Sabine Schmieder über ihr neues Verlagskonzept "MINDFULbooks" „Ein Bestseller ist auch auch komplett unabhängig von amazon & Co. möglich“

Sabine Schmieder will beweisen, dass „mit reichweitenstarken Autoren und voller Mitbestimmungsgarantie für sie“ ein Bestseller auch komplett unabhängig von amazon & Co. möglich sei. Das hatten wir gemeldet – und das war Anlass für Nachfragen: 

Sabine Schmieder: „Bei Launch des Shops für den Direktvertrieb wurden innerhalb von wenigen Stunden 5000 Fixverkäufe erzielt. Der Buchhandel wird die große Nachfrage nach ET direkt spüren“

Worauf stützen Sie Ihre mutige Behauptung? 

Sabine Schmieder: Auf meine bisherigen Erfahrungen im Buchhandel.

Und da sind wir uns noch nie über den Weg gelaufen?

Manchmal geht man auf verschiedenen Wegen in die gleiche Richtung. Nach meinen Lehrjahren in einem medizinischen Fachverlag und der deutschen Tageszeitung für Ärzte, habe ich zunächst in den 90er Jahren für die Pharmaindustrie Auftragsbücher und Broschüren wahrgenommen. So entstand der systemed-Verlag, durch den  ich Anfang der 90er-Jahre durch einen völlig überraschenden Mega-Bestseller (Die LOGI-Methode/Glücklich&Schlank) in den Buchhandel „geschleudert“ wurde. Ich kam also „von außen“, ohne zu wissen, wie die Wege des Buchhandels sind (sich daran zu erinnern, ist für meine heutige Arbeit sehr wichtig). Unser erstes Buch wurde 2003 innerhalb weniger Tage 10.000mal bestellt – wie man so etwas forcieren kann, lernte ich allerdings erst später.

Ging das nicht so erfolgreich weiter?

Nein, die Folgebücher waren dann natürlich schon schwieriger zu platzieren. Wie schwierig es ist, im Buchhandel gesehen zu werden, welche Bedeutung Amazon hat, wie Pressearbeit funktioniert, wenn der Wissensbedarf nicht von außen kommt – dies zu lernen, war ein langer Weg.

Und der ging wo lang?

Ich suchte mir eine professionelle Vertriebsberatung und geriet in die übliche gewachsene Vertriebsstruktur. Wobei als scheinbare Wahrheit galt: Amazon ist dabei ein unerlässlicher Partner, Novitäten müssen Monat für Monat erscheinen, um gesehen zu werden, Vormerker über 500 Stück sind schon ein Erfolg, selbst wenn später fast alle remittiert werden.

Da befindet man sich schnell im Hamsterrad.

Ja, man muss immer mehr liefern, um relativ immer weniger zu verkaufen. Die Kosten fressen die Erträge auf, der Druck wird rasant stärker.

Aber Sie haben weiter Bücher gemacht?

Mir ging es immer darum, Wissen zu vermitteln. Ich spürte einen Auftrag, wirklich innovative Themen öffentlich zu machen. Daher war es umso schmerzhafter, zu erfahren, dass es kaum möglich ist, sich ohne riesige Marketingbudgets in der Branche durchzusetzen. So ist der Ausweg für inhabergeführte kleine und mittelständische Verlage wahrscheinlich in Zukunft immer derselbe: Man verkauft sein Portfolio an einen der Konzernverlage, die damit ihren Content erweitern, jedoch letztlich auch immer unter demselben Druck stehen.

So ging es auch Ihnen?

Ja, ich wurde vor die Situation gestellt, von neuem anzufangen. Mein Wissen, meine Expertise, meine Liebe zu guten Büchern, mein Netzwerk und vielleicht ein wenig inzwischen gewonnene Gelassenheit zu nutzen, um neue Wege zu gehen.

Was hat sie dann motiviert wieder neu zu starten? 

Zunächst wollte ich natürlich meine Themen weiter publizieren. Mein „Auftrag“ war ja, Gesundheitsförderung zu betreiben. Dazu habe ich in 20 Jahren ein sehr potentes Autorenteam und Netzwerk aufgebaut. Ich fühlte mich auch meinen bisherigen Autoren selbstverständlich verpflichtet. Somit habe ich weiterhin interessante Ratgeberthemen an die relevanten Konzernverlage „vermittelt“ und diese auch umgesetzt. Dies war eine sehr schöne Möglichkeit, den Inhalten und den Autoren verbunden zu bleiben.

Und ihr anderes Motiv?

Bei dem Zusammenarbeiten mit führenden Verlagshäusern war ich natürlich immer noch in der sogenannten „Vertriebsmühle“. Wie schafft man eine erfolgreiche Pressearbeit, wie macht man ein Thema interessant? Wie stärkt man den Buchhandel, so dass er Bücher ordert und sich trauen kann, Einkäufe zu tätigen? Vor allem in Corona-Zeiten scheint dies umso schwieriger.Die oben genannten Überlegungen führten für mich zwangsläufig zu der Idee: Was wäre, wenn ich reichweitenstarke Autoren ganz individuell „verlege“ und ein Bedürfnis in der Öffentlichkeit schaffe, bevor und während das Buch entsteht?

Durch Klick auf Cover mehr zum Buch und auch zum Vertriebs-Konzept

Und wie kam es jetzt zu Hashtag Doppelleben ?

Das war ein Zufall. Die beiden Influenzerinnen Lara und Nina Piaskowy lernte ich auf privatem Wege kennen und natürlich war als Verlegerin mein erster Gedanke: Die beiden müssen ihre Geschichte erzählen. Sie waren auch schnell Feuer und Flamme. Während meiner Vermittlungsgespräche mit den üblichen Konzernverlagen wurde mir jedoch bewusst, dass dies eine hervorragende Chance darstellt, die oben beschriebenen Wege zu durchbrechen.Das soll

Und da entstand Ihr Share-Modell

… indem ich den Autor*innen während des ganzen Prozessen ganz nah beistehen konnte, ein kleines Team zusammentrommelte, alle Vorgänge transparent machte und die beiden somit zu Verlegern ihres eigenen Buches machte. Neben der Möglichkeit, unter Anleitung eines erfahrenen Verlegers, direkt Einfluss auf Inhalt, Gestaltung, Vermarktung und Ausstattung des Buches zu nehmen, sind auch die pekunären Vorteile erheblich. Weniger Overhead- und Strukturkosten, schlankere Organisation, direkte Beteiligung.

Dies sei eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten? 

Die Autorinnen sind ganz eng mit ihrem Werk verbunden und direkt im Prozess der Entstehung eingebunden. Das Team arbeitet von Autor, Layout  über Lektor und Fotograf engmaschig und ohne formalistischen Aufwand zusammen (die Produktion von „Hashtag Doppelleben“ startete Anfang Januar und das Buch ging Anfang Mai in Druck). Die Autoren haben alle Rechte, Pflichten und Gewinne teilen sie mit dem Verlag. Die Follower von @dastwinteam (420.000 Stand Mai) wurden in den Prozess eingebunden und haben großes Interesse an dem Buch entwickelt. Bei Launch des Shops für den Direktvertrieb wurden innerhalb von wenigen Stunden 5000 Fixverkäufe erzielt. Der Buchhandel wird die große Nachfrage nach ET direkt spüren.

Sie versprechen, diese Nachfrage sei von den Influenzern steuerbar?

Ja, und natürlich wird auch Amazon nicht unberücksichtigt bleiben, aber erst in dritter Instanz.

Große Verlage haben doch aber mehr Vertriebs- und auch Marketingpower?

Die Marketingpower kommt in erster Linie von den AutorInnen selbst. Stories werden bis zu 20.000 mal angesehen, Posts werden bis zu 60.000 geliked. So entsteht ein Bedarf aus sich heraus. Die Presse ist dank der guten Geschichte, dank des innovativen Verlagsmodells und natürlich dank der großartigen Arbeit unserer Freundin Claudia Uhr, sehr interessiert. Und so wird immer mehr Bedarf an dem Werk geschaffen. Und mit dem Vertriebsteam „Vertrieb für Zwei“ haben wir eine ebenfalls sehr bewegliche und innovative Ergänzung für uns gewonnen. So ist der Handel bereits informiert und die ersten Order treffen bereits ein.

Jetzt sind Sie bereits mit „Hashtag Doppelleben“ vor Erscheinen auf Bestsellerkurs, wie kann das funktionieren?

Wir starten mit einer respektablen Auflage von 15.000 Exemplaren und stehen in den Startlöchern, innerhalb von 14 Tagen nachzuliefern. Da wir aufgrund der schlanken Struktur keinerlei Reibungsverluste haben, können wir sehr schnell reagieren. Natürlich wird  von diversen Kollegen unserer Autorinnen Werbung für das Buch gemacht werden – so entstehen Reichweiten bis zu 3.000.000 Followern.

Mit wem würden Sie denn gerne unbedingt ein Buch machen?

Oh, das ist eine schöne Frage. Da gibt es sehr viele interessante Ideen. Natürlich ist jeder willkommen, der zu unserer Idee passt und Lust auf eine andere Art des Büchermachens hat. Im Besonderen träume ich persönlich von einer Buchzusammenarbeit mit Barbara Schöneberger, Tim Mälzer oder Karl Lauterbach. Wer weiß?

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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