Frank Brunner

Frank Brunner

Frank Brunner ist tot. Er starb, wie erst jetzt bekannt wird, am 15. Juni im Alter von nur 62 Jahren. Der gebürtige Chemnitzer erlag nach schon erfolgter Reha und erneuter Einlieferung ins Krankenhaus nach Magenblutungen den Folgen eines Schlaganfalls.

1979 hat er als junger S.Fischer-Lektor (er wurde am 27.10.1949 geboren) Furore gemacht, als er sich mit dem (sehr kleinen) Robinson Verlag und unbändigem Optimismus selbständig machte (sein Slogan „Eine Insel im Büchermeer“ ist mir heute noch gewärtig), sehr bald aber zahlungsunfähig war. Die Ideen aber gingen ihm nicht aus: Zur Zeit der Wende war er sogar nach eigenem Bekunden ganz nah dran, den Aufbau Verlag zu kaufen – dabei war das schon die Zeit, in der er besonders zu kämpfen hatte und sich mühsam und zeitweise sogar ohne feste Postanschrift durchschlagen musste.

Dass er in unserer Branche lange nicht mehr so recht Fuß fassen konnte, lag auch daran, dass er im Umgang oft schwierig und unbeirrbar, in der Regel auch unbelehrbar war – was ihm andererseits aber half, seine Idee zur Gründung eines „Deutschen Instituts für Koch- und Lebenskunst“ und dessen monatliche Vergabe der Auszeichnung „Kochbuch des Monats“ durchzusetzen. Ich habe mich oft über ihn geärgert – und dann doch dabei geholfen, diese Idee gegen manche Widerstände zu verwirklichen.

Damit hat er, wie uns Verleger aus der Kochbuch-Branche bestätigen, in einer „Art und Weise für eine Aufmerksamkeit des Kochbuchs gesorgt, die nur durch seine unabhängige, wenn auch manchmal nicht ganz leichte Haltung zu machen war“ (Sabine Bruder von Hädecke), aber er hat auch „oft nachts am Telefon, er war ein einsamer Mensch, viel von uns gefordert“, wie Ria Lottermoser sagt. Alle sind sich aber einig: „Er hat so manches Mal Preziosen ausgegraben, die sonst nie diese Öffentlichkeit bekommen hätten, die sie aber zu Recht verdient haben. Sein Netzwerk mit anderen unabhängigen Kochbuchprüfern, darunter viele Sterneköche, hat funktioniert und das Kochbuch des Monats war für uns Verlage eine gute Möglichkeit, Präsenz zu zeigen – und dies anders, als es die nur einmal jährlich stattfindende Preisverleihung der GAD vermag“ (Simone Graff). Freunde Brunners überlegen schon, wie sie diese Idee weiterführen können; sein Büro im Haus des Buches soll, wie wir erfahren, aber mangels Masse abgewickelt werden.

Wir erinnern uns an einen leidenschaftlichen Buchmenschen, an dem man sich reiben konnte und musste. Und an seine Texte, sie waren geistreich, witzig und haben die Essenz eines Buches getroffen. Frank Brunner war sicherlich kein einfacher Mensch, eckte mit seiner Art oft an – aber er war ein Unikum, dem man dann wegen seiner manchmal doch herzlichen Art nicht lange böse sein konnte.

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