Zur Kritik über den Corine-Buchpreis, die in den vergangenen Tagen u.a. in der FAZ geäußert wurde, nimmt Dr. Ulrich Wechsler, Kuratorium Corine, Stellung:
Die Titanic geht unter, doch die Kapelle spielt weiter. Daran werde ich erinnert, wenn ich manche Kritik über den Corine-Buchpreis lese. Wer im Elfenbeinturm der literarischen Kritik und des intellektuellen Vorurteils sitzt, merkt wohl gar nicht, wenn die Fundamente wegbrechen. Tatsache ist, dass inzwischen weniger, seltener, oberflächlicher und kürzer gelesen wird (siehe dazu die neueste Studie der Stiftung Lesen). Das mag jenen egal sein, die nur auf elitäre Minderheiten schauen. Verleger, Buchhändler und die Gesellschaft insgesamt muss dies aber sehr wohl interessieren, weil Kultur- und Medienkompetenz letztlich auf der Sprach- und Lesefähigkeit basieren. Wenn inzwischen fast 50 Prozent der Bevölkerung Schwierigkeiten im Umgang mit Texten haben, dann ist dies kein gutes Bild der sogenannten Wissensgesellschaft.
Hier setzt nun der Corine-Buchpreis an, indem er mittels einer Fernsehshow Interesse und Freude am Buch und am Lesen wecken will. Corine ist eben nicht der 751. Literaturpreis, sondern der erste große Preis für Buch- und Leseförderung. Wer Literatur bewahren und fördern will, muss in Zeiten wie diesen die Grundlage dafür sichern. Der hohe Olymp der literarischen Kritik kann dafür nicht der Maßstab sein. Intellektuelle tun sich offensichtlich manchmal schwer, diese Zusammenhänge zu erkennen. Dabei bedeutet Intellekt doch Einsicht.
Nebenbei: Die exaltierte Kritik in der FAZ hat mich sehr amüsiert; sie verfehlt das Thema ganz exakt und bestärkt mich in der Auffassung, dass die Corine auf dem richtigen Weg ist.