
Der Sheikh Zayed Book Award wird bereits zum 20. Mal von den Vereinigten Arabischen Emiraten vergeben und soll Literatur aus dem arabischen Sprachraum zugänglicher machen. Mit Stefan Weidner wurde jetzt auch ein deutscher Akademiker, Arabist und Übersetzer in der Kategorie Arabische Kultur in anderen Sprachen ausgezeichnet.
Der Sheikh Zayed Book Award (SZBA) wird vom Abu Dhabi Arabic Language Centre unter der Schirmherrschaft der Abu Dhabi Kultur- und Tourismusabteilung organisiert und hat die Gewinner:innen in acht Kategorien bekannt gegeben.
Stefan Weidner wird für seine umfassende und zugleich gut lesbare Studie zur vorislamischen Poesie ausgezeichnet, während die irakisch-amerikanische Übersetzerin Nawal Nasrallah den Preis für ihre englische Übersetzung eines Kochbuchs aus dem 13. Jahrhundert erhält, das neue Einblicke in das kulinarische Leben von Al-Andalus liefert. Darüber hinaus ist der Preisträger der Kategorie Literatur, Ashraf Elashmawy, auch dem englischsprachigen Publikum bekannt, nachdem mehrere seiner Werke vom Verlag Hoopoe Press der American University in Kairo ins Englische übertragen wurden. Kulturelle Persönlichkeit des Jahres ist Nagat El Saghira (Ägypten), die zu den herausragendsten Gesangsstimmen der arabischen Welt zählt und eine der letzten lebenden Vertreter:innen der „goldenen Ära der arabischen Musik“ sei. Nachwuchsautor:in ist Mustafa Rajouane (Marokko), ein marokkanischer Literaturkritiker und aufstrebender Wissenschaftler mit Spezialisierung auf arabische Rhetorik, Narratologie und Argumentationsforschung, insbesondere im Bereich der rhetorischen Analyse des arabischen Romans. Der Preis für Literatur- und Kunstkritik geht an Zuhair Tawfiq (Jordanien), einen jordanischen Denker und Wissenschaftler, dessen Werk sich mit Fragen der Identität, der kulturellen Wahrnehmung und den Dynamiken der Repräsentation zwischen
Gesellschaften auseinandersetzt. Die Kategorie Manuskripte, Enzyklopädien und Lexika gewinnt Prof. Dr. Mohamed Othman ElKhosht (Ägypten) ist ein bedeutender ägyptischer Religionsphilosoph, akademischer Führer und öffentlicher Intellektueller, bekannt für seine Arbeiten zu zeitgenössischem islamischem Denken, religiöser Reform und der Philosophie des Zusammenlebens. Und die Kategorie Verlagswesen und Technologien bestreitet die Emirates Literature Foundation (Vereinigte Arabische Emirate), eine gemeinnützige,
nichtstaatliche Organisation, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in der gesamten Region
die Liebe zur Literatur durch ein vielfältiges Programm kultureller Initiativen fördert und pflegt.
Zu Stefan Weidner
Das Buch von Stefan Weidner, Der arabische Diwan: Die schönsten Gedichte aus vorislamischer Zeit (Die Andere Bibliothek im Aufbau Verlag, Berlin 2024) gewinnt in der Kategorie Arabische Kultur in anderen Sprachen. Dabei handelt es sich um eine überarbeitete Anthologie, die die umfangreichste Sammlung von früher arabischer Poesie in der deutschsprachigen Welt seit dem 19. Jahrhundert darstellt. Weidners Werk schlägt einen neuen Kanon für diese entscheidende Periode der arabischen Literaturgeschichte vor, indem es Gedichte zusammenführt, die Themen wie Liebe, Stolz, Krieg, Sieg, Ritterlichkeit, Würde und Trauer behandeln und gleichzeitig das Leben, die Gedanken und Gefühle der Menschen in der vorislamischen Zeit widerspiegeln. Bemerkenswert sei, dass diese Sammlung die ersten international übersetzten Gedichte arabischer Dichterinnen aus der vorislamischen und frühislamischen Zeit enthält. Neben diesen neuen Übersetzungen bietet Weidner eine kritische Analyse, die die Gedichte für ein zeitgenössisches und internationales Publikum kontextualisiert.
Stefan Weidner sagte zur Auszeichnung: „Meine Arbeit steht in einer langen, altehrwürdigen Tradition. Es ist die Tradition der deutschen Begeisterung für die arabische Literatur und Kultur. Sie beginnt im 18. Jahrhundert mit Goethe und mit seinem Interesse an der muslimischen Welt. Sie wurde von Friedrich Rückert, dem unermüdlichen Übersetzer aus dem Arabischen, und vielen seiner Kolleg:innen im 19. Jahrhundert fortgesetzt. Im 20. Jahrhundert hat Annemarie Schimmel, eine meiner Lehrerinnen, diese Tradition aufgegriffen. Mit
meinen Büchern, insbesondere dem „Arabischen Diwan“, schließe ich an diese Traditionslinie an. Die Jury des Sheikh Zayed Preises zeichnet damit nicht nur mich, sondern auch alle meine Vorläufer:innen aus. Sie zeichnet alle diejenigen aus, die sich in Deutschland für die großartige arabische Kultur interessieren, und die versuchen, sie den deutschsprachigen Leser:innen nahezubringen. Auf diese Weise baut der Sheikh Zayed Preis eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und von der Gegenwart in unsere gemeinsame Zukunft. Dies darf als Beweis gelten, dass die arabischdeutschen Beziehungen lebendig sind und trotz mancher Störversuche von beiden Seiten aktiv gepflegt werden.“
Die 20. Ausgabe des Preises verzeichnete über 4.000 Einreichungen aus 74 Ländern – darunter 21
arabische Nationen sowie 53 weitere Staaten weltweit –, wobei Chile, Island und Luxemburg erstmals
teilnahmen. Die Gewinner:innen aller Kategorien werden gemeinsam mit der kulturellen Persönlichkeit des Jahres im Rahmen einer offiziellen Zeremonie des Abu Dhabi Arabic Language Centre geehrt; das Datum der Preisverleihung wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Die kulturelle Persönlichkeit des Jahres erhält eine Goldmedaille, eine Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von 1 Million AED (ca. 234.000 €), während die
Gewinner:innen der übrigen Kategorien mit einer Goldmedaille, einer Urkunde und einem Preisgeld von
750.000 AED (ca. 175.000 €) für ihre herausragenden Leistungen in Wissenschaft und Literatur
ausgezeichnet werden. Der Sheikh Zayed Book Award fördert zudem die globale Veröffentlichung arabischer Literatur in Übersetzungen durch sein Übersetzungsstipendium, das internationale Verlage jährlich
finanziell unterstützt. Über dieses Programm werden alle in diesem Jahr nominierten literarischen Werke für Übersetzungsförderungen berechtigt sein, wodurch ihre Übersetzung aus dem Arabischen in Weltsprachen erleichtert wird.