
Liebe Freunde,
ich denke, dass Einstein eine ganze Buchmesse am Stück mitgemacht hat, um zu erkennen, dass Raumzeit nicht linear ist. Diese Mischung aus sehr viel Stress in hoher Dichte bei gleichzeitigem Stillstehen der Zeit, die zum Schluss in einem Big Crunch implodiert, während man übergangslos wieder in sein vorheriges Leben hinaus explodiert – und das soll ohne Folgen bleiben für die Gesundheit und das Universum?
Ja und Nein.
Das Universum ist nach jeder Buchmesse wieder exakt nicht einen einzigen Schritt weiter, aber wir sind in dieser Zeit durch etliche Welten gereist. Und ich bin wieder ein halbes Jahr älter geworden.
(Ich altere den Rest der Zeit nicht. Aber zu jeder Buchmesse immer gleich ein halbes Jahr auf einmal.)
Was einem halt so durch den Kopf geht, wenn man in der Lobby seinen Rückreiseantritt abwartet.

…aber bekanntermaßen habe ich eine große Schwäche für Fotobomben.

Gut, Einstein bringt uns nicht weiter; ich bin völlig ausgebrannt vor lauter Selfies, äh, Journalismus. Der liebe Kollege Matthias Koeffler von Langendorfs Dienst hat diese Messe so schön in Wörter gefasst, dass es eigentlich schon Worte sind.
Und er hat mir erlaubt, sie abzumalen:
„Die Leipziger Buchmesse ist Voll-Speed gestartet. Mit Schlangen, vollen Ständen und voller Messebuchhandlung innerhalb von kurzer Zeit. Als ob die Leute am Verhungern wären. Junge Leser, die aber etwas anderes suchen, als wir Alten uns das wünschen. Ich werde noch im Gespräch sagen: Das ging unseren Eltern so, als wir Micky Maus lasen. Es wird eine andere Branche werden. Aber es wird Branche bleiben. Denn es wird neue Verlage mit verrückten Namen geben, Autorinnen, die einen Stand für ein oder zwei Bücher mieten. Und einer oder eine von beiden wird der Player von morgen sein.“

Danke, Matthias Koeffler, und wie schade, dass wir uns nicht über den Weg gelaufen sind.
He! Was ist denn da zwischen meine Fotos geraten?

Maren Ongsiek vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist also schwerst tomatenabhängig, und Renate Nolte (ehemals Vereinigung Evangelischer Buchhändler) scheint sie hier immer mit Stoff zu versorgen.
Ich habe Fragen.
Man kann das bei Rewe kaufen. Wieso braucht man für Kirschtomaten extra einen Dealer?
Zweitens: Offensichtlich hat Frau Ongsiek ein Problem mit Tomatenmissbrauch. Wird denn für eine Intervention Mozzarella empfohlen?
Das Frühlingstraumspiel kam sehr, sehr gut bei Ihnen an, und Sie wollten gerne noch ein paar dieser Karten sehen.




Das wäre dann wohl dieses:

…was mich endlich zum ersten großen Thema bringt!
CosPlay und Halle Eins
Das CosPlay findet auf der ganzen Messe statt, aber die Glashalle ist quasi die Blumenwiese und Halle Eins der Bienenstock. Mit meinen Öhrchen kann ich nicht nur besser hören, sondern mich dort frei und unbemerkt bewegen, als wäre ich einer von ihnen!

Ich präsentiere Ihnen die schönsten Kostüme und Ausstellungsstücke.
Oder sagen wir, meinem Katja-Burkard-haften Alter entsprechend: die schönsten, die ich noch erkennen kann.







(Jetzt sagen Sie bloß, Sie kennen Helfende Elfen nicht?)




(oder, in anderen Worten, #Ohrwurmtag: Highway to the Danger Zone.)


…die beiden haben eine halbe Stunde lang versucht, einen Pappbecher in den Papierkorb zu werfen.
Hier ein anderes Franchise: Dr. Jones!

Als CosPlayer und als Kuscheltier:


Und was zur Hölle auch immer das hier sein soll:

(Im Zweifelsfall einfach nochmal Highway to the Danger Zone abspielen.)
Hier sind zwei Fälle von „cooles Kostüm, aber zu junger Träger“:
Ich freue mich sehr, dass dieser Zehnjährige als Rick Sanchez gekommen ist!

Und natürlich eine der besten Dead-Pool-Varianten:

(Das macht es aber auch nicht besser.)
Mehr Konzept als Kostüm, aber es funktioniert!

Und das waren meine Kostümschnappschüsse. Auf dem Rausweg denke ich noch:

Packt mir noch Tim Curry dazu, und wir haben einen Deal.

Marshall aus der Hölle statt aus der Paw Patrol:

(Eigentlich sieht der so aus:)

Und natürlich finde ich auf 20.000 m² Rotz immer noch den einen Artikel, den ich unbedingt haben muss:

Virtuelle Orte
Die ganze Messe ist ja ein virtueller Ort, sonst wäre sie nur eine Halle. Ein Messestand genauso: Er ist Tisch und Wand, aber er ist auch Aussteller.
Manche haben keinen Stand, aber sind trotzdem da! Die eBuch-Genossenschaft war beim Partner Libri anzutreffen, die Büchergilde ist in der Bahnhofsbuchhandlung Ludwig untergekommen, und 360° gastiert an Bodo Horn-Rumolds neuem Stand Ravenport.

Moderator Günter Berg und Büchergilde-Chef Alexander Elspas präsentieren ein ansprechendes Abendprogramm und holen die Messe an den Bahnhof.

Es wurden aber auch Räume vergrößert, angebaut, neu geschaffen, Signierbereiche, Themenbereiche, Zielgruppenbereiche:


Der Jugendcampus UVERSE mit großem Kreativ- und Info-Angebot, weiträumiger, deutlicher Trennung vom erwachsenen Bereich und Sitzsack-Areal:


Die Audiowelt ist als neue Bündelung der zahlreichen Hörbuchverlage ebenfalls als Pausenbereich, Hörstation und Klammer der angeschlossenen Stände gedacht:

Der Verbrecher-Verlag hat einen schwarzen Stand, da ist Understatement Programm.

Letztes Interview dieser Messe: Tahsim Durgun
Grimmepreisträger, Content Creator und Deutschlehrer Tahsim Durgun packt aus und nimmt uns mit in die Stationen seines Lebens als Kind türkischer Einwanderer. Biographien aus der Migration sind mehr als nur Umzugskisten. Vor allem: Die meisten, die über Migration reden, sind weiße Deutsche. Hören wir am Stand von Droemer Knaur doch mal einem zu, wie er mit seiner Mama über seine Identität und seine Probleme spricht.

BuchMarkt: Dein Buch richtet sich an jedes politische Lager, aber es ist ja eigentlich für deine Mama geschrieben?
Tahsim Durgun: Ich glaube, das sind zwei Geschichten mit zwei Adressaten, die koexistieren. Beim Lesen kommt die Ausrichtung auf meine Mutter zum Tragen. Aber übergeordnet ist natürlich auch der Appell an die Gesellschaft, den ich da einbetten möchte.
War das Absicht, oder wolltest du erst mal nur eines davon erreichen?
Das habe ich zuerst beim Schreiben gar nicht gemerkt, aber die beiden Themen sind so dicht beieinander, dass sich das ergeben hat.
Jede deiner Kapitelüberschriften ist eine einem grammatischen Phänomen gewidmet. Spielst du da mit dem Bild, das wir Deutschen von Ausländern haben?
Welches Bild meinst du genau?
Obwohl ich Ausländer bin, beherrsche ich eure Grammatik besser als ihr.
Darum geht es mir gar nicht. Wenn ich mich beim Schreiben an meine Mama richte, dann wäre es doch schön, wenn mit jedem Kapitel auch eine Grammatikregel nahe gebracht wird, wenn meine Mutter im Zuge dieses Buches dann tatsächlich Deutsch lernt. Aber das Schöne sind ja nicht die Grammatikregeln sondern die dazugehörigen Beispiele. Die kommen immer von meiner Mutter, d.h. am Ende ist sie sogar diejenige Person, die mir Deutsch beibringt.
Und nicht nur Deutsch, sondern auch Lebenserfahrung.
Genau.
Was sagt Mama über das Buch, auch wenn sie es nicht lesen kan?
Sie ist sehr, sehr stolz. Ich habe ja auch vorher schon viele andere Sachen gemacht, und das hat sie alles gar nicht so sehr interessiert, aber mit diesem Buch geht sie jetzt völlig mit. Sie will immer die neuesten Updates haben.
In der Art, wie du im Buch deine Geschwister disst, steckt ja nicht nur Distanz, wenn du sagst „mein elender Bruder“, oder dass Deine Schwester hässlich aussieht, wenn sie weint. Dann ist da ja auch eine verborgene Nähe drin und sehr viel Humor.
Ich glaube, das habe ich den Leserinnen und Lesern irgendwie geschuldet, weil sie das erwartet haben. Ich komme ja aus der Comedy mache Inhalte auf TikTok und Instagram, habe auch mit Böhmermann gearbeitet und so. In so einer flapsigen Stimmung kommt man erst mal leichter in ein Thema herein.
Beim Lesen hatte ich deine witzigen Schmähungen immer in Kanakisch in den Ohren– war das gewollt?
(Irritiert) …Nee …?
Dann ist das allein mein Problem in meinem Kopf?
(Lacht) ja.
Hätte deine Religionslehrerin sich besser auf zwei muslimische Kinder in der Grundschule vorbereiten sollen, bevor sie an ihnen christliche Fußwaschung exerziert?
Die Frau hat nichts falsch gemacht. Es war alles gut. Aber ich konnte mit dieser Geschichte zeigen, wie wenig Kinder über ihre eigene Religion wissen.

…und dann musste Tahsim Durgun ganz schnell zum Zug. Deutsche Pünktlichkeit, auch so ein Thema.
Nachzureichendes
Im Laufe einer Messe sammelt sich etwas an: Dinge, die noch nicht unterkamen, und Dinge, die noch auf Antwort warten.
Der Signierbereich in Halle 4 hat jedes Jahr dasselbe Problem. Zu fester Zeit und an festem Ort brennt sich die Mittagssonne durch das Oberlicht wie Goldfingers Laser durch die hodennahe Stahlplatte unter Sean Connery, und keiner kann in die Kamera gucken.

Nächstes Jahr einfach einen Meter weiter aufbauen.
Beim Börsenverein hatte ich ein Online-Interview gegeben! Das Pausengespräch von und mit Clara Seger hat noch kein Sendedatum auf der Site, aber ich halte ein niedliches Kätzchen in die Kamera, unter anderem!

Vom Sales Award habe ich noch zwei Fotos: Angelika Siebrands (eBuch) und Klaus Beckschulte (Börsenverein Bayern) führen durchs Programm und übergeben an die Laudatoren.

Der eine ist ein großstreckenradfahrender Buchbotschafter, und der andere ist der PR-Dynamo vom Oetinger-Verlag:

In der Halle aufgelesen irgendwann diese Woche:

Wieso sitzt Mirjam Mustonen bei Droemer anstatt bei Kiepenheuer? Transverlegerische, multilaterale Gespräche?

Weil ich Kai Meyer nicht erkannt hatte, habe ich mich einfach zu ihm an den Tisch gesetzt, ohne ihn zu fotografieren.


Nach oder vor stundenlangem Signiermarathon nehmen sich Stars manchmal noch die Zeit, mit den Verlags- und Presseleuten ohne das Gedrängel zu posieren. Hier gönnt sich Dr. Daniela Völker – wie auch ich am gestrigen Samstag – eine Pose mit Bela B, aber was ich – schon wieder einmal! – viel schöner finde, ist der kleine Junge rechts am Rand.


Ach ja, falls Sie Susanna Wengeler suchen…



Endlich war ich mal wieder bei Kunstmann! Die feinsinnigen, satirenahen Ästhetiker und Buchliebhaber hatten ein wenig Zeit und Platz für mich.

Euer kleiner Jahrmarktsaufsteller gefällt mir sehr, sehr gut.

Moritz Kirschner freut sich schon auf den Herbst, denn dann wird diese Lizenzausgabe endlich auf Deutsch vorliegen – ein ausuferndes, detailliertes, imposantes Kinderbuch wird Der fantastische Bus.

Moritz Kirschner ist übrigens großer Seyfried-Fan!

Eine Auflösung:
Der „Keimling“ kam mir nur winzig vor, weil die Proportion auf einem Menschenkopf so nicht stimmt!

Genau: Es handelt sich um das essbare Fuki-Blatt, das die Figuren aus Studio Ghiblis Totoro-Welt als Mütze / Dach / Schirm tragen.

Wir wissen zwar immer noch nicht den Verlag, aber das war natürlich einer in Halle 3.
Zum Geleit
Und das war die Leipziger Buchmesse 2025: Voller als sonst, noch lesedurstiger, noch mehr um die Jugend bemüht – und noch mehr von der Jugend gefordert. Vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich jetzt nur noch mit der baldsechzigjährigen Kata Burkard über Haftcreme und Vorsorgevollmachten reden darf.
Ich bedanke mich sehr bei meinen Helfern. Daniela Völker und ich sind seit Jahren Verbündete; Katja Schmidt ebenso bei Random House.

Und zu Maren Ongsiek muss ich nichts mehr sagen, dachte ich eigentlich. Aber dann tauchen diese Tomatenfotos auf, und alle reden über Tomatenmarkstransplantation. Aber falls Sie hier neu sind: Frau Ongsiek arbeitet hier seit Jahren als mein Katalysator. Katalysatongsiek, sozusagen. Sie ist der Löffel in der Suppe, die ich hier koche, und auch und gerade in dieser Saison schulde ich ihr mehr Dank, als man hier jemals sehen oder lesen kann.
Danke, Maren.
Auch die Schweiz, bekannt für ihre Neutralität, zählt zu meinen Verbündeten. Oliver Lange hat mir Schweizer Chips versprochen, und er hat geliefert.
Aber ich weiß nicht, was mir mehr Sorge macht:

Ich habe vergessen, den Mitarbeiter-Pin bei Penguin Random House wieder abzulegen.

Die nächste Messe kommt nämlich bestimmt, und wenn das meine Kaffeezufuhr optimieren hilft, dann sei es!
Usborne, ich hoffe, Ihr seid gut zuhause angekommen.

Vielleicht nehme ich auf der kommenden Messe mal wieder eine Abendveranstaltung mit. Die Moritzbastei, das Gewandhaus, das Branchenabendessen: Diese Messe endet täglich, aber sie endet niemals nur auf der Messe.

Allein: Wenn ich nicht abends zu schreiben beginne, wächst meine nächtliche Verspätung exponentiell, weil Verspätung sich in der Nacht ausdehnt.

Aber andererseits: Nachts kann ich prima zugucken, wie Leipzig geputzt wird für den nächsten Tag.

Auf mich wartet noch eine Heimreise im Auto, zusammen mit einer uralten Katze, die gerne Auto fährt und mein Gesicht nachahmt.



Danke für Ihr Interesse, fürs Anklicken, für Ihre Rückmeldungen und wertvollen Hinweise.
Danke für Ihre Unterstützung, Ihre Fotos und all Euer Speis und Trank.
Danke, eBuch eG, dass Ihr die BuchMarkt Media AG nicht zum Altglas gebracht habt. Es fühlt sich ein klein wenig verloren an, sich während der Buchmesse so ganz allein auf dieser Domain zu bewegen. Früher wuselten hier viele Redakteure herum. Es fühlte sich an wie eine Zeitung, nicht wie das Overlook-Hotel.
Zwei sind noch übrig, Franziska Altepost und Hanna Schönberg, so dass ich mit meinem Shining zweimal im Jahr doch noch immer ein Zuhause habe.
Und darüber haben sich auf dieser Messe wahnsinnig viele Leser und Leserinnen gefreut – die zumindest sind alle noch da draußen. Ich kann hier Klickzahlen sehen, als wäre von Zittwitz noch am Leben.
Hoffnung also!
Und die will ich an diese gebeutelte Branche gerne weitergeben:
Weitermachen.
Wir sehen uns im Oktober in Frankfurt!
Ihr und Euer
Matthias Mayer
Frühlingstraumspielkarte Nr. 5 von 5:

Sehr schöne Abschlussworte von der Leipziger Buchmesse.
Dankeschön!:)
Herzlichen Dank für deine wie immer wunderbar launige Kommentierung des Messegeschehens! Grüße an Stupsi von unseren sieben Sibirern und auf Wiedersehen in Frankfurt ;-)
Ach wie herrlich! Habe jeden Tag genossen: bessere bestes Infotainment geht nicht. Herzlichen Dank!