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Fritz Molden heute 80

Glückwunsch zum heutigen 80. Geburtstag an den Verleger, der die Buchbranche mehr als andere verwandelt und geprägt hat. Welche Rolle Fritz Molden gespielt hat, wird an den Glückwünschen von Weggefährten und Freunden deutlich, die im BuchMarkt Aprilheft versammelt sind. Und hier noch nachgereicht, was Gert Frederking dort nicht sagen durfte, weil der Platz nicht reichte:

Fritz Molden zum 80zigsten zu gratulieren heißt, zurück zu blicken auf die Sechziger und Siebziger Jahre, als der Pressezar Molden als Axel Springer von Österreich sich anschickte, den deutschsprachigen Buchmarkt zu erobern. Erinnern wir uns noch an den unvorstellbar hohen Vorschuss für die Svetlana-Memoiren (800.000 US-Dollar, 1967) ? An eines der schnellsten Bücher zum Sieben-Tage-Krieg im Nahen Osten von Ernst Trost? An Mario Puzos „Der Pate“? An Henri Charrières „Papillon“ und seinen Auftritt im Münchner Studentenlokal Max Emanuel (nie wieder habe ich so viele Buchhändlerinnen gesehen, die sich Stunden für eine Signatur angestellt haben)? An Friedrich Hacker und sein Aggressions-Buch, an Eibel-Eibelsfeld, Hans Hass, an die legendäre Buchhändlerreise nach Torremolinos? An Hildegard Knefs „Der Geschenkte Gaul“, mit dem 1970 Olaf Paescke und Fritz Molden das Buchmarketing erfanden? Erinnern wir uns an Colleen McCulloughs „Dornenvögel“ und das Amulett, das alle Buchhändlerinnen geschenkt bekamen? An die Alpbacher Buchgespräche für den deutschsprachigen Buchhandel und die Buchhandelsmedien, die lange in die Branche nachwirkten? An glanzvolle Buchmesseempfänge, zum Beispiel den Internationalen Verlegerempfang, an dem seiner Zeit mehr als hundert ausländische Verleger teilnahmen? Erinnern wir uns an ungezählte Buchpremieren in Wiener Palais und Heurigen-Lokalen wie in der Hofburg und in der Staatsoper?

Die Müchner Buchhandelsszene wird sich noch an den Abend erinnern, als Fritz Molden im Deutschen Museum seine Münchner Dependence eröffnete, an dem Tag, an dem die tschechischen Dissidenten Ladislav Mñacko, Ottar Sik, Milan Kundera und Pecka (Prager Frühling) ihre Pässe zurück erhielten – ihre Bücher hatte alle Fritz Molden verlegt.

Auch eine Dschunken-Expedition (Taiki) hat dieser Fritz Molden ausgerüstet, die den pazifischen Ozean überqueren sollte, um zu beweisen, dass chinesische Dschunken bis nach Mittelamerika segeln konnten. Die Molden-Dschunke ging zwar auf halber Strecke unter, die Reste des Schiffs landeten aber tatsächlich an der mexikanischen Pazifikküste an.

Fritz, die zehn Jahre an Deiner Seite waren eine „Hetz“, und die Hetz war Dein Lebenselexir, war Auftrieb, Antrieb, Umtrieb und das permanent Sicheinmischen, Gestalten, Verändern, Verbessern. Die Unabhängigkeit Österreichs zu erhalten und zu fördern hast du Dir zur Lebensaufgabe gemacht, ein Werbeslogan für die zahlreichen Österreichtitel (Austriaca) hieß: „In diesem Verlag lebt Österreich“.

So war’s! Diese Jahre haben meinen beruflichen Weg entscheidend geprägt, und dafür danke ich Dir herzlich. Dem Freund und Verleger Fritz Molden wünsche ich, dass die Zahl seiner Gästebücher weiter wächst, denn sie sind beredte Zeugen eines reichen, kommunikativen Lebens.
GERT FREDERKING

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