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Kritik an Aus für „Lesestart 1–2–3“ wächst

Die Entscheidung des Bundesministeriums für Bildung und Familie, die finanzielle Förderung des Programms „Lesestart 1–2–3“ zum Jahresende auslaufen zu lassen, stößt in der Buch- und Bildungsbranche auf breite Kritik. Sowohl die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) als auch die Kinderbuchverlage der Bonnier-Gruppe und der Bundesverband Leseförderung warnen vor den Folgen für die frühkindliche Sprach- und Leseförderung.

Das von der Stiftung Lesen seit 2011 bundesweit umgesetzte Programm richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von ein bis drei Jahren. Über kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen erhalten Familien Lesestart-Taschen mit altersgerechten Büchern und Informationen zum Vorlesen. Nach Angaben der Unterstützerinnen und Unterstützer erreicht das Angebot damit auch Familien, die bislang nur wenig Berührung mit Büchern und Leseförderung haben.

Die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen bezeichnet die geplante Einstellung als „fatales Signal“. Sie verweist auf den kürzlich veröffentlichten Bildungsbericht der Bundesregierung, der erneut auf frühe Bildungsungleichheiten aufmerksam macht. Leseförderung beginne lange vor dem Schuleintritt und sei eine zentrale Voraussetzung für Chancengerechtigkeit, Integration und gesellschaftliche Teilhabe.

„Wir brauchen mehr Investitionen in frühe Leseförderung, nicht weniger“, heißt es in einer Stellungnahme von Vorstand und Beirat der avj. Wer an dieser Stelle spare, riskiere langfristig deutlich höhere gesellschaftliche Kosten und verschenke die Potenziale einer ganzen Generation.

Auch die Kinderbuchverlage der Bonnier-Gruppe – darunter Carlsen, arsEdition und Thienemann-Esslinger – kritisieren die Entscheidung deutlich. Das Aus des Programms sei ein „verheerendes Signal“. Kein anderes Förderprogramm setze so früh an wie „Lesestart 1–2–3“. Zahlreiche Studien belegten, dass Kinder, die bereits früh mit Büchern und Vorlesen in Berührung kommen, später bessere Voraussetzungen für den Erwerb von Lese- und Lernkompetenzen mitbringen.

Nach Angaben der Stiftung Lesen beläuft sich der Finanzierungsbedarf des Programms auf rund 2,5 Millionen Euro pro Jahrgang. Die Verlage sehen die Einstellung der Förderung deshalb auch als Rückschlag für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit.

Ähnlich argumentiert der Bundesverband Leseförderung. Das Recht auf Lesen beginne lange vor dem eigentlichen Lesenlernen, betont der Verband. „Lesestart 1–2–3“ erreiche Familien dort, wo nahezu alle Kinder erreicht werden könnten: bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. „Kein anderes Angebot erreicht Familien so früh und so flächendeckend“, heißt es in der Stellungnahme.

Mit Blick auf aktuelle Bildungsstudien, die sinkende Leseleistungen und wachsende Bildungsungleichheiten dokumentieren, sei das Auslaufen des Programms besonders problematisch. Der Verband fordert deshalb weiterhin verlässliche, niedrigschwellige und bundesweit verfügbare Angebote der frühen Leseförderung.

Gemeinsam ist allen Stellungnahmen die Forderung nach einer langfristigen Strategie für die frühe Leseförderung. Die Verbände und Verlage appellieren an die Politik, die Entscheidung noch einmal zu überprüfen und gemeinsam mit den Akteuren aus Buchbranche, Bildung und Zivilgesellschaft Perspektiven für eine Fortführung des Programms zu entwickeln.

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