
Mit Erfolg kreiste gestern die Radiostraßenbahn „Buch am Zug“ auf der Wiener Ringstraße: Etwa 600 Fahrgäste lauschten den Gesprächen mit prominenten Büchermenschen in der zum Radiostudio umgebauten Bim.
Bereits frühmorgens war Bürgermeister Michael Häupl zu Gast, der eine Bibliothek von etwa 12.000 Bänden sein eigen nennt.
Klaus Eberhartinger – froh, den Dancing Stars-Proben für eine Fahrt mit der Radiostraßenbahn entronnen zu sein – stellte Parallelen zwischen EAV-Texten mit frühkindlichen Wilhelm Busch-Erfahrungen her und Kurt Palm berichtete von gemeinsamen Film-Plänen mit Hermes Phettberg.
„Die Lausbubengeschichten, die mir mein Vater und mein Großvater erzählt haben, waren für mich viel prägender als Proust oder Musil“, so Schriftsteller und Psychiater Paulus Hochgatterer, der den aktuellen Krimiboom mit einem Identifikationsangebot erklärte, das Krimis „auf einer Ebene liefern, auf der man sich üblicherweise als zivilisierter Mensch nicht begibt. Natürlich identifiziert man sich mit dem Mörder .“
Nahost-Expertin Karin Kneissl appellierte an die Medien, wieder vermehrt Korrespondenten in die Region zu schicken: „Die Journalisten müssen wieder mehr reisen, sie müssen sich vor Ort begeben und die Konflikte beschreiben. Alles andere degradiert die Krisen dort zu statistischen Zahlen.“
Viele der Mitreisenden drehten nicht nur eine Runde um den Ring, so mancher Fahrgast kam zu einem späteren Programmpunkt wieder in die Radio-Bim zurück. Und auch das Online-Gewinnspiel fand regen Zuspruch – 100 von den Radiostraßenbahn-Gästen signierte Bücher und Buchgutscheine wurden an die Mitspielenden verlost.
„Mit der Radiostraßenbahn ist es uns gelungen, dem Buch einen Tag lang mitten im pulsierenden Stadtleben eine Bühne zu bieten“, freut sich Hauptverbands-Präsident Alexander Potyka über das große Interesse an „Buch am Zug“.
Alle Gespräche sind auch weiterhin unter www.buchamzug.at als Downloads nachhörbar.