Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Rainer Moritz?

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2021 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Rainer Moritz, der Leiter des Hamburger Literaturhauses, unseren „anderen“ Fragebögen:

Rainer Moritz: „Mehr lesen möchte ich über die Schönheit und Unersetzbarkeit nichtdigitaler Lesungen, mit echten Autorinnen und Autoren zum Anfassen, mit Stühlerücken, umfallenden Weingläsern, aufmerksamen und schläfrigen Gesichtern im Publikum und  Könnten-Sie-das-für-meine-liebe-Frau-signieren-Fragen“ (c) Lena Dircks

 

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Vielleicht jener Septembersonntag, an dem wir allen Widrigkeiten zum Trotz die Konfirmation unseres Sohnes feiern durften. Mit Großeltern, Tanten, Cousins & Co. – und einem sehr ordentlichen Wiener Schnitzel.

Worüber haben Sie sich 2020 am meisten geärgert?

Über die Selbstgerechtigkeit derjenigen, die sich tolerant geben und dennoch ganz schnell dabei sind, Andersdenkende auszugrenzen – Stichwort: Cancel Culture.

Was war 2020 Ihr schönster Erfolg?

Meinen neuen Roman Als wär das Leben so am genau richtigen Ort – im neuen Oktopus-Imprint des Kampa Verlags – untergebracht zu haben. Erscheinen: Februar 2021.

Und Ihr traurigster Misserfolg war …?

Mich von quälenden, besserwisserischen Internetkommentaren und Maxim Billers Texten in Wallung bringen zu lassen.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Es gibt ja so viele exquisite Buchhandlungen, darunter zum Beispiel Die Schatulle in Osterholz-Scharmbeck, weil deren Inhaberinnen, die Gartmann-Schwestern, kaum zu toppen sind.

Mein liebster Verlag? Dörlemann, Eisele, Hanser … fragen Sie mich was Leichteres!

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Donald Trump. Begründung unnötig.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über die Schönheit und Unersetzbarkeit nichtdigitaler Lesungen, mit echten Autorinnen und Autoren zum Anfassen, mit Stühlerücken, umfallenden Weingläsern, aufmerksamen und schläfrigen Gesichtern im Publikum und Könnten-Sie-das-für-meine-liebe-Frau-signieren-Fragen …

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Auf den Aufstieg des TSV 1860 München in die Zweite Bundesliga zu hoffen.

Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Nein, nein, nicht diesen … sondern aus Vernunftgründen darauf zu setzen, dass Andreas Scheuer endlich sein Ministeramt verliert.

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Lisa Eckharts recht komischer Familienroman Omama (Zsolnay).

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Vom eigenen abgesehen womöglich Steffen Kopetzkys Monschau (Rowohlt Berlin).

Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Joachim Löw, damit von dem überhaupt mal wieder was zu hören ist.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Wie haben Sie die Einstellung der TV-Serie „Lindenstraße“ verkraftet?

Hier können Sie die auch beantworten:

Schlecht.

Gestern antwortete Roman Hocke, morgen fragen wir Andrea Ludorf.

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