Bereits im Mai diesen Jahres verursachte eine Geschichte im New York Times Magazin (Ausgabe vom 14.5.2006) in amerikanischen Verlegerkreisen einige Unruhe. Dort beschrieb Kevin Kelly www.kk.org, lange Zeit – noch in den guten Tagen – Chefredakteur des Kultmagazins WIRED www.wired.com und Buchautor (NetEconomy, Out of Control), unter der Headline „Scan This Book!“, warum die Digitalisierung von Büchern seiner Meinung nach unaufhaltsam sein wird, wieso die industriell gefertige 1:1 Kopie längst entmachtet ist und warum das Urheberrecht durch eine Urheberpflicht ergänzt werden müsste.
Gott sei Dank gibt es die Schweiz, die ja bekanntlich neutral ist, und dort die Zeitung Weltwoche www.weltwoche.ch, bei der jemand aufgepasst hat und offenbar das New York Times Magazin liest. Gestern, am 6. Juli , erschien dort in deutscher Übersetzung und unter der Überschrift Und alle Bücher werden eins Kevin Kellys Geschichte . Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um das Urheberrecht, den sich alle, die sich im Recht fühlen – und wer tut das momentan nicht – die darum streiten, wer Recht hat, ganz genau durchlesen sollten. Denn noch einmal benennt Kelly, was sich durch das Internet und die Digitalität grundlegend verändert hat: „Die Entthronung der Kopie führt zum Zusammenbruch des auf ihr aufbauenden Wirtschaftsmodells. In einem System, in dem Gratiskopien in Hülle und Fülle zu haben sind, verlieren Kopien ihren Wert…“
Auch dazu, wer die Digitalisierung von Büchern vorantreiben wird, liefert Kelly einige interessante neue Aspekte und eine klare Haltung ab: „Egal, ob diese gewaltige Masse dunkler Bücher von Google, der Library of Congress, von Chinesen oder Lesern gescannt werden – sie werden gescannt, lange bevor ihr rechtlicher Status geklärt worden ist, und zwar einfach deshalb, weil die Technik dies so einfach macht und weil es so wertvoll ist.“
Und wie wir seit Ende Juni wissen, wird der Kreis derer, die bei der Digitalisierung von Büchern mitscannen wollen und die Kelly im Mai noch gar nicht auf dem Schirm hatte, eher größer, denn kleiner [mehr…].
STEFAN BECHT
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