Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Verena Schörner und Julia Loschelder?

Seit gestern (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2023 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantworten Verena Schörner und Julia Loschelder (Verlegerinnen Komplett-Media) unseren „anderen“ Fragebogen: 
Verena Schörner (r.) und Julia Loschelder (l.)„Nicht mehr lesen möchten wir von Krisen, insbesondere als reine Schwarzmalerei ohne konstruktive Lösungsvorschläge und (kritischen) Optimismus. Nur den Kopf in den Sand zu stecken bringt uns nicht weiter!“ (c) Julia Bradle

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr? 

Der 22. Juni: An diesem Tag fand die Verleihung des Deutschen Verlagspreises in Leipzig statt und wir fühlten uns sehr geehrt, den Preis aus den Händen von Kulturstaatsministerin Claudia Roth zu erhalten. 

Worüber haben Sie sich 2022 am meisten geärgert? 

Sehr geärgert und Kopfzerbrechen bereitet haben uns – wie sicherlich vielen anderen – die steigenden Druckpreise und Remissionen. Beides erschwert zunehmend die Umsatzplanung, gerade für kleinere Verlage wie uns. 

Was war 2022 Ihr schönster Erfolg? 

In der 33. Kalenderwoche waren wir gleich mit zwei Büchern in den Top 10 der SPIEGEL-Bestseller-Liste: Jan Hegenberg stieg in der Woche mit „Weltuntergang fällt aus“ auf Platz 3 ein und unser Dauerbrenner „Die verrückte Welt der Physik“ von Ulrich Walter war auf Platz 8. Das war das erste Mal, dass wir gleich zwei Bücher in den Top 10 platzieren konnten.  

Und Ihr traurigster Misserfolg war? 

Mandy Capristo konnte sich mit ihrem tollen Buch „An erster Stelle bin ich Mensch!“ leider nur auf Platz 23 der SPIEGEL-Bestseller-Liste platzieren und hat damit das große Ziel Top 20 knapp verpasst. Das Umfeld war in den Wochen um den Erscheinungstermin herum leider zu stark. 

Ihr liebster Verlag in diesem Jahr? 

Der Independent-Verlag Palomaa Publishing aus Leipzig mit der engagierten Anne Friebel an der Spitze, die dieses Jahr auch völlig verdient den Sächsischen Verlagspreis gewonnen hat.

Von welchem Thema wollen Sie im kommenden Jahr nichts mehr lesen? (und warum) 

Krisen, insbesondere als reine Schwarzmalerei ohne konstruktive Lösungsvorschläge und (kritischen) Optimismus. Nur den Kopf in den Sand zu stecken bringt uns nicht weiter!

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen? 

Positive News: Denn es passiert rund um die Uhr sehr viel Gutes auf der Welt, das leider in den Medien und in unserer Wahrnehmung viel zu wenig Platz erhält. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, zeigt Florian Vitello in seinem Buch „Good News“. 

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden? 

Zu viel oder zu wenig zu drucken.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen? 

Zu viel oder zu wenig zu drucken…

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht? 

Jan Hegenbergs Buch „Weltuntergang fällt aus“, weil es eindrücklich zeigt, dass man selbst beim Thema Klimawandel seinen Humor und Optimismus nicht verlieren muss. 

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

 Die ehemalige Germany’s-Next-Topmodel-Kandidatin Lijana Kaggwa veröffentlicht im April ihr Buch „Du verdienst den Tod!“ bei uns, in dem sie sich mit dem wichtigen Thema Cybermobbing auseinandersetzt. 

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen? 

Anne Friebel von Palomaa Publishing.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie eigentlich gern beantwortet? 

Was machen Sie sonst noch so neben dem Bücherverlegen?

Hier können Sie die auch beantworten: 

Gemeinsam mit unserer Autorin Natascha Sagorski haben wir vor kurzem den „Verein für feministische Innenpolitik“ gegründet. 

Unser Verein hat es sich zum Ziel gemacht, Themen rund um Frauenrechte, Diversität und Teilhabe politisch voranzubringen und so von der Diskussion (auch in unseren Büchern) in die politische Umsetzung zu kommen. Als erstes Projekt kämpfen wir gerade den gestaffelten Mutterschutz nach Fehlgeburten vor dem Bundesverfassungsgericht durch. Mit dem Verein haben wir die Möglichkeit, politisch etwas zu verändern, wo wir mit unseren Büchern irgendwann an die Grenzen stoßen.

Gestern antwortete Klaus Altepost, morgen fragen wir Gunnar Cynybulk.

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