Lange Zeit herrschte Funkstille in München. Seit heute ist etwas klarer, wie die Zukunft der Verlage Urban & Fischer, Spektrum Akademischer Verlag, der medizinischen Versandbuchhandlung Rothacker sowie des Servicecenter Fachverlage, SFG aussehen wird. Seit der Übernahme durch Elsevier, einen der weltweit führenden internationalen Wissenschaftsverlage (Jahresumsatz im STM-Markt 2002 ca. 2 Milliarden Euro) Anfang des Jahres [mehr…] war zur künftigen Strategie wenig zu hören, während hinter den Kulissen um so intensiver gearbeitet wurde.
Auf einer Pressekonferenz heute in München äußerte sich nun Derk Haank, Elsevier Vorstandsvorsitzender, zu den Deutschland-Plänen.
Die gute Nachricht vorweg: Alle Standorte und Arbeitsplätze der Unternehmen, die 2002 einen Gesamtumsatz von 57 Millionen Euro verbuchten, sollen nach aktuellen Plänen erhalten bleiben.
Geschäftsführerin der noch zu gründenden Elsevier GmbH i.G. in Deutschland ist mit Wirkung zum 1. Mai 2003 Angelika Lex. Lex, die vor 15 Jahren ihre Karriere bei Elsevier begann, wird die Gesamtleitung des Managements inne haben, das aus zwei Funktionen mit Geschäftsführer-Status bestehen wird: Verkauf, Marketing und Online sowie der Bereich Publishing, der für bestehende Produktlinien und Produktneuentwicklungen zuständig ist.
Verantwortlich für den Bereich Publishing wird Klaske Piebenga sein, der kaufmännische Bereich fällt Bart de Beer zu. Detlef Büttner, zuvor Geschäftsführer bei Urban & Fischer und Spektrum Akademischer Verlag ist ab sofort Geschäftsführer für den Bereich Verkauf, Marketing und Online. Die logistische Verantwortung für die gesamte Gruppe wird bei Martin Ludwig liegen, bisher Geschäftsführer der SFG.
Klare Kampfansage vor allem an die großen Konkurrenten Thieme und Springer: Bis 2008 will Elsevier auf dem deutschsprachigen STM-Markt „eine führende Marktposition“ einnehmen, wobei von einem jährlichen Zuwachs in deutschsprachigen Gesamtmärkten (sprich Deutschland, Österreich und Schweiz) von 3-5 Prozent ausgegangen wird. Da dürfte in den Verlagen künftig ein deutlicher schärferer Wind wehen, was sich auch nach Aussagen von Insidern in den ersten Monaten dieses Jahres bereits angedeutet hat.
Größere Akquistionen, so war zu hören, sind in naher Zukunft nicht geplant, nicht auszuschließen sei jedoch, dass erkennbare kleinere Lücken im Programm durch kleinere Zukäufe geschlossen werden.
Die Wachstumsgrundlage wird mit der Ausschöpfung des Synergiepotentials der vielseitigen Verlagsangebote zwischen Elsevier und den deutschen Verlagen gelegt. Die Integration des englischsprachigen Elsevier-Portfolios, sowohl Fachzeit-schriften als auch Bücher, in das Angebot der deutschen Verlage, und vice versa die Erweiterung der Absatzmärkte von U&F/SAV-Produkten durch Nutzung des Elsevier-Vertriebsnetzes stehen im Mittelpunkt der Integrationsmaßnahmen. Erfolgreiche Produkte aus dem internationalen STM-Angebot Elseviers werden künftig auch in Deutschland zugänglich sein. Insbesondere der Ausbau des Online-Geschäftes im deutschen Markt hat hohe Priorität. Dabei sollen die rund 60 Fachzeitschriften, die U&F derzeit vertreibt, künftig auch über das Online-Portal ScienceDirect zugänglich sein. Die Einführung von in Deutschland neuen Produkten, die in anderen Ländern erfolgreich sind, wie z.B. Fach- und Lehrbücher sowie interaktive Programme, bietet weiteres Potenzial für Wachstum.
Verändern wird auch der Markenauftritt, das Elsevier Logo wird bis 2005 auch auf allen deutschsprachigen Veröffentlichungen zu finden sein. Die Dachmarke Elsevier wird zum Teil in Kombination mit den Verlagsnamen Urban & Fischer und Spektrum Akademischer Verlag geführt. Marketing und Werbung, die auf die Sicherung bestehender und Erschließung neuer Kundengruppen ausgerichtet sind, werden künftig unter der Elsevier-Dachmarke erfolgen. Es gibt eine Reihe von Kundengruppen, denen Elsevier seine be-sondere Aufmerksamkeit widmen will: Die verschiedenen Berufs-gruppen im STM-Bereich, die wissenschaftlichen Bibliotheken und Forschungseinrichtungen sowie die pharmazeutische Industrie. Für letztere wird Elsevier ein Reihe von ausbaufähigen Dienstleistungen anbieten.