Die Stiftung Ravensburger Verlag hat erstmalig einen Buchpreis ausgelobt: Er geht an die zweisprachig (deutsch und slowenisch) schreibende österreichische Schriftstellerin Maja Haderlap. Mehr dazu im Interview [mehr…] mit der Stiftungsvorsitzenden Dorothee Hess-Maier).
Der neu geschaffene Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag soll jährlich den Autor einer deutschsprachigen Publikation erzählender Prosa (Roman, Erzählung, Anthologie) auszeichnen, die maximal zwei Jahre zuvor erschienen ist. Die Preissumme von 12.000 Euro erhält entsprechend der Zielsetzung des Preises eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller, „der mit literarischen Stilmitteln ein zeitgenössisches Bild der Familie zeichnet“.
Die Lyrikerin, Übersetzerin und Theaterdramaturgin Maja Haderlap wird für ihr autobiografisches Romandebüt „Engel des Vergessens“ mit einer Preissumme von 12.000 Euro

zur Stiftung
ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 21. November 2011 in Berlin statt.
In der Begründung für die Auswahl heißt es:
In dem Familienroman „Engel des Vergessens“ erzählt Maja Haderlap vom Heranwachsen eines jungen Mädchens auf einem Kärntner Bauernhof. Die Familie gehört der slowenischen Minderheit in Österreich an. Die Welt des Kindes scheint in geradezu archaischer Ländlichkeit zu ruhen, das Leben folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten und den uralten Gesetzen der Familie. Doch schon bald mischt sich ein feiner Unterton der Gefährdung in die sinnliche Beschwörung des Kindheits-Idylls: Die Vergangenheit der Großmutter und die des Vaters sind von Erfahrungen geprägt, die ihren Schatten über Jahrzehnte hinweg bis in das Leben der Tochter und Enkelin werfen. Das Mädchen begreift nach und nach, dass die Großmutter als Slowenin nur knapp das Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebte und der Vater in dieser Zeit so schlimm gefoltert wurde, dass er die psychischen Traumata bis in die Gegenwart hinein nicht überwinden kann.
Maja Haderlap gelingt es, zunächst ganz aus der Perspektive eines Kindes heraus, das seine Welt erforscht, die Unrechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts als Familiengeschichte zu erzählen. Ihr Roman macht so auf suggestive Weise anschaulich, wie Geschichte individuell entdeckt, erlebt und empfunden wird. Sie zeigt, wie sehr die Einfühlung in Familienmitglieder und deren Vergangenheit das historische Bewusstsein des heran¬wachsenden Menschen formt. Das Kind verändert langsam den Blick auf die Menschen in seiner Umgebung, ja sogar auf Landschaft und Natur.
Die besondere literarische Leistung Maja Haderlaps besteht nicht zuletzt darin, für das allmählich sich ausbildende historische Bewusstsein ihrer Heldin eine sich damit wandelnde und deshalb jeweils angemessene Sprache gefunden zu haben. Die Familie wird bei ihr nicht als sicherer Hort be¬schrieben, der verlässlichen Schutz vor politischen Gefahren bieten könnte, aber doch als stabiler Le¬bensverbund, der an den Erlebnissen der politischen Verfolgung nicht zerbricht, sondern eher noch näher zusammenrückt.
Bei der Entscheidung für den Buchpreis lässt sich die Stiftung von verschiedenen Fachleuten aus Literaturkritik, Buchhandel, Bibliothekswesen beraten. Im ersten Jahr waren dies die Literaturkritiker Sandra Kegel, Marilis Kurz-Lunkenbein, Ellen Pomikalko, Dr. Uwe Wittstock und die Buchhändler Margarete und Michael Riethmüller. Die Preisverleihung findet am 21. November 2011 in der Berliner Landesvertretung Baden-Württemberg statt. Bei dieser Gelegenheit wird auch die zweite neue Auszeichnung der Stiftung Ravensburger Verlag überreicht: der mit 8.000 Euro dotierte „Leuchtturm-Preis für vorbildliches Engagement im Sektor familiäre, institutionelle und ehrenamtliche Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen“.







