
Ein bisschen was von Sonnenkönig war immer dabei, wenn Peter Weidhaas über die Frankfurter Buchmesse schritt. In 26 Jahren als Messedirektor war er mit seinem imposanten Äußeren selbst zum Markenzeichen geworden – gekannt und respektiert von Verlegern in aller Welt. Dieser Respekt gründet sich auf eine eindrucksvolle Bilanz: Zwischen 1974, dem Jahr seines Amtsantritts, und 2000, dem Jahr seines Ausscheidens, wuchs die Frankfurter Buchmesse in schier unermessliche Dimensionen – doppelt so viele Besucher, dreimal so viele Aussteller, viermal soviel Ausstellungsfläche schlugen bei seinem Abschied zu Buche.
Weidhaas wurde am 25.2.1938 in Berlin geboren, wuchs in Braunau am Inn auf und absolvierte nach einigen Wanderjahren ab 1960 eine Buchhändlerlehre in der Braunschen Buchhandlung in Duisburg. Nach einem Intermezzo in der Schweiz wurde er Leiter einer Buchbinderei in Kopenhagen – eine Stelle, die er nach eigenen Worten aufgab, „weil der Besitzer sein Töchterchen allzu schöne Augen machen hieß.“ Als kurzfristiges Asyl bot sich der Stuttgarter Thieme-Verlag an, wo er in der Herstellung arbeitete. Sigfried Taubert holte den damals schon weit gereisten Peter Weidhaas 1968 zur Ausstellungs- und Messe-Gmbh und machte ihn zum Leiter der Internationalen Abteilung. In dieser Position schuf er die Grundlage für die intensiven Beziehungen zu den ausländischen Verlagen, die später bei dem immensen Wachstum der Frankfurter Buchmesse zu Buche schlugen.
Neben dem quantitativen Wachstum der Messe ist mit Weidhaas‘ Namen vor allem ein Qualitätssprung inhaltlicher Art verbunden: Mit Lateinamerika begann der Reigen der Gastländer, die Buchmesse entwickelte sich zum Forum für literarische und politische Debatten, das weltweit seinesgleichen sucht. Sein Engagement besonders für die Kulturen der südlichen Hemisphäre fand schließlich auch Ausdruck in der „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika“, die seit 1980 die Übersetzung von vielen hundert Büchern aus diesen Weltregionen ermöglicht hat und damit in Deutschland das Fenster geöffnet hat für eine bessere Kenntnis der Welt.
Seit seinem Rücktritt als Chef der Buchmesse hat Weidhaas das Geschehen weiterhin aktiv verfolgt. Erst im vergangenen Jahr wurde er zum Präsidenten des neu gegründeten Verbands der internationalen Buchmessendirektoren gewählt. Auch die gegenwärtige Auseinandersetzung um den Standort der Frankfurter Buchmesse verfolgt der nun 65-Jährige jetzt intensiv: Sofort nach Bekanntwerden der Umzugspläne versicherte er seinem Nach-Nachfolger Volker Neumann seine uneingeschränkte Unterstützung.
HOLGER EHLING