Zum umstrittenen Nachkriegs-Tagebuch „Anonyma: Eine Frau in Berlin“, das vom Einzug der Roten Armee in Berlin 1945 und von Vergewaltigungen berichtet, hat der Schriftsteller Walter Kempowski im Auftrag des Eichborn Verlags ein Gutachten erstellt. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte den Herausgebern vorgeworfen, die Autorschaft und die Editionslage zu verschleiern, weil in das Manuskript nachträglich bedeutend eingegriffen worden sei.
Walter Kempowski, der durch sein „Echolot“-Projekt über viel Erfahrung mit Tagebuchmanuskripten verfügt, bestätigt in dem Gutachten nun die Echtheit des Manuskriptes und der maschinenschriftlichen Druckvorlage. Diese „tragen alle Merkmale des Authentischen“, so Kempowski. Im Übrigen weise das Vorwort hinreichend auf die Abweichungen der Druckvorlage vom Manuskript hin. Der Eichborn Verlag teilte auf Anfrage mit, dass mit diesem unabhängigen Gutachten der „Fall erledigt“ sei. Das journalistische Misstrauen sei bei solchen Dokumenten prinzipiell berechtigt, die Vorwürfe der „Süddeutschen Zeitung“ seien jedoch unausgegoren gewesen.
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