Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Christine Paxmann?

Christine Paxmann ©Ishtar Najjar

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2022 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Eselohr-Verlegerin Christine Paxmann unseren „anderen“ Fragebogen:

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Eigentlich starte ich in jeden Tag, als ob er der schönste würde. Manchmal lässt sich dieser Grundoptimismus nicht ganz bis zum Abend durchhalten. Aber Eins-mit-Stern-Tage waren: Rudern mit der ganzen Familie in den Kanälen von Leipzig, Lesen unter Apfelbäumen am Wörthersee, die Picknicks im Frühjahrslockdown mit lieben Menschen– und das Buchprojekt „Cosy Weekend Knits“ (Christian Verlag), bei dem ich mit Freundinnen, deren Müttern und deren Töchtern, sowie vier Hunden zusammengearbeitet habe – da war jedes Fotoshooting ein Familienfest

Worüber haben Sie sich 2021 am meisten geärgert?

Über Gejammere von Leuten, denen es weder gesundheitlich, noch finanziell, noch privat schlecht ging, die aber an der C-Krise eigene Unzufriedenheit festgemacht und von anderen ebenfalls bad vibrations eingefordert haben.

Was war 2021 Ihr schönster Erfolg?

Dass privat, wie geschäftlich sich so viele Dinge „gut“ gerüttelt haben. Einmal, weil wir beim Eselsohr eine grandios treue Leserschaft haben und unglaublich kooperative und herzlich agierende Verlage.

Für mich als Autorin: weil man mir in diesem Jahr so viele tolle Themen zugetraut hat: „Demokratie für Kids“ (Dorling Kindersley) und „Schäm dich (nicht)“ mit Co-Autorin Heidi Brosche (ArsEdition), „Glücksorte des Berchtesgadener Lands“ (Droste Verlag) – ein Buch, das ich zwischen allen Lockdowns recherchiert, fotografiert und geschrieben und dabei im eigenen Land unglaubliche Entdeckungen gemacht habe.

Und zum Dritten Juryarbeit (Oldenburger Kinder und Jugendbuchpreis, Leipziger Lesekompass, Korbinian Paul Maar Preis), was das ideale Netzwerken und bereichernd ist.

Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Ein paar Bücher, die mit viel Einsatz und Liebe geschrieben, nicht richtig ans Publikum getragen werden konnten, weil keine Lesungen, keine Messen etc.

Ihre schönste Buchhandlung /Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

die Autorenbuchhandlung in München, die mit Karin Staisch zu einem quirligen Begegnungsort geworden ist.

der Ariella Verlag in Berlin, mit deren Verlegerin Myriam Halberstam ich eine feine Ausstellung zur jüdischer Kinderbuchillustration erarbeiten und ein großartiges Buch mitgestalten durfte: Über die Klezmermusik der letzten 30 Jahre!

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Über die Verbohrtheit von Menschen, weil das einen so rat- und hilflos macht

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über die Verbohrtheit von Menschen, und wie man diesen Zustand auflösen kann

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Sachen in Keller stellen, die man vielleicht mal wieder braucht

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Sachen in Keller stellen, die man vielleicht mal wieder braucht

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Kann mich nicht gut auf eins beschränken, deshalb: Tatsächlich ist das aus dem Stapel der noch zu lesenden Bücher erst dieses Jahr ganz nach oben gewandert: „Zwei rechts, zwei links“ von Ebba D. Drolshagen (Suhrkamp): Die Kulturgeschichte des Strickens ist literarisch und inhaltlich eine Entdeckung, nicht nur für Stricker*Innen. Bei den Kinderbüchern ist es „Zwei von jedem“ von Rose Lagercrantz (Moritz Verlag). Selten hat man über die Größe der Liebe in der dunkelsten deutschen Geschichte so poetisch gelesen, eine gewaltige Familiensaga in einem schmalen Buch für jedes Alter. Und dann noch unser Gewinnertitel beim Korbinian Paul-Maar-Preis: „Im Land der weißen Schokolade“ von Martin Dolejš (Magellan). Die mit feinem Humor geschriebene, autobiografisch erlebte Flucht aus der CSSR, ein Roadmovie mit großer Tiefe und voller köstlich schräger Momente, ein Titel, dem man ein breiteres Publikum wünschen würde, zum Beispiel als Taschenbuch ohne Altersangabe.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Das Schöne an der Tätigkeit der Rezensentin und als Jurymember ist, dass man ständig von vielen großartigen Büchern überrascht wird. „Das wichtigste Buch“ ist da sozusagen ein nachwachsender Rohstoff

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Siehe oben: Karin Staisch, Myriam Halberstam, Ebba D. Drolshagen und Rose Lagercrantz

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Was würden Sie gerne nächstes Jahr anders machen?

Hier können Sie die auch beantworten:

Es zu schaffen, beim Wandern zu schreiben, zu lesen, zu fotografieren, zu schwimmen, zu telefonieren und zu illustrieren – kurz: das Freiluftbüro optimieren!

Und Eltern davon zu überzeugen, dass Altersangaben bei Büchern weniger wichtig sind als Vorlesen und Vorbild sein durch Selberlesen.

Gestern beantwortete Christian Graef unseren „anderen“ Fragebogen, morgen fragen wir Nina George

Kontakt:

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: „Runde Geburtstage “

 

 

 

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