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Gerhard Beckmanns Meinung – Deutscher Bücherpreis 2004: Da waren’s nur noch vier

Auf geht’s: Bis zum 11. September können alle im Börsenverein organisierten Buchhandlungen ihre aktuellen Favoriten für den Deutschen Bücherpreis 2004 vorschlagen.

Die diesbezügliche Pressemitteilung des Börsenvereins enthält gleich im ersten Absatz die Nachricht über eine Verschlankung. Drei der bisher sieben Preiskategorien entfallen. Für Biographien, Internationale Belletristik und Ratgeber wird es keinen eigenen Auftritt mehr geben. „Die bisherigen sieben Nominierungsbereiche werden in vier Kategorien zusammengefasst“, heißt es wörtlich.

Nun kann weniger bekanntlich mehr sein. Vielleicht waren sieben Kategorien ja wirklich des Guten zu viel. Ein paar Fragen möchte man dem Vorstand des Börsenvereins, der die Entscheidung getroffen hat, aber schon stellen; denn wenn, was an sich schön ist. Dinge zusammengefasst werden, fallen konkret, und das ist möglicherweise weniger schön, auch Dinge unter den Tisch.

So könnte der Beschluss, für den Deutschen Bücherpreis nur noch eine generelle Belletristik-Kategorie auszuloben, beispielsweise da führen, dass es 2004 keinen Deutschen Bücherpreis für den Roman eines deutschsprachigen Autors geben wird. Was nicht nur ich schade finden würden: Und doch auch ein wenig merkwürdig scheinen würde: Ein Deutscher Bücherpreis ohne deutschsprachige Belletristik?

Aber es gibt doch noch einen Debütpreis, und der ist nun mal deutschsprachigen Autoren bzw. Autorinnen vorbehalten, wird man dagegen halten. Gewiss. Doch andererseits: Wird das deutsche Lesepublikum, das ja mit diesem Preis in seiner Breite angesprochen werden soll, sich mit dem Erstlingswerk eines unbekannten neuen Autors identifizieren, wird es darauf ansprechen können?

Zweitens. Literaturpreise sind Glamoursache, und Ratgeber entfalten, worüber niemand so große Klage erhebt wie die Ratgeberverleger, in der Regel nur einen recht bescheidenen Glamour. Die Ratgeber machen jedoch, wenn man Michael Wieser folgt (siehe BM 7/03) fast die Hälfte des Sortimentsumsatzes aus – und damit summa summarum den größten Teil der Kundeninteressen und –wünsche. Ist es da nicht – zumal sich mit dem Deutschen Bücherpreis die Voten des Buchhandels verbinden – ein wenig seltsam und weltfremd, die Kategorie „Ratgeber“ zu eliminieren?

Aber, aber, wird man nun im Börsenverein sagen: Ratgeber können doch in der Kategorie „Sachbuch“ prämiert werden! Ich meine: Wir werden wahrscheinlich bis zum Jüngsten Tag warten müssen (wenn jeder Ratgeber zu spät kommt), bis in Deutschland in der Kategorie „Sachbuch“ ein Ratgeber preisgekrönt wird.

Die Kategorienverschlankung geht angeblich auf Wünsche von Medien und Buchhandel zurück.

Die Medien? – Das wird vermutlich der MDR gewesen sein, der die Gala-Show zur Verleihung des Deutschen Bücherpreises bisher eher schlecht als recht in den Griff bekommen hat, also etwas überfordert war.

Der Buchhandel? Sind Sie, liebe Buchhändlerinnen und Buchhändler, wirklich laut und vernehmlich beim Börsenverein vorstellig geworden, damit die Preiskategorien für den Deutschen Bücherpreis von sieben auf vier reduziert werden?

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

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