
Das Digitale Deutsche Frauenarchiv ist zur BücherFrau des Jahres 2026 gewählt worden. Das Branchennetzwerk BücherFrauen würdigt damit eine Institution, die feministische Geschichte sammelt, sichert und zugänglich macht – und damit auch die Grundlage für neue Bücher, Recherchen und Publikationen schafft.
Das Digitale Deutsche Frauenarchiv, kurz DDF, bündelt die Bestände von mehr als 40 feministischen Archiven, Bibliotheken und Dokumentationsstellen im deutschsprachigen Raum. Es macht Quellen zur Geschichte der Frauen- und Lesbenbewegungen in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis heute digital zugänglich und dauerhaft sichtbar.
„Die Wahl des Digitalen Deutschen Frauenarchivs zur ‚BücherFrau des Jahres 2026‘ ist eine große Freude und eine besondere Anerkennung für das gesamte i.d.a.-Netzwerk“, erklären Margarethe Kees und Inga Müller, Vorstand des i.d.a.-Dachverbands. „Feministische Erinnerungskultur entsteht nicht an einem einzelnen Ort, sondern durch viele Archive, Bibliotheken, Dokumentationsstellen und engagierte Menschen. Das DDF bündelt diese vielfältige Arbeit und zeigt, wie wichtig verlässliche feministische Infrastrukturen für Gegenwart und Zukunft sind.“
Für die Buch- und Publikationsbranche ist diese Arbeit zentral. Denn feministische Bücher, Zeitschriften, Dokumentationen und Texte entstehen nicht losgelöst von gesellschaftlichen Bewegungen. Sie haben Kontexte, Netzwerke, Produktionsbedingungen und oft auch Widerstände. Das DDF bewahrt genau diese Zusammenhänge – und macht sichtbar, welche Arbeit hinter feministischer Publikation und Erinnerung steht.
„Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit“
Das Digitale Deutsche Frauenarchiv ging zum 100. Jubiläum der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland online. Dieses Datum steht für politische Teilhabe, die sich Frauen historisch erstritten haben. Zugleich zeigt es, dass Rechte nicht selbstverständlich bleiben: Sie müssen erinnert, verteidigt und weitergetragen werden.
In der Begründung zur Wahl heißt es: „Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist Arbeit. Sie ist Infrastruktur. Sie ist Machtfrage.“ Genau darin liegt die feministische Bedeutung des DDF: Es bewahrt nicht nur Dokumente, sondern holt Geschichte aus der Unsichtbarkeit zurück, in die sie durch patriarchale Strukturen verdrängt wurden.
Archive werden oft als Orte der Vergangenheit verstanden. Das DDF zeige etwas anderes: Archive sind Zukunftsinfrastruktur. Ohne gesicherte Quellen fehlen die Grundlagen für Forschung, Journalismus, Sachbücher, Biografien, literarische Recherchen und neue feministische Publikationen. Was nicht dokumentiert wird, kann verschwinden. Was nicht zugänglich ist, bleibt unsichtbar.
Das DDF öffnet Bestände, die lange nur Fachpublikum vorbehalten waren. Es ermöglicht digitale Recherche und fördert neue Projekte in Wissenschaft, Medien und Buchbranche. In der Begründung heißt es dazu: „Das DDF schafft Zugang. Es demokratisiert Wissen. Es stärkt Autorinnen, Herausgeberinnen und Wissenschaftlerinnen. Und es schützt vor dem Vergessen in Zeiten digitaler Beschleunigung und gesellschaftlicher Polarisierung.“
Feministische Geschichte braucht Infrastruktur
Besonders wichtig ist den BücherFrauen, dass das Digitale Deutsche Frauenarchiv nicht nur bekannte Namen sichtbar macht. Es dokumentiert auch Netzwerke, Initiativen, regionale Bewegungen, Alltagskämpfe und marginalisierte Perspektiven. Damit erweitert es den Blick auf feministische Geschichte und auf die Bedingungen, unter denen Texte, Bücher und Publikationen entstehen.
Der Vorstand der BücherFrauen, der das DDF als BücherFrau des Jahres vorgeschlagen hat, beschreibt Archive in der Begründung ausdrücklich „nicht als Vergangenheitsspeicher, sondern als Zukunftsinfrastruktur“. Das DDF sichere, „was sonst verloren ginge“: Kämpfe, Netzwerke und Publikationszusammenhänge. Für die Buchbranche ist genau das entscheidend, weil feministische Literatur, Sachbücher, Zeitschriften und Dokumentationen immer auch aus Bewegungen, Beziehungen und gemeinsamer Arbeit hervorgehen.
„Feministische Bewegungen waren immer auch Publikationsbewegungen“, sagt Steff Urgast, Kommunikation Digitales Deutsches Frauenarchiv. „Frauen haben geschrieben, verlegt, gesammelt, archiviert, vertrieben und sichtbar gemacht, was im kulturellen Gedächtnis oft übergangen wurde. An dieser Schnittstelle arbeitet das DDF heute digital weiter: Wir machen die Geschichte der Frauenbewegungen zugänglich, recherchierbar und anschlussfähig.“
„Ohne Archiv keine Bewegung. Ohne Erinnerung keine Bücher“, heißt es in der Begründung des Vorschlags. Die BücherFrauen greifen diesen Gedanken mit der Wahl zur BücherFrau des Jahres 2026 auf: Feministische Erinnerung ist keine Nebensache. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Stimmen, Erfahrungen und Kämpfe nicht aus der Geschichte herausfallen.
Stellvertretend für das Digitale Deutsche Frauenarchiv nehmen die designierte neue Geschäftsführerin des DDF sowie Steff Urgast, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, die Auszeichnung entgegen. Urgast ist zudem Autorin und Mitbegründerin der Initiative „Verlage gegen Rechts“.
Das DDF macht deutlich, wie eng feministische Erinnerungskultur und Bibliodiversität zusammenhängen. Eine vielfältige Buchlandschaft braucht nicht nur neue Stimmen. Sie braucht auch Zugang zu den Spuren derer, die vorangegangen sind: Autorinnen, Verlegerinnen, Redakteurinnen, Lektorinnen, Übersetzerinnen, Buchgestalterinnen, Aktivistinnen und Leserinnen.
Die Wahl zur BücherFrau des Jahres 2026 rückt deshalb eine Institution in den Mittelpunkt, deren Arbeit oft leise geschieht, aber weit in die Buchbranche hineinwirkt. Sie sichert Wissen. Sie schafft Zugang. Und sie hält Räume offen, in denen feministische Geschichte weitergeschrieben werden kann.
Mehr Infos zum Digitalen Deutschen Frauenarchiv gibt es hier: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de
Neues Wahlverfahren
In diesem Jahr konnten erstmals alle Mitglieder des Branchenverbands mit jeweils einer Stimme über die BücherFrau des Jahres und das Jahresthema abstimmen. Bisher wurden die Wahlvorschläge in den Städte- und Regionalgruppen beraten; im anschließenden Wahlverfahren hatten die Gruppen – je nach Größe – eine festgelegte Stimmenzahl.
Mit dem neuen Prinzip „one woman, one vote“ wollen die BücherFrauen ihren basisdemokratischen Anspruch stärken und die Abstimmungsergebnisse erhielten dadurch eine breitere demokratische Legitimation. Die Wahlbeteiligung von über 40 Prozent hätten gezeigt, dass dieses neue Verfahren angenommen worden sei. Damit verbinde sich die Hoffnung, dass sich künftig noch mehr Mitglieder aktiv in die Vereinsarbeit einbringen.







