Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Dezember 2021

Uwe Kalkowski

Auch wenn es in vielerlei Hinsicht ein sehr seltsames Jahr war, ist der Dezember traditionell in vielen Literaturblogs der Monat der Leserückblicke, in denen diejenigen Bücher noch einmal vorgestellt werden, die besonderen Eindruck bei den jeweils Bloggenden hinterlassen haben. Das Spannende dabei: Diese Rückblicke fallen meist vollkommen unterschiedlich aus; zu verschieden sind die persönlichen Lesevorlieben. Und genau deshalb ist es reizvoll, sie zu lesen.

Als Beispiele seien genannt: Der Rückblick im Literaturblog Literarische Abenteuer von Sandra Falke, die 2021er-Lieblingsbücher von Marina Büttner im Blog Literatur leuchtet, die Sachbuch-Highlights von Petra Wiemann im Blog Elementares Lesen und meine eigene Jahres-Rückschau auf Kaffeehaussitzer.

In die andere Richtung schaut Petra Reich, die im Blog LiteraturReich wieder einen großartigen Ausblick auf die Frühjahrsnovitäten 2022 zusammengestellt hat – dieser Umfang ist in der Bloglandschaft einzigartig und bietet ein wunderbare Übersicht über den  kommenden Literatur-Frühling. Da wir gerade bei Vorschauen sind: Im Blog Crimealley gibt es eine interessante Auswahl an kommender Kriminalliteratur. Und im Blog Bücherbriefe einen Ausblick auf Werke der Phantastik im Frühjahr/Sommer 2022. Parallel dazu sei der Fantasy-Weblog empfohlen, in dem die besten Fantasy-Bücher des vergangenen Jahres vorgestellt werden.

In die Stadt der Städte führt uns Christoph Walter, der in seinem Literaturblog Buchbube den Band »Der Koloß von New York« von Colson Whitehead vorstellt, in dem der Autor in 13 Miniaturen von NYC und ihren Bewohnern erzählt.

Klappentexterin Simone Finkenwirth ist begeistert von der Atmosphäre des Romans »Reise durch ein fremdes Land« von David Park; ein Buch, das bei mir bereits zur Lektüre bereitliegt.

Bleisatz-Bloggerin Bettina Schnerr bringt mit dem Hashtag #Lesesofa auf Twitter regelmäßig literaturbegeisterte Menschen zusammen. In ihrem Blog berichtet sie darüber.

Im Blog von Dr. Alexandra Hildebrand wird unter dem Titel »Dichterhäuser statt Kreativlabs« der von Bodo Plachta und Achim Bednorz (Photos) verfasste Bildband »Dichterhäuser« vorgestellt.

Norman Weiß bespricht in seinem Blog notizhefte den Band »Februar 33 – Der Winter der Literatur« von Uwe Wittstock. Ein großartiges Buch, das für mich zu den wichtigsten Lektüren des vergangenen Jahres gehört.

Constanze Matthes schreibt in ihrem Blog Zeichen & Zeiten über ein Buch, das auch für mich ein wunderbares Leseerlebnis war: »Gesammelte Werke« von Lydia Sandgren; ein Roman, bei dem ich es sehr bedauerte, dass er nach 874 schon zu Ende war. Und im gleichen Blog habe ich die spannende Buchvorstellung des Himalaya-Reiseberichts von Erika Fatland gefunden. »Hoch oben« lautet der Titel und die Besprechung macht sehr neugierig auf das Buch.

Auf der Seite TraLaLit – dem einzigen Online-Magazin, dass sich ausschließlich mit dem Thema Literaturübersetzung beschäftigt – gibt es einen ausführlichen Beitrag über Gustave Flaubert auf Reisen. Anlass zu diesem Text war der 200. Geburtstag des Schriftstellers am 12. Dezember 2021.

Im Blog Kulturbowle stellt Barbara Pfeiffer den Roman »Die Schlange von Essex« von Sarah Perry vor. Eine wunderbar emotionale Buchbesprechung, die ich sehr empfehle.

Im Blog von Birgit Böllinger gibt es einen spannenden Gastbeitrag von Dr. Jürgen Neubauer über das mexikanische Exil des Autors Gustav Regler und seiner Frau Marieluise. Als kommunistischer Schriftsteller musste er vor den Nazis fliehen, kämpfte in Spanien gegen Franco (berühmt sein Roman »Das große Beispiel«, zu dem Ernest Hemingway das Vorwort beisteuerte) und landete schließlich in Mexiko. Große Leseempfehlung.

Zum Schluß noch etwas Schönes: Im Blog Finding Time to Write gibt es unter der Rubrik »Friday Fun« eine charmante Bildersammlung zum Thema »Winter-ready houses« – der ein oder andere Ort ist dabei, an dem man es sich wunderbar vorstellen könnte, mit genügend Büchern im Gepäck zu überwintern.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Start in das neue Jahr, das uns hoffentlich wieder ein Stück Normalität zurückbringen wird. Passen Sie auf sich auf.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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