Seit Nikolaustag fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2023 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Annett Brandt (Vertriebsleiterin Bastei Lübbe) unseren „anderen Fragebogen“:

Welcher Tag war Ihr schönster im letzten Jahr?
Unmöglich hier nur einen Tag zu benennen. Ich würde sagen: alle Tage, an denen man so langsam die Rückkehr zur Normalität der Vor-Pandemie wahrnehmen konnte – ob bei einem der ersten Branchentreffen bei der IGUS in Hamburg bei Oetinger oder bei der Bahnhofsbuchhändlertagung in Berlin, bei einer fast normalen Buchmesse in Frankfurt mit einer mega Bastei Lübbe Stand-Party oder der Buchmesse in Wien, bei der Jubiläumsfeier unserer österreichischen Auslieferung Mohr Morawa und dabei wie in „alten Zeiten“ auf liebgewonnene Branchen-Kolleg:innen, aus dem Handel oder Mitbewerber-Verlagen zu treffen, das war schon phänomenal und hat mich jedes Mal aufs Neue beflügelt. Die Begegnungen mit unseren Leser:innen auf der Frankfurter Messe haben das dann noch einmal getoppt. Auf diesen Ansturm hatten wir zwar gehofft, aber wirklich rechnen konnte man damit nicht.
Und privat: wundervolle Bergtouren im Massiv des Mont Blanc, jeweils sehr früh am Tag gestartet, um den Tag bestens auszunutzen und die Natur in aller Frische und ohne allzu viele weitere Wanderer zu erleben.
Worüber haben Sie sich 2022 am meisten geärgert?
Dass wir im 21. Jahrhundert plötzlich wieder aufrüsten (müssen), Milliarden dafür verwenden, die doch so viel besser im dringend notwendigen Klimaschutz benötigt würden. Das lässt mich an manchen Tagen schon recht verzweifeln.
Was war 2022 Ihr schönster Erfolg?
Unsere rundum gelungene Pop Up Tour des LYX Verlages. Es war einfach unglaublich, auf so viele absolut zauberhafte Leser:innen zu treffen und ihre Liebe und Begeisterung für unsere New Adult Stoffe zu spüren. Diese Begegnungen beflügeln für viele Wochen.
Und Ihr traurigster Misserfolg war?
Sagen wir mal so, es gab durchaus die eine oder andere Herausforderung, aber einen richtigen Misserfolg mag ich nicht erkennen.
Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag im letzten Jahr?
Wir sehen mit welch ungeheurem Engagement Buchhändlerinnen und Buchhändler ihre Läden betreiben und sich für das Buch einsetzen. Mir fällt es wirklich schwer, hier EINE schönste Buchhandlung zu benennen, denn es gibt so viele individuelle Ansätze, die mit viel Charme und Innovation den für sich und ihre Kund:innen passenden Laden betreiben. Egal ob in der Stadt oder auf dem Land, ob Filialist oder Kleinstbuchhandlung, sie machen alle einen großartigen Job.
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Über zu viel Pessimismus in unserer Branche. Es gibt, bei all den Herausforderungen, die uns in diesem Jahr begegnet sind, so viel Positives. Den Fokus anders zu setzen, wäre sicher hilfreich.
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Ich wünschte, ich würde von ganz vielen Buchhändler:innen lesen, die nach der kompletten Umstellung von VLB TIX im Jahr 2023 so begeistert vom System sind, dass sie es in die tägliche Arbeit integrieren.
Und von Verlagen (uns natürlich eingeschlossen), die darüber nachdenken, die gedruckten Vorschauen einzustellen.
Wir alle hätten mehr davon, wenn wir das eingesparte Geld in Kampagnen für das Buch oder in einzelne Titel stecken, um unsere Leser:innen zu erreichen, anstatt nach einer Saison die Vorschauen in die Papiertonne zu überführen.
Welchen Fehler aus dem letzten Jahr möchten Sie im neuen Jahr vermeiden?
In meinem Garten, der während der Pandemie zu meinem absoluten Lieblingsort geworden ist, viel zu viel anzubauen, so dass ich dann nicht alles verarbeiten / verbrauchen kann.
Ich wusste nicht, dass das einen so unter Druck setzen kann. Und dass Freunde plötzlich allergisch reagieren, wenn man einfach ganz unschuldig fragt „Möchtest du eventuell wieder ein bisschen Brokkoli haben?“.
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Dummerweise weiß man ja im Frühjahr nicht, ob alle Saatkörner aufgehen und dann denkt man „ach komm, zu Sicherheit, noch eine Schale Brokkoli-Samen“. Ich bin sicher, ich habe geduldige Freunde.
Welches Buch hat Ihnen im letzten Jahr besonders viel Freude gemacht?
Auch wenn man an der Stelle vermutlich kein Buch aus dem eigenen Verlag hervorheben sollte, ich tue es trotzdem … ich habe gerade eben den neuen Roman von Anne Prettin DER RUF DES EISVOGELS, der in Kürze erscheint, gelesen.
Lange hatte ich nicht dieses wundervolle wohlige Gefühl, bei dem man sich wünscht, das Buch möge niemals enden, weil man so gefangen ist. Gefangen in der Story und von den Protagonist:innen.
Und bei dem man erst einmal Abstand braucht, bevor man mit einem neuen Buch beginnen kann, weil es so lange nachhallt.
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Oh je, es ist so schwierig, wieso kann man sich in diesem Fragebogen immer nur auf eines beschränken?
Aber gut, bleiben wir in der ganz nahen Zukunft. Im Februar erscheint von Gabrielle Zevin MORGEN, MORGEN UND WIEDER MORGEN. Ein Roman, der gerade Auszeichnung um Auszeichnung einheimst, New York Times Bestseller ist, auf Platz 1 von goodRead gewählt wurde und auch Book oft he Year 2022 bei Amazon ist.
Zu Recht wie ich, wie wir alle bei Eichborn finden, denn es ist eine so warmherzige und besondere Story, mit der elementaren Frage, was Freundschaft ausmacht. Ganz besonders freue ich mich über die furiosen Rückmeldungen unserer Buchhändlerinnen und Buchhändler, die das Leseexemplar bereits gelesen haben. In uns allen steckt eine riesengroße Vorfreude auf den Erscheinungstermin am 24.02.2023.
Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Carel Halff, auch wenn er ihn vor einigen Jahren schon einmal beantwortet hat.
Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie eigentlich gern beantwortet?
Köln oder Leipzig?
Hier können Sie die auch beantworten:
Köln und Leipzig!
Gestern antwortete Alexander Elspas, morgen fragen wir Oliver Martin.