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Modellprojekt lotet neue Leseveranstaltungsformate aus

Bei der Auftaktkonferenz für Kontext (Foto: Silviu Guiman)

Im Modellprojekt „Kontext – Literatur veranstalten“, konzipiert vom Verein Unabhängige Lesereihen und der Kulturstiftung des Bundes, sollen bis 2028 neue, experimentelle Veranstaltungsformate entstehen, um Gegenwartsliteratur neu und anders zu präsentieren.

Dafür hat ein kuratorisches Team acht Formatideen von Lesereihen ausgewählt, die in den kommenden Monaten bundesweit erprobt werden. Alle Ideen verfolgen einen künstlerisch-ästhetischen Ansatz und werden auch über das Netzwerk der Unabhängigen Lesereihen hinaus in die Literaturszene hineingetragen. Das Projekt wird von der Kulturstiftung des Bundes mit 600.000 Euro gefördert.

„Innerhalb des Projektes entwickeln und erproben wir gemeinsam mit Lesereihen Veranstaltungsformate, die zukünftig in die Branche getragen werden sollen, um sich dort etablieren zu können. Das bedeutet, dass die Formate von Orten der Kulturvermittlung über den Projektzeitraum hinaus adaptiert und etabliert werden sollen. Bewerben können sich Buchhandlungen in dem Sinne nicht, aber evtl. ergeben sich Kooperationen und wir gehen gerne mit Buchhandlungen ins Gespräch, wenn es Interesse an der Übernahme von Formaten gibt“, erläutert Zina Rupp vom Team weiterführend.

Die ausgewählten Formate im Überblick

 * „Ausgepackt [3]“ lädt Autor*innen und ihr Publikum dazu ein, ein zuvor auf den Text hin kuratiertes Paket voller
Gesprächsmöglichkeiten, Spiele und Requisiten live auf der Bühne auszupacken. So entstehen experimentelle, kollaborative Literaturabende ohne klassische Moderation. Konzept und Erprobung in Hannover und Münster durch Nitay Feigenbaum für die Lesereihe „Irgendwie 248 Sachen”.

* „bitte -setzen! : Dichten in 4D [4]“ ist ein intermediales Veranstaltungsformat, bei dem die Transformation eines lyrischen Texts und einer weiteren künstlerischen Arbeit nach einem spezifischen „Setzungs”-Prinzip, etwa der Übersetzung oder der Zersetzung, in die jeweils andere Disziplin stattfindet. Es entstehen transmediale Arbeiten in Sound, Performance, Raum oder Bild, die Literatur als offenen, inklusiven und vielstimmigen Erfahrungsraum erlebbar machen. Konzept und Erprobung in Berlin durch Manuel Irmey, Julia Dorsch und Eliana Kirkcaldy für die Lesereihe „textOUR”.
* „brave as poetry [5]“ ist ein performatives Lyrikformat, das Gedichte mit theatralen Mitteln in den Raum bringt.
Gesellschaftspolitische Themen bilden die Ausgangspunkte für die Tandemfindung von Lyriker:innen und Regisseur:innen, und es entstehen darüber neue Zugänge zu zeitgenössischer Lyrik. Konzept und Erprobung
in München durch Jan Geiger und Theresa Seraphin für die Lesereihe „GLITSH – Reihe für performative Texte”.

* „Die andere Lesung [6]“ ist ein offenes, fluides Literaturformat, das künstlerischliterarische Beiträge mit gemeinschaftlichem Essen verbindet. In entspannter Atmosphäre entsteht ein Raum für niederschwellige Begegnungen, Gespräche, Übersetzungen und Lesarten. Konzept und Erprobung in Hamburg und Sittensen durch Jonis Hartmann und Ayna Steigerwald für die Lesereihe „i’m growing fur” gemeinsam mit Annika Dorau für das Literaturzentrum Hamburg.
* „Flux Sessions [7]“ verbindet Kunstformen, die mit Klang arbeiten – wie Lyrik, Sound Poetry und Musik – in improvisierten Live-Sessions. Durch kollektive Prozesse und die aktive Einbindung des Publikums entstehen offene, inklusive Erfahrungsräume zwischen Avantgarde und Soziokultur. Konzept und Erprobung in der Lausitz und in Freiburg im Breisgau durch Anne Munka und Jan F. Kurth für die Lesereihe „Lyrik ist Happening”.

* „i speak as a twin [8]“ verlagert Poesie in urbane Alltagsräume. Es begreift Spätis als informelle, mehrsprachige soziale Räume, in denen keine strenge räumliche Trennung zwischen Performenden und Publikum besteht. Durch offene Moderation und fließende Interaktionen entstehen hybride Formen zwischen Lesung und performativer Intervention. Konzept und Erprobung in Berlin durch Magdalena Filkova und Yessica Klein für die Lesereihe „OPEN Späti”.

* „Literaturwaende [9]“ verbindet Schreibworkshops mit künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum. In Zusammenarbeit bespielen Autor:innen und bildende Künstler:innen diesen visuell und mehrsprachig mit Texten an Wänden, Plätzen oder Objekten und machen damit Literatur als kollektive, räumliche und alltägliche Erfahrung
sichtbar. Konzept und Erprobung in Leipzig durch Olav Amende, Jascha Riesselmann und Özlem Özgül Dündar für die Lesereihe „Literaturwaende”.

* „zwischen/raum [10]“ ist ein inklusives Lesungsformat in Einfacher Sprache in den Lebensräumen von Menschen insbesondere mit kognitiven Beeinträchtigungen. Gemeinsam mit den Zielgruppen entwickelt es niedrigschwellige Lesesituationen und verhandelt Literatur in Einfacher Sprache als Ausgangspunkt ästhetischer Erfahrungsräume. Konzept und Erprobung in Stuttgart durch Stephanie Hofmann und Lotta Mayer für die Lesereihe „zwischen/miete Stuttgart”.

Zum Hintergrund

Das überregionale Netzwerk der Unabhängigen Lesereihen ist als größter und einziger Dachverband freier Literaturveranstaltender im deutschsprachigen Raum eine wichtige Anlaufstelle für neue Literatur. Die Initiative vereint aktuell rund 50 Lesereihen in der DACH-Region, davon rund 40 Lesereihen in Deutschland, die über zehn Bundesländer verteilt sind, und setzt sich für die gesamte Bandbreite literarischer Erscheinungsformen ein.

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