Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Jedes Buch ist ein Risiko“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „‚Mein Charakter ist schlecht'“: Der Lektor und Publizist Walter Boehlichnahm in seinen unterhaltsam scharfen Briefen kein Blatt vor den Mund, ob er nun Philosophen, Verlegern oder Polizeipräsidenten schrieb: Ein Vorabdruck.
    Am 14. September erscheint Walter Boehlich, „Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen“. Briefe 1944 bis 2000 (hrsg. von Christoph Kapp und Wolfgang Schopf; Verlag Schöffling & Co.)

Das Politische Buch

  • „Jüdische Odyssee“: Mikhal Dekel erzählt die bewegende Geschichte ihres Vaters auf der Flucht vor dem Holocaust, die von Polen über Usbekistan und Iran führte. Eine Spurensuche zu Antisemitismus und Solidarität. „Wer ein solches Leid, die Zwangsarbeit, den Hunger, die Trennung der Familie, den Verlust des alten Lebens erlebt und überlebt hat, der hat etwas geteilt, zu dem andere keinen Zugang haben können. Dekel hat ihrem Vater ein würdiges literarisches Denkmal gesetzt, dem man zahlreiche Leserinnen und Leser wünscht.“
    Mikhal Dekel, Die Kinder von Teheran. Eine lange Flucht vor dem Holocaust (mit einem Nachwort von Aleida Assmann, aus dem Englischen von Tobias Gabel; wbg Theiss)
  • „House of Milchglas“: Der Abgeordnete Marco Bülow wettert gegen Politlobbyismus. „Es geht ihm nicht nur um das Lobbyieren der Industrie und Wirtschaft bei den Abgeordneten (wie der Buchtitel suggeriert), sondern um die ‚Entfremdung‘ der Wähler von den Gewählten insgesamt, einer Kombination aus Profitlobbyismus, Fraktionszwang und Konzentration auf Parteien, die das Parlament entwertet. Alles gut unterfüttert mit Post-Demokratie-Modellen und wissenschaftlicher Literatur.“
    Marco Bülow, Lobbyland. Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft (Verlag Das Neue Berlin)
  • „Die Karlsruher Welt ist nicht genug“: Andreas Voßkuhles Vorträge machen klar, wie das Verfassungsgericht in seiner Amtszeit nach Europa ausgriff – und politisch wurde. „Ein Reader zur Ära Voßkuhle, wenn man so will: Man schreitet mit dem Autor durch seine Amtszeit, denn die Texte sind verschriftlichte Vorträge, welche die zeitliche Perspektive beibehalten und nur durch Fußnoten aktualisiert wurden.“
    Andreas Voßkuhle, Europa, Demokratie, Verfassungsgerichte (Suhrkamp-Verlag)
  • „Vom Dilemma der SPD“: Lesenswerte Aufsätze über soziale Demokratie. „Dennoch ist diese Tour d’Horizon nicht nur für Geschichtsinteressierte lesenswert. Bestenfalls leitet sie eine Renaissance ein, schlimmstenfalls belegt sie, was Deutschland an der Sozialdemokratie gehabt haben wird.“
    Thomas Meyer (Hg.), Soziale Demokratie. Wege und Ziele (J.H.W. Dietz)

Im Wirtschaftsteil: „Jedes Buch ist ein Risiko“ – Julia Bielenberg, verlegerische Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Oetinger, erzählt im Montagsinterview, „wie wichtig Astrid Lindgren noch für den Oetinger-Verlag ist, ob in Kinderbüchern künftig gegendert wird, und warum sie nicht auf Amazon verzichten kann“.

  • „Sie nervt ihn, sie langweilt ihn“: Erfahrungen eines schönen Mädchens, ein feministischer, keineswegs veralteter 60er-Jahre-Roman von Alix Kates Shulman. „Alix Kates Shulmans „Erfahrungen eines schönen Mädchens“ im Jahr 2021 zu lesen, als Frau, die rund zwei Jahrzehnte nach der Roman-Sasha aufgewachsen ist, weckt ganz unterschiedliche, ja entgegengesetzte Gefühle. Zum einen die Freude darüber, dass vieles nicht mehr ist wie hier geschildert, darüber, was die Frauenbewegung seit den 60er Jahren erreicht hat, jedenfalls im Westen. Zum anderen das Erschrecken, wie der Gleichberechtigungs-Zug doch am Ende im Schneckentempo unterwegs ist – und er manchmal zurückrollt, in diesem Jahr schneller und schneller.“
    Alix Kates Shulman, Erfahrungen eines schönen Mädchens (aus dem Englischen von Sabine Kray; Arche)
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