorten Stuttgart, Leipzig und Gotha. Sie sind Teil der Klett-Gruppe (www.klett.de), die 2003 mit mehr als 2100 Mitarbeitern in 13 Ländern einen Umsatz von 320,8 Mio. Euro erwirtschaftete.

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