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Wie war Ihr Jahr, Gunnar Cynybulk?

Seit Nikolaustag fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2023 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Kanon-Verleger Gunnar Cynybulk unseren „anderen“ Fragebogen: 

Gunnar Cynybulk: „Ich wünsche mir belesene und lesende Politikerinnen und Politiker. „Olaf Scholz‘ Recommended Reading List“, „Christian Lindners solventeste Sonette“. Einfach mehr Präsenz unserer vielleicht wichtigsten Kulturtechnik in der Öffentlichkeit durch Amtsträger“ © Thomas Victor

Welcher Tag war Ihr schönster diesem Jahr?

Beruflich wohl der, als ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Aufzeichnung des Literarischen Quartetts besuchen durfte. „Dry“ von Christine Koschmieder wurde besprochen, und Joachim Meyerhoff, Thea Dorn und sogar Philipp Tingler lobten dieses mutige Buch zurecht in allen Tönen. Das war sehr schön, für uns alle, und speziell für mich nach etlichen Erfolgen früherer Bücher im LQ ein schönes Comeback. Wobei, der Tag, als der der erste Tagebuch-Band von Manfred Krug in den TopTen auftauchte, der war auch sehr schön – oder der, als die popup-Buchmesse rappelvoll mit Besucher:innen war. Oder als der Regen aufhörte bei unserer Housewarming-Party. Einfach viele schönste Tage in diesem komplexen Jahr.

Worüber haben Sie sich 2022 am meisten geärgert?

Über die Absage der Leipziger Buchmesse. Und, natürlich kein Vergleich, über den Präsidenten der Russischen Förderation.

Was war 2022 Ihr schönster Erfolg?

Am richtigen Ort und zuversichtlich zu sein. Insgesamt die Resonanz und Anerkennung für das Kanon-Projekt. Einen neuen Verlag in diesen Zeiten mit solch freundlichen und talentierten Autor:innen und Mitstreitenden voranzubringen, macht mich froh. 

Und Ihr traurigster Misserfolg war?

„Corregidora“ von Gayl Jones ist zu wenig beachtet worden, und das gibt mir den Blues. Ich fordere die Leitmedien auf, dieses richtungsweisende Buch in der musikalischen Übersetzung von Pieke Biermann sehr gut zu besprechen. Unverzüglich.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Uslar & Rai und ocelot ist in diesem Jahr meine schönste Buchhandlung. Voland & Quist und Kanon ist in diesem Jahr mein liebster Verlag.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Von Massakern, Bombardements von Wohngebieten und Atomkraftwerken, vom Krieg in der Ukraine. Das muss aufhören. 

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Übers Lesen. Ich wünsche mir belesene und lesende Politikerinnen und Politiker. „Olaf Scholz‘ Recommended Reading List“, „Christian Lindners solventeste Sonette“. Einfach mehr Präsenz unserer vielleicht wichtigsten Kulturtechnik in der Öffentlichkeit durch Amtsträger. Und ich erwarte von den Öffentlich-Rechtlichen, dass sie neue Buchformate entwickeln, statt immerzu welche zu streichen. „Das Buchcamp“, „Let’s Read“ oder sogar etwas noch Besseres.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Zu pessimistisch zu sein.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Auf manipulative Fragen zu antworten. 

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Die Einzelteile von Michel de Montaignes ESSAIS. Wie sie da in der Druckerei Pustet, als Hans Magnus Enzenzberger noch lebte, über die Produktionsbänder liefen, das hat mir viel Freude gemacht.   

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Der Roman “Aleksandra“ der niederländisch-ukrainischen Schriftstellerin Lisa Weeda. Der Bestseller spielt in dem Gebiet, auf das alle Welt gebannt blickt: im Donbass. Glänzend erzählt er 100 Jahre ukrainisch-russischer Geschichte – ernst, wichtig, aber auch mit Humor. 

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Marcus Gärtner, Rowohlt.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie eigentlich gern beantwortet?

Für Ihr erstes, verdammt gut aussehendes eigenes Taschenbuch-Programm kanon colours konnten Sie James Dean als Markenbotschafter gewinnen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Hier können Sie die auch beantworten:

Es waren die Bücher. Die haben ihn einfach überzeugt. 

Gestern antworteten Verena Schörner und Julia Loschelder. Morgen fragen wir Barbara Kalender.

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